Von Hans-Jürgen Jakobs

Ein Lobbyist seiner selbst, ein Alt-Sponti auf der Suche nach Provokation: Der einstige SPD-Mann und Superminister Clement in der ARD-Talkshow.

Da wird sich die derzeitige Führung der SPD aber gefreut haben. Im Fernsehen sprach mal wieder Wolfgang Clement, der verlorene Sohn der Sozialdemokratie, und erklärte, wie es jetzt zu laufen habe. Die Grundmelodie ging in etwa so: Früher galt, die Partei hat immer recht. Heute gilt, Wolfgang Clement hat immer recht.

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Wolfgang Clement ist zwar nicht mehr SPD-Mitglied, aber mit sich durchaus im Reinen. (© Foto: dpa)

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Und weil der langjährige Genosse, der nach 38 Jahren unter größter öffentlicher Anteilnahme aus der Partei ausgetreten ist, so schön in Fahrt war, empfahl er der Bundesregierung, und damit auch den SPD-Größen Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück, ein großes deutsches Konjunkturprogramm in Höhe von 25 bis 30 Milliarden Euro: "Wir müssen klotzen."

Da mögen die beiden "Stones" noch so vorsichtig sein und lieber auf Sicht fahren, Clement will ganz viel Geld in Infrastruktur und Bildung stecken, und überhaupt, ein europäisches Programm von mehreren hundert Milliarden Euro müsse her.

Der ewige Journalist

Kanzlerin Angela Merkel habe kein Programm und nicht die Führung in Europa, urteilte der Kritiker vom Dienst: "So wie sie es bisher angegangen ist, ist das nicht gut - um es vorsichtig zu sagen."

In der ARD-Talkshow des Reinhold Beckmann gab sich Wolfgang Clement, der einstige Ministerpräsident und Superminister, forsch wie eh und je als querulatorischer Macher, der sich stört an dem ewigen Klein-Klein in Deutschland, der aber einstweilen zufrieden damit ist, dass für ihn persönlich in der Wirtschaft das Prinzip des großen Karo gilt: "Mein Rat ist gefragt."

Und dann führt der gewesene Parteisozialdemokrat tatsächlich stolz seine wichtigsten Aufsichtsratsmandate auf und spricht vom "dritten Lebensabschnitt".

Der Kapitalismus, an dem derzeit manche verzweifeln, hat für den 68-Jährigen noch ein paar Zuckerstücke zu bieten. Und so verteidigt Clement vehement seine kritischen energiepolitischen Äußerungen über die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti kurz vor der Landtagswahl im Januar 2008.

Er habe sich als Journalist geäußert, er sei ja immer Journalist gewesen ("habe gutes Geld verdient"), und die SPD, überhaupt, müsse Meinungsfreiheit zulassen: "Die Partei hat keinen Alleinvertretungsanspruch mehr ... Sie ist keine Glaubensgemeinschaft, sondern eine politische Gemeinschaft."

Weil aber die SPD nur eingeschränkte Meinungsfreiheit gewähre, werde es "immer enger", deshalb liege sie bei unter 30 Prozent, bald bei 20 Prozent Wählerzustimmung.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Clement bei Beckmann fröhlich die Rolle des Alt-Spontis übernimmt.

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