Es ist in Deutschland so ähnlich wie in Italien, nur umgekehrt: Während in Italien der Norden an seine Überlegenheit über den Süden glaubt, weiß in Deutschland der Süden um die Schwächen des Nordens.
Jetzt ist der Wahlkampf wieder spannend. Na ja, "wieder" stimmt nicht ganz, denn er war es bis Ende August überhaupt nicht. Aber seitdem bei den Landtagswahlen die SPD in ein paar Bundesländern so wenig verloren hat, dass man fast den Eindruck haben könnte, sie wäre in der Lage, auch mal wieder mehr als nur an Anerkennung zu gewinnen, hat der SPD-Parteivorstand beschlossen, dass man 1) Rückenwind verspürt, 2) auf einem guten Weg ist und 3) "dieses Land Schwarz-gelb nicht will" (Frank Steinmeier).
Durch die schwarz-gelbe Koalition spaltet sich Deutschlands Süden vom Norden ab. CDU und FDP regieren bereits gemeinsam in Bayern und Baden-Württemberg. (© Foto: AP)
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Nun regiert Schwarz-gelb aber zum Beispiel in Bayern, Baden-Württemberg und demnächst auch in Sachsen. Offenbar wollen die Schwarz-gelb. Aber wahrscheinlich gehören die auch gar nicht zu dem, was Steinmeier meint, wenn er "dieses Land" sagt. Viele Sozialdemokraten denken, dass die eher südlichen Bundesländer nicht so richtig zu Deutschland zählen, weil die Länder wirtschaftlich relativ erfolgreich und ziemlich SPD-abstinent sind. Die Schwaben und die Bayern sind außerdem auch noch gerne katholisch. Es gibt bestimmt irgendwo eine OECD-Untersuchung, die belegt, dass die sächsische oder bayerische Abiturprüfung in etwa den Anforderungen einer Promotion in Niedersachsen oder einer Habilitation in Mecklenburg entspricht, ganz zu schweigen von Vorpommern.
Deutschland zerfällt in zwei Hälften
In diesem und in manchem anderen Sinne zerfällt "dieses Land" in zwei Hälften. Nein, nicht das klassische Ost-West-Zeugs. Die Sachsen stehen den Bayern in vielerlei Hinsicht näher als den Preußen oder den Westfalen. Zwar sprechen sie einen schauderhaften Dialekt, der aber auch nicht schlimmer ist als das Schwäbische oder das Fränkische.
Es ist in Deutschland so ähnlich wie in Italien, nur umgekehrt. In Italien glaubt der Norden, er sei dem Süden überlegen, was den durchschnittlich Durchgeknallten in Mailand oder Cremona dazu veranlasst, an die Loslösung aus der italienischen Union als Padanische Republik zu glauben. (Denkt man an den gockelhaften Premierminister Berlusconi, könnte man allerdings auch ganz undurchgeknallt dafür sein, Italien als Staat aufzulösen etwa so wie das Gaddafi mit der Schweiz machen will.)
Während also in Italien der Norden an seine Überlegenheit über den Süden glaubt, weiß in Deutschland der Süden um die Schwächen des Nordens, zu dem in Deutschland große Teile des Westens und des Ostens gehören. Auch Steinmeier ist diese Nord-Süd-Teilung wohl bewusst. Schließlich ist er in Detmold, Ostwestfalen geboren und hat in Hessen promoviert. Hessen übrigens ist, trotz schwarz-gelber Regierung, nicht mehr Süden, allerdings auch noch nicht richtig Norden. Hessen ist eher so eine Art Osten im Westen. Vielleicht auch umgekehrt.
