Einst hatten die Kabarettisten den heiligen Franz Josef, den rotsockigen Streiblmax und Stoiber, den streitsüchtigen Wolfratshauser Vorstadtgeck. Heute bleibt den armen Hunden nur der Söder.
Wenn man in München sagt, dass man Biergärten nicht sehr und Bierhallen gar nicht mag, gilt man als schwuler Kommunist oder mindestens als damischer Preiß. Gewiss, ein Biergarten kann seinen Reiz haben, zumal wenn man sich in diesem endlosen Winter vorstellt, es könne wieder mal so warm werden, dass man im T-Shirt draußen sitzt und an einem lauen Abend unter Kastanien ein Lüngerl mit Knödel, keine Speise für damische Preiß'n, isst.
Bild vergrößern
Es gibt Menschen, die sagen, das Politiker-Derblecken am Nockherberg sei früher viel lustiger gewesen. Man trifft aber kaum jemanden, der das beschwören würde. (© Foto: Stefan Rumpf)
Anzeige
Andererseits ist der Prozess der menschlichen Zivilisation untrennbar damit verbunden, dass man immer mehr Dinge, welche der Urmensch draußen tat, in Gebäude verlegte. Der Cro Magnon spaltete dem Riesenhirsch im Wald den Schädel und verschlang seine Beute im Freien, vielleicht geschützt vom Überhang eines großen Felsens. Heute dagegen geht man, so man in München lebt, zum Dallmayr und kauft dort ein Filet vom Kobe-Rind für 56 Euro. Zubereitet und verzehrt wird es in der Villa am Isar-Hochufer, deren Panorama-Fenster den Eindruck vermitteln, da draußen im Garten könnte man, wollte man nur, sich ein wenig, und sei es nur für eine halbe Stunde, wie der Cro Magnon benehmen.
In unseren Breiten gibt es die Sucht, sobald die Sonne scheint, sich rauszusetzen. In Bayern ist diese Sucht noch verbreiteter (daher rühren die Biergärten), wohl auch weil in Bayern der Cro-Magnon-Trieb stärker ist als in anderen Bundesländern. Dass in Bayern auch Bierhallen sehr populär sind, steht keineswegs im Widerspruch dazu. Die Bierhalle ist lediglich ein überdachter Biergarten. In Bierhallen oder Bierzelten benehmen sich die Sitzenden, die meist auch Saufende sind, noch unangenehmer als in Biergärten. Sie schreien lauter, sie riechen strenger und sie erbrechen sich schneller.
Wie es ist, wenn Bierhalle, Cro Magnon und Isar-Hochufer aufeinander treffen, kann man jedes Jahr beim sogenannten Politiker-Derblecken am Nockherberg studieren. Es gibt Menschen, die sagen, früher sei das viel lustiger gewesen. Man trifft aber kaum jemanden, der das beschwören würde. Es stimmt schon, früher waren die Politiker selbst zwar nicht lustiger, aber sie waren skurriler wie etwa der heilige Franz Josef mit seinem Pistolerl in der Handtasche oder der rotsockige Streiblmax und sogar der junge Ede Stoiber, der streitsüchtige Wolfratshauser Vorstadtgeck.
Heute müssen sich die Kabarettisten mit Söder und Guttenberg zufrieden geben. Die Kabarettisten selbst sind auch arme Hunde, weil das Volk, das Bierhallenvolk zumal, an sogenannte Comedians gewöhnt ist, die keine Geschmacksgrenzen kennen. Auch deswegen benehmen sich die wenigen noch überlebenden Kabarettisten immer häufiger so, als wären sie Komödianten. Und damit werden sie den Objekten ihrer Kunst, den Politikern, immer ähnlicher.
- Thema
- Deutscher Alltag RSS
- Kolumne: Deutscher Alltag Ein Abend mit dem Schraubenmann 06.03.2010
- Kolumne: Deutscher Alltag V wie Feuilleton 27.02.2010
- Kolumne: Deutscher Alltag Schwamm drüber 20.02.2010
- Kolumne: Deutscher Alltag Die Angst der Frau vor dem Russen 12.02.2010
- Kolumne: Deutscher Alltag Trillernder Minister im Hirschgehege 07.02.2010
- Kolumne: Deutscher Alltag Das Leben ist eine Baustelle 15.05.2010
- Deutscher Alltag Geht's noch? 07.05.2010
(SZ vom 13.03.2010/kar)
Wettmanipulation im Fußball
O-Ton (rekonstr. - Pardon, Loriot) des Homo sapiens Magdaléniensis Maxsuburbii postumus latinofidelis, vulgo F.-J. Strauß selig. Weiland auf Wildbahn zu Bonn, beim virtuellen Abfieseln eines kleinwüchsigen, je kapitalen Barmbeker Rothirsches Helmut, der ihn um ZEITen überlebte (zuletzt dampfend an HH-Speersort gesichtet, beim Schlag ins Weltwirtschaftskontor). Verbales Marodieren verschonte auch keine Roth-Hinde, keine Krampfhenne, damische - angebrutzelt, darauf nen Armagnac. So freischaffende Amigos hießen in Köln nur "arme Jecken" - auch wenn sie mit dem blonden Fallbeil hantierten, versehrt (Poldi, ohne linken Fuß) oder sehr verkehrt (Edi, ohne MP). Zu Steinzeiten, als schmackhafte Blondinen noch Schwänze trugen (ohne daran geweckt werden zu wollen), intonierte der Höhlen-Kraftmeier bereits "eindi jodl di ladl digewadl hosnstadl" - sinngleich etwa "Komm, Du meine Taube, in meinen Felsenschutz" (Hohelied Salomos; H.Fuhrmann), hielt er doch jeden Lerchenberg für Wachtelhügel ob der BR-geschützten Isar.
Ein gutter Berg-Aurignacien überlebte, weil er Fisch ins Menü aufnahm, Fastenspeise wie den Bismarck-Hering - fern vom freiwütigen Diplomaten-Amtsherrn ("Er ist ein Gesandter, aber kein geschickter", OvB), feudelt aber als Generalfeuerwerker feudal. Schnöder Köder für Söder, den schweren Kommunalisten "Altdeutscher Rechtstraditionen", der da darbt: "Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn". Mag auch Spätchrist Ramsauer trockenen Fußes über den Chiemsee wandeln - aus dem Norden importiert ist so manches mittelalte Urbairische. Ainpöcksch Bier hat hanseatische Stammwürze - hört, Andechser, Paulaner, Doppelböcke: Salve pater patriae. Augustiner-Chorherren führte zu St.Nikola/Passau Bischof Altmann ein, aus Paderborn ("Farzel-Barzel"), dennoch selig. Ebendort wurde ein spottlustiger Domkaplan mit dem Krummstab traktiert, "pro mulis et mulabus", wie TierMaul-"Apollo 13". MeinWerk ist Heiliger Geist, sind Prügel für FaMuli im Internat - fast wie Kabarettschelte eines Chemnitzer Lateindozenten ("Recenseo, ergo sum"). Zölibat statt geschlamperter Verhältnisse in Ebersberg, wo sich die adlige presbiterissa Hildegund ihren Priester Gunduni hielt, in Augsburg, wo Priesterfrau Froybirg den Ambrosius-Kommentar zum Herrenlob (Ps. 118) schenkte - den Mönchen aus Benediktbeuern. Tja, Marx, denn man nicht zu westfälisch.
Jetzt wird die Wiese grün - selbst die Schwarzen liegen drin. "Und dieses Jahr ist der Baum grün und umweltfreundlich" (Vati Hoppenstedt).