Von Kurt Kister

Spongebob und Bernd das Brot teilen den ins Elegante schwappenden Gesamteindruck, den Liberale heute haben müssen. Doch Spongebob ist gelb und damit der bessere Kandidat für den FDP-Vorsitz.

Unter feinfühligen Fernsehfreunden gibt es eine Debatte darüber, ob lieber Bernd das Brot oder doch eher Spongebob der nächste FDP-Vorsitzende werden sollte. Phänotypisch ist beiden jener ins Elegante schwappende eckige Gesamteindruck zu eigen, den führende Liberale heute haben müssen, wie etwa der Außen- oder der Entwicklungshilfeminister zeigen.

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Elegant, eckig, gelb und ein Liebhaber kurzer Hosen: Sollte die gegenwärtige FDP-Führung ein Unglück befallen, wäre Spongebob der geeignete Kandidat. (© Foto: dpa)

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Bernd das Brot ist eigentlich zu depressiv, um die FDP zu führen. Spongebob aber ist ein exaltierter Charakter, der sehr jubeln oder sehr weinen kann. Weil er außerdem auch noch gelb ist und habituell kurze Hosen trägt, ist er wohl, sollte die gegenwärtige FDP-Führung ein Unglück befallen, der bessere Kandidat.

Ledrig und geläutert

Man muss sich nicht nur Sorgen um die FDP machen, sondern es gilt auch jene zu verteidigen, die sich selbst nicht wehren können: die alten Römer und die Esel. Die einen sind schon lange tot und den anderen geht es wie den FDP-Wählern: Sie werden immer weniger, und keiner hört auf sie, auch wenn sie noch so laut schreien. Den Eseln hat diesmal Heiner Geißler einen Tort angetan.

Geißler ist jener ebenso ledrige wie geläuterte CDU-Generalsekretär a.D., von dem man nie vergessen darf, dass er mal den Pazifismus für Auschwitz mitverantwortlich machte, was nicht einmal ein Esel tun würde. Geißler also hat den FDP-Vorsitzenden einen Esel genannt. Das ist gegenüber beiden involvierten Parteien ungerecht.

Einerseits möchte der genannte Politiker, wie er am Aschermittwoch betonte, nicht mit Tieren verglichen werden. Allerdings hat Geißler ihn auch nicht verglichen ("...ist wie ein Esel"), sondern er hat ihn gleichgesetzt ("...ist ein Esel"). Das ist nun dezidiert falsch, denn auch beim FDP-Chef handelt es sich eindeutig um einen Menschen.

Andererseits macht sich Geißler, so sind die CDUler, keine Gedanken darüber, was Esel fühlen, wenn sie mit einem Menschen, gar mit dem Außenminister, identifiziert werden. Esel waren lange Zeit treue Gefährten der kleinen Leute und der Bauern, was man von der FDP überhaupt nicht behaupten kann.

Allerhand Unsinn

Und schließlich die Römer. Jeder Schalksnarr bemüht die römische Geschichte, wenn er andere beleidigen will. Der eine entdeckt "Cäsarenwahn" bei Josef Ackermann, der andere setzt den Sozialstaat mit spätrömischer Dekadenz gleich. Gewiss doch, in ihrer langen Geschichte ab urbe condita haben die Römer allerhand Unsinn gemacht. Aber immerhin erlebten jene Regionen, die von den Römern kolonisiert wurden, einen enormen zivilisatorischen Schub.

Bis heute kennen die Gebildeten von Gibraltar bis Trier die lateinische Sprache. Rom war groß, auch im Untergang. Zur Diskussion über Dekadenz, Geißler etc. ist daher leicht küchenlateinisch nur anzumerken: Unda occidentalis asino similis est.

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(SZ vom 20.02.2010/kar/mikö)