"Alle haben diese Produkte gekauft. Keiner hat sie verstanden", wetterte Kohl. Sie selbst habe derartige Anlageformen in ihrer ARD-Sendung nie thematisiert, weil man das in zwei Minuten dreißig niemals erklären könne. Und wenn man Dinge nicht in zweidreißig erklären kann, dann kann damit irgendetwas nicht stimmen. So sieht es Anja Kohl.
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Ziemlich gelassen konterte der ehemalige Chefbanker Kopper, niemand werde gezwungen, diese Produkte zu kaufen: "Das verstehe ich nicht, das kaufe ich nicht." So einfach sei das. Punkt.
Zwei Welten prallten aufeinander: Die Finanzwelt, für die Verluste Teil eines Risikos sind und die auf das Gesetz des Stärkeren und die Selbstheilungskräfte der Märkte setzt. Und daneben die normalen Kleinanleger, die das alles nicht verstehen. Die nur sehen, dass ihr Lehman-Zertifikat, das sie bei der deutschen DAB-Bank gekauft haben und das ihnen "100 % Kapitalschutz" versprach, jetzt wertlos ist.
"Die Börse gibt's, die Börse nimmt's."
Und die Zuschauer? Die wussten nach 75 Minuten zwar, wie die Finanzkrise entstand, welche Bank pleiteging und was ein Portfolio ist - doch Lehren aus dem Debakel durften bei Plasberg nicht gezogen werden. Besonders deutlich wurde das in einem Dialog kurz vor Ende der Sendung, noch immer ging es um die Krise der Banken:
Kohl: "Was sind die Folgen für den Mittelstand?" Kopper: "Definieren Sie mir erst einmal Mittelstand" (will weiterreden, aber sein Beitrag geht unter ) Hickel: (setzt parallel gerade an, etwas zu sagen, will möglicherweise Anja Kohl beipflichten)
Da springt Frank Plasberg ein und schließt "diese Diskussion einfach mal ab".
Und in Zukunft? Sollen die Finanzmärkte stärker reguliert werden? Sollen Gewinngrenzen eingeführt werden, um den Spekulanten Einhalt zu gebieten? Wie stark ist die deutsche Wirtschaft tatsächlich von den Turbulenzen betroffen - und mit welchen Schockwellen wird die Krise noch aufwarten?
All das erfuhren die Zuschauer in 75 Minuten nicht. Immerhin durften sie einen gutgemeinten Ratschlag von Hilmar Kopper mit ins Bett nehmen: "Die Börse gibt's, die Börse nimmt's. Man darf nur nicht jeden Tag in die Zeitung schauen und sich ärgern."
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(sueddeutsche.de/gdo)
Bundespräsident Gauck in Israel
Wer auf die Zwischentöne und Stimmungen geeicht ist, wird bemerken, dass die Krise immer wieder möglichst schnell aus dem Fokus genommen werden soll. Warum?
Ich sage: Banken aufs Tablett für lange Zeit, dann wird zunehmend auch das"Kapital" betroffen sein. Und dann wird einiges transparent werden, was weiter unter dem Teppich gehalten wird.
Ob dann allerdings die Welt besser wird? Ausprobieren!
Ich fand sämtliche Beiträge der Sendungs-Gäste hochinteressant, ganz gleich, ob ich ihrer Meinung war oder nicht, mich interessierten sehr die unterschiedlichen Meinungen und Standpunkte, von denen aus man die Situation beleuchten kann.
ABER LEIDER: war da dieser Herr Plasberg, der jede interessant zu werden drohende Äußerung unterbrach und seine kleinen Einspielfilmchen für interessanter hielt.
Leider wurden Themen meist nur kurz angeschnitten und es gab keine Chance, sie wirklich zu diskutieren oder zu beleuchten.
Mein Eindruck ist, daß Herr Plasberg sich selbst am liebsten im Mittelpunkt wähnt oder seine vermeintliche "harte, aber faire" Moderationsart.
Das war mein Senf zur Sendung ;-)
Mal ganz unaufgeregt und ohne Häme: Wenn Bankmanager für ihre Entscheidungen mit ihrem gesamten Privatvermögen haften, werden unverantwortliche Entscheidungen nicht mehr getroffen.
"It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning." (Henry Ford)
Hickel weiß es, Eichel weiß es, Kopper sowieso, den Bürgern beginnt es zu dämmern und Plasberg soll verhindern, dass es zur Sprache kommt: Die vernünftigste Lösung wäre die Banken zu sozialisieren, allerdings umgehend, nicht erst nachdem sie pleite sind.
Treue pflichtige Beamte, bezahlt gemäß dem Bundesbesoldungsrecht, bei Verfehlungen mit Disziplinarverfahren und Verlust des Pensionsanspruch bedroht, würden den Laden schmeißen und die Ackermänner dürfen auch weiterhin Roulette spielen, an den Tischen staatlicher Spielbanken.
Zum Zweck der Verunsicherung noch ein Äpfel-Birnen-Vergleich: Die Staatsverschuldung der DDR zum Ende 1990 belief sich nach Angaben der Deutschen Bank auf 86,3 Mrd. DM (entspr. 44,1 Mrd. EURO), allein der Schuldenberg von Lehman Broth. beträgt fast das 10-fache, nämlich 613 Mrd. Dollar (entspr. 426 Mrd. EURO).
Anja Kohl hat Germanistik studiert und darf Börsenexpertin im Fernsehen spielen - warum wohl?:
unfassbar!
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