Schade, dass es immer weniger Dackel gibt. Diese Art von Hund ist nicht nur deutlich intelligenter als ein FDP-Staatssekretär, sondern besitzt auch Grundkenntnisse im Schafkopfen.
Neulich war irgendwo zu lesen, dass es immer weniger Dackel gebe. Das ist sehr bedauerlich, denn der Dackel ist nicht nur ein recht haltbarer Hund, sondern auch deutlich intelligenter als ein Delphin oder ein FDP-Staatssekretär. Außerdem ist der Dackel ein treuer Gefährte, der notfalls bereit ist, sich für seine Freunde aufzuopfern. In seiner kurzhaarigen Form ist der Dackel noch dazu jener Hund, der einer mobilen, bodennahen Leberwurst am ähnlichsten sieht.
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Er weiß den dackel noch zu schätzen: Tom Gerhardt als "Hausmeister Krause" mit Hund "Bodo". (© Foto: dpa)
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Der italienische Afrikaforscher Gaetano Casati gilt als ein früher und entschiedener Dackelfreund. Major Casati, Autor des 1891 erschienenen zweibändigen Werkes "Zehn Jahre in Äquatoria und Rückkehr mit Emin Pascha", soll auf seinem Dackel in einem kleinen Holzgestell einen sechsschüssigen Revolver montiert haben. Mittels eines nahezu unsichtbaren Bindfadens konnte Casati, so heißt es, die Waffe auf dem Rücken des Dackels abfeuern. Der Dackel habe den Lärm stoisch ertragen, wohingegen feindselige Eingeborene vor dem feuernden Hund unter Gebrüll geflohen seien.
Dackel sind duldsam. In Berlin wird von einem Bücherschreiber erzählt, der, wenn ihm nichts mehr einfällt, seinen Dackel zur Hand nimmt und ihn an die Schulter anlegt, als sei er ein Schießgewehr. Der Hund, dies erzählen an und für sich verlässliche Zeugen, versteife sich dann nach der Art einer Salatgurke, sodass der Schriftsteller über den Hinterkopf des Dackels in die Ferne visieren kann. Und in der Ferne wohnt bekanntlich die Weisheit. Der Autor nennt diese, dem Yoga verwandte Übung "mein Dackelgewehr", im Internet soll es Fotos davon geben. Das Dackelgewehr, sagt der Schriftsteller, habe ihm manche Inspiration für schwierige Passagen gegeben, die er, am Computer ins Leere grübelnd, ohne den Dackel zunächst nicht zu Ende habe bringen können.
In Bayern war der Dackel früher der klassische Wirtshaushund. Sein Halter war meist ein älterer, übergewichtiger Mann, der aussah wie eine Mischung aus dem Schauspieler Walter Sedlmayr und dem Komödianten Henryk Broder. Der Dackel saß unter dem Tisch. Dort schlief er aber, anders als andere Hunde, nicht. Bis weit in die sechziger Jahre hinein hatten viele bayerische Dackel Grundkenntnisse des Schafkopfens.
Mit gewissen sanften Bissen in Knöchel und Unterschenkel ihres Herrchens konnte manches Tier so den Verlauf des Kartenspiels beeinflussen, zum Beispiel, wenn ein gegnerischer Spieler sein Blatt unvorsichtigerweise so in der baumelnden Hand gehalten hatte, dass der Dackel Einblicke gewann. Der bayerische Fluch "du Hund, du varreggda" geht auf solche Dinge zurück. Gerade zu Weihnachten, da man an manches denkt, was man vermisst, sollte man den Dackel nicht vergessen.
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
(SZ vom 19.12.2009/iko)
Wie sagte Horst Stern in seinen "Bemerkungen über Hunde" so trefflich: Über Dackel wolle er kein Wort verlieren, sie seien ihm zu menschlich?! Was für eingeschränkte Haltung beider spricht (Dackel und Horst Schlämmer haben "Rücken"), bei gleicher Brauchbarkeit in Dreierbindungen, die das dominante Frauchen ihren staatstragenden Liebling schon mal "Männe" anreden läßt - den Ehemann ruft sie "Du Dackel", wenn dieses Grauhaar nicht Männchen macht; schließlich ist er nicht der "leitihunt" (altbair.).
Verkannt als Drangtonne älterer kinderloser Damen, die die Sitzhoheit im/auf dem Kabinett und die Lufthoheit an jeder Kaffee- und Klimatafel beanspruchen, soll der tiefergelegte "Dachsbeinige" (J. Paul) den wahren Schoß der Macht seit Tassilo dem Lüsternen bewachen, "barmbraco", gut gestopft (wie das Halloween-Gebäck Barmbrack), und treubissige Fides gegen handgreifliche Werber. Sogar das Schafkopf-Spicken im Wirtshaus erklärt sich aus höherem Zweck: Im Bilder-Psalter der Yolande de Soissons (1290) schaut ein Hündchen kundig aufs Blatt (Pergament), woraus die Dame das Marienoffizium singt. Meditation erfordert eben Ruhelage, auch für "die bracken, die auf den polstern ligen und pfeifen mit dem hindern" (Luther).
Verleumdung - der Canis cunicularius kriecht in jeden verwinkelten Paragraphen-Bau, wenn es um ungesetzliche Karnickel geht. Das Wörterbuch der Gebrüder Grimm nennt keine Dackel, wohl aber Doggel und Brackel (männl. bair.) - womit bewiesen wäre, daß der gemeine Dachshund auch sprachlich eine hybride Entwicklung der letzten 200 Jahre ist. Das eint ihn mit dem Canis secretarius rei publicae, den viele als Laufhund "spurihunt") oder Windhund ("veltrarius") falsch einschätzen. Er ist auch keineswegs die Nackenrolle für seinen Minister: Verängstigte Hunde um den Hals zu tragen, ist Schandstrafe für Mailänder-Dom-Werfer oder Vereinspräsidenten des AC Milan oder überhaupt Mailänder - Cac.catum non est dictum (A. Kerr über K. Kraus, nicht Broder über Biller).
Der Altbaier aber kennt den "bibarhunt" als versierten Schleifengänger und Urahn des Dackels - kein bunter Hund wie Tristans Petitcriu, aber fähig, seinen Grünrock in die ewigen Polit-Jagdgründe zu schicken. Techniken dieser Art heißen heute abhoyern, mückemachen, erbahrmen oder pieperlingsen. Wackeldackeln steht nur ein schlimmes Schicksal bevor: Nicht allein der politische Gegner Fuchs oder Dachs, nein - auch der eigene Chef Parteifreund Niebelkrähe oder Rösselhüpfer droht sie zu verbuddeln.
Selten kann man als Reaktion eines Artikels der Tagespresse so spontan lachen. Nett.