Der Schwabe Oettinger und die englische Sprache, das ist wie ein Hirsch im Wettstreit mit einer Nachtigall. Die Schweizer aber stehen den Hirschen näher.
Es spricht manches, wenn auch nicht viel dafür, dass die Schwaben zum romanischen Kulturkreis zu zählen sind. Zwar haben sie, anders als etwa die Franzosen, wenige bedeutende Beiträge zur europäischen Zivilisation hervorgebracht, wenn man einmal von Spätzle und diversen Denkern nebst Dichtern absieht, von denen aber die bedeutenderen wie Friedrich Schiller und Hermann Hesse, aus guten Gründen, ver- oder getrieben, bald das Schwabenland verlassen haben.
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Ob Bambi in Wahrheit auch schwäbelte? Man weiß es nicht, wurde es in Disneys Film doch synchronisiert. (© Foto: dpa)
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Eindeutig aber ist, dass Schwaben - wie auch Spanier und Italiener - andere Sprachen als jene, die sie von ihren Eltern gelernt haben, nur lauttechnisch entstellt sprechen können. Dies hat damit zu tun, dass Schwäbisch keineswegs, wie das meistens behauptet wird, nur eine Mundart des Deutschen ist.
Schwarzwäldische Geducktläufer
In Wirklichkeit ist es eine vordeutsche Ursprache, mit der sich schon vor Jahrtausenden die eher behaarten Kleinvölkerschaften wie der homo stuttgartiensis oder auch der homo semierectus nerosilvaticus, der schwarzwäldische Geducktläufer, untereinander verständigten.
Nein, es soll jetzt nicht schon wieder auf Günther Oettinger, speziell auf dessen Englisch, herumgehackt werden. Oettinger vorwerfen zu wollen, er verfremde das Englische bis zur Unkenntlichkeit, ist so sinnvoll, wie etwa einen Hirsch dafür zu tadeln, dass er nicht trillern kann wie eine Nachtigall. Zwar wird ein Hirsch auch nicht von der Bundeskanzlerin für ein Gremium nominiert, in dem es zu trillern gilt. Dies aber ist eine politische Frage, und wenn Frau Merkel einen Hirsch in eine Voliere zu versetzen beliebte, könnte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm jederzeit erklären, warum ein Hirsch machtphänomenologisch einer Nachtigall doch recht nahesteht.
Unmodulierte Urlaute
Zweifelsohne hat die Causa Oettinger ein grelles Schlaglicht auf die Rolle des Schwäbischen in der Welt geworfen. Selbst das Sächsische lässt den Deutschliebenden nicht vergleichbar erschauern; das Fränkische wirkt zwar aus der Zeit gefallen, aber dennoch niedlich. Gewiss, das Bairische ist eine halbwegs geordnete Aneinanderreihung von unmodulierten Urlauten, aber jedenfalls denkt man dabei nicht sofort an Studienrat und Kehrwoche.
Ähnlich problematisch wie das Schwäbische sind nur noch jene Lautfolgen, die Schweizer ausstoßen, wenn sie meinen, "Schriftdeutsch" zu sprechen. Im Moment fällt dies wieder besonders auf, weil in allen deutschen Radio- und Fernsehsendern Schweizer zu hören sind, die erklären, warum ihr Bankensystem auf der Steuerhinterziehung durch Deutsche basieren muss. Hört man dem Deutschschweizer zu, bekommt man den Eindruck, seine Sprache sei vielleicht entstanden, als vor langer Zeit schwäbische Hirsche an den Zürichsee migrierten, um dort der Evolution zu frönen.
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(SZ vom 06.02.2010/ehr)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Tief im Westen, wo die Bildung verstaubt, tobt Recklinghausens Rache an Deutsch-Südwest: Siegfried Schwäbli. Eigentlich den rheinisch-westfälischen Brukterern (Vorfahren von Hape Kerkeling, Rüttgers, Merz, Müntefering) entsprungen, die Geograph Ptolemäus großzügig dem großswebischen Verband zurechnet, ist Siggi für fast alle die Inkarnation des schwäbischen Porno-Luschtverluscht. Er selbst sieht sich als Prototyp des dampfenden Brunftlers, der die Baywatch-Busine Pamela andichtet ("Siegfried ist sexy").
Von dort braucht es keinen verbalen Salto bambinale zum Parc-aux-cerfs der blonden Vrenelis, wo burdeske Hinden ihre Hintern zeigen (Boucher). "Corruption of values" (Norman Mailer, Deer Park) - dem roten Wurst-Ulmer Hoeneß erscheint Freifrau von und zu Guttenberg als Lady in Red. Ursula Andress jagte Dr. No noch in Weiß.
Wie besingt ein kapitaler Hirsch auf Englisch "his gifts" für den jagenden Lord (Branduardi, The Stag)? "And these my ears as fine cups for you to toast your ladies" (DJ Bobo, bitte auf Hochalamannisch, oh, Schwyzerdüütsch) oder "These majestic antlers for you to hang yours bows on" (gilt auch für Armbrüschte). Die Gnomen von Zürich hätten zwar lieber Rhinoceros steinbruckiensis (Horn abgesägt). Schweizer Garden werden aber nicht im deutschsprachigen Ausland eingesetzt, wg. tierischer Abneigung. Seit dem Schwabenkrieg 1499 nennen Schweizer ihre Küchenschaben - ja, wie? Schwaben.
Große Figuren aus gelebtem Mythos sollte man immer auf schwäbische Rest-Accessoires prüfen: Etwa - den munteren Fidel Alejandro. Castro, Kuba? Hanoi: Lugo/Galicien, altes Swebenreich. Wer aus Lucus Augusti stammt, hat ewig Imperiales - wie der quasselnde Held Theudemir im "Herrn der Endlosschleifen". Den vormals roten, von Revoluzzerinnen gekräuselten Fusselbart läßt der Líder Máximo schon durch den Sandstein kyffhäusern. Der Sozialismus siecht Ton in Ton. Zur List der ergrauenden Weltgeschichte gehört das perpetuierte Greisenalter - welches laut Hegel (Schwabe!) ein "germanisches Weltreich" sei. Das walte Svevus semper Fidelis! "Ich bin dann mal wech" (Hape), nach Compostela, zur Reconquista. Nur pilgern? Ach was, kämpfen - dank Jakobs Gebeinen und Matamoros, dem Mauren-Metzler. Schwabe Hegel wäre entzückt: Der Weltgeist wabert, das Weltgericht tagt ab sofort.
Apocalypse now - ha noi, häahlengád Offebarung! Letzte Worte des Arnold Winkelried (Schweizer Nationalheld) gegen die schwäbischen Steuervögte: "Schupfet nit eso!"
"Kòener schwätzt mit ons, kòener will ons ha" (Grachmusikoff) - schwäbisches Leitmotiv für ausgeprägten Wander- und Erwerbstrieb?! Im Hochmittelalter bemaß man schwäbische Migrationslust nach Pferdestärken. Am Schweife seines Rosses zog Barbarossa neue Burgen hinter sich her - eine Gentrifizierung, die das schwäbische Weltkind in der Mitten immer bei sich sein ließ. Erfinder des Schwänglisch ist es aber nicht: Das schaffte - lange vor den römischen Verträgen - ein römischer König im Interregnum. Am Plantagenet-Hof zu London sprach man nur altfranzösisch - allein Richard von Cornwall konnte Angelsächsisch, somit "Deutsch", was ihn für kontinentale Aufgaben qualifizierte. Er kam nur bis vor die Tore Frankfurts, wo staufische Hausfrauen ihre Minischterialen und Ackermänner mobilisierten.
Schwaben im Ausland, zumal in Italien, sind rasch ein Fall für den Therapeuten, neigen sie doch zu Gelagen auf der Spanischen Treppe oder benehmen sich gleich Rotbarts Rittern wie eine offene Hose. Gruppen-Motoriker, jeder forsche Clan ein Porsche-Fan - wer Boss ist, bestimmt die Wanderheuschrecke. Von solchen Alb-Elben trigematisiert, raunten die Früh-Berlusconier "Mosca in cervello" (Mücke im Hirn). Oder doch ein kleiner Hirsch - der mit dem Geweih an der Stoßstange? Südalpin hießen die Stouffer "Ghibellini", nach Waiblingen, welches 3 schwarze Hirschstangen im Wappen trägt - ebbes das Porsche-Logo.
Schon Augsburger Entrepreneure haben globalisiert, um Kapital hinzufuggern und prompt zu verwelsern. Die famosen Hohen auf Zollern dagegen dehnten sich aus, von den Tälern des Prä-Piet-Cong bis zur Mark-Ergreifung. Mei Hoim isch mei Kaschtelle - sagen Hechinger Grufties und die sagenhafte "Weiße Frau" im Berliner Stadtschloß bis heute. Was Kurfürscht Eisenzahn gründete, wird alsbald im schwäbischen Risorgimento in Berlin reanimiert.
Die Herrinnen der Kehrwoche blieben seit Kaiser Karl erblos - auch wenn ihre Buben erbversessen in der Weltgeschichte herumfuhrwerkten. Mäedla von Baar und Schwarzwald verreisten ungern in illiterate Gefilde. Wenn eine Kulturversessene aus jenem Stutengarten von OberstudienrätInnen (mit Nestelzopf oder Haarzwiebel) in die unwirtliche Mitte von Berlin wechselt, als Schaff-Magd im zweiten Merkel-Bildungsdienst an der Akzisemauer, kurz vor dem Pestfriedhof - dann ist sie Oettinger-Flüchter, uferrheinfränkisch-katholisch und so keusch wie die westfälische Droste am Bodensee. Na denn, gut's Nächtle!