Auch wenn man in den letzten Jahren von Klaus Voormann nicht mehr viel gehört hat, kann der Bassist und Grafiker auf eine erlesene Karriere zurückblicken.
Befreundet mit den Beatles, lange bevor sie als "Pilzköpfe" für Furore sorgten, spielte der gebürtige Berliner in den Sechzigern bei Manfred Mann, gestaltete für die Beatles das legendäre Cover der LP "Revolver" und war nach dem Split der Fab Four der Bassist der Wahl für zahlreiche Soloaufnahmen von John Lennon, Ringo Starr und George Harrison. Er trat beim "Concert for Bangla Desh" auf, ging mit Carly Simon, Harry Nilsson und Lou Reed ins Studio und produzierte schließlich das Neue-Deutsche-Welle-Missverständnis Trio. Seit Mitte der achtziger Jahre hat er sich verstärkt auf seine grafische Arbeit konzentriert.
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Das Cover für das Beatles-Album "Revolver" zeichnete Klaus Voormann 1966. (© Bild: Klaus Voormann)
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SZ: Sie sind 1963 nach London gezogen. Hatte das mit den Beatles zu tun, hatten Sie da schon die Absicht, selbst Musik zu machen?
Klaus Voormann: Nein, die Musik kam später. Ich ging nach London, um als Grafiker zu arbeiten. Ab und an habe ich die Beatles auch getroffen. Gibson Kemp von den Eyes hat mich gefragt, ob ich in seiner Band Bass spielen will. Bald sind auch wir im Hamburger Star-Club aufgetreten und über diesen Umweg hat man mich in England auch als Musiker wahrgenommen.
SZ: Wie sind die Beatles 1966 wegen des Covers von "Revolver" an Sie herangetreten?
Voormann: John Lennon hat mich einfach angerufen und gesagt, ich solle in den EMI-Studios vorbeikommen, sie nähmen gerade ein neues Album auf.
SZ: "Revolver" gilt als erstes experimentelles Beatles-Album. Der Sound wird vielschichtiger, die Arrangements sinfonischer. Das Studio bekommt mehr Bedeutung. Haben Sie diese Umwälzung bei den Aufnahmen wahrgenommen?
Voormann: Eigentlich setzt diese Entwicklung bereits mit dem Album "Rubber Soul" ein. Alles, was bei den Beatles ein bisschen "out of the normal" war, wurde von der Öffentlichkeit begierig aufgesogen. Egal, ob es sich um ihre Klamotten, die nordenglischen Witze oder die Musik drehte. Nur, bis 1965 war der Druck der Plattenfirma zu groß und das subversive Element musste durch ein Saubermann-Image kaschiert werden. 1966 waren die Beatles endgültig flügge; ihr Selbstvertrauen war größer, sie konnten sich selbst inszenieren, sie konnten ihre Experimente besser begründen. Sie müssen sich vorstellen, in den EMI-Studios gab es damals noch reglementierte Verhaltensweisen, es herrschte ein Ton wie beim Kommiss. So durfte auch die Nadel am Mischpult niemals ins Rote zeigen. Das haben erst die Beatles durchgesetzt. Irgendjemand kam auch mit einem Phase-Shifter an. Also haben sie sich auf dieses prähistorische Effektgerät gestürzt und damit wie wild herumprobiert.
SZ: Was ist Ihnen von den Sessions am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben?
Voormann: Paul kam eines Morgens mit Tape-Loops ins Studio. Er klebte Viertelzoll-Tonbänder aneinander und hielt sie mit dem Bleistift von der Spule weg. So konnte er sie auch umgedreht laufen lassen. Eine Art Sampling avant la lettre. Charakteristisch für die "Revolver-Sessions" ist