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 12.09.2009/jebe)
Single Awareness Day
@ATouchofFrost: Spricht da ein lippischer Ideologe? Na, dann wollen wir doch dem armen Oberbayern, der von den Zinnen des SZ-Hochhauses weit nach Nordwest in die untergehende Genossensonne blinzelt, zugutehalten, daß jenseits des Weißwurstäquators die Konturen verschwimmen. Natürlich liegt Detmold in "Ostwestfalen" - wenn man auf Westfalen seit 1180 schaut. Lippe ist ein Duodez-Territorium, dessen Fürsten im Zuge der Reformation sich auf die Seite der calvinistischen Reformierten geschlagen haben, während nebenan in der Grafschaft Ravensberg (Erzfeind Bielefeld!) die lutherschen Pietisten frömmelten - und von den Brandenburgern geerbt wurden. Die Lipper Herren aber blieben triebstark und produzierten Söhnchen - weswegen sie bis 1918 (relativ) selbständig waren. Aber: "Westfalen" sind sie trotzdem nicht, sondern gehörten vormals zum Herzogtum Engern und zum Bistum Paderborn (wie auch die Ravensberger). Die wahren "Westfalen" ließen sich von Köln, Münster, Osnabrück kirchlich gängeln. Aber im Ernst - versteht das ein alter Dachauer? Er könnte ja mal versuchen, uns die bayerischen Realteilungen näherzubringen - das wiederum paßt nicht in einen westfälischen 30x40-Schädel.
Seit wann ist Detmold in Ostwestfalen?
... so die Präambel zur Weimarer Verfassung, gleich nach "Das Deutsche Volk" - die Nationalversammlung vor 90 Jahren wußte genau, daß dem nicht so war. Wie denn anders?! Dagegen sprechen 1200 Jahre Historie und das tief eingewurzelte Bewußtsein von einem geerbten Nord-Süd-Konflikt, seit die schwäbischen Granden auf dem Cannstatter Wasen bluteten und der letzte bayerische Souverän (Herzog Tassilo III.) wegen übertriebener Eigenwilligkeit im Kloster Keuschheit und Gehorsam lernte (8.Jh.). Jaja, "ein Abgrund von ..." nein, nicht Landesverrat - nur Familienzwist mit Vetter Charlemagne. Der angeblich deutscheste König, Herr Heinrich am Vogelherd (eher wohl: der Vö.gler), in den sich der bayerische Gymnasialprofessorensohn und Reichsheini Himmler reinkarnieren wollte, jedoch - er fühlte sich als Rex Francorum atque Saxonum, nachdem Aachen und Quedlinburg sich einig waren. Elbslawische Sorben durften höchstens als Wendehälse sächsisch werden - was ihre heutige Ergebenheit erklärt, von wegen Vichilanz. Südlich des Mains aber nur pseudo-freistaatliches Anschlußgebiet. Den arg bawarisch grantelnden Luitpoldis und den schwäbischen Bruddlern blieb auf ihren Burgen lange die 2. Reihe, ehe sie mit Staufern und Wittelsbachern ihre natürliche Abneigung gegen solche Hansen und Deutsch-Ordentlichen reichsrelevant austoben konnten. Freiwillig sind sie nie in den wüster Genossenschaftlichkeit verdächtigen Norden aufgebrochen, geschweige denn dort angekommen. Vielleicht deshalb das Beharren auf Post- und Telegraphenverwaltung in Bayern und Württemberg (Art. 170 Weim.Verf.) - "von dem Willen beseelt ... den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern"?
Fürwahr, manche Teilung nach Beati possidentes und Mindermäusen läßt sich tribalisiert verstehen, etwa die Staatspartei in Bayern, die, falls man sie anrührt, zerfällt in die Südingolstädter Volkspartei für artiges Korn und sittsame Computer - und die Nordingolstädter Adelsgesellschaft zur Opelpopelvermeidung. Das Alte Reich war immer schon Schwarz-Gelb - nicht nur Nürnberg und Esslingen, auch Aachen, Essen, Dortmund, Herford, Quedlinburg, Lübeck. Welche Qualen mit Liberalen, wenn sie nationalen - Träumen nachhängen (Außenmin. Guidav Striesemann) und zugleich Mikas Teenage Circus beschwören: "We are not what you think we are. We are golden".
Und Italien? Ach, der Held südlicher Hühner, Silvissimo Löwenherz, ist ja selbst ein Padanus. Heißt aber nichts - was wurde im 13. Jh. neu besiedelt von Lombarden? Genau - Corleone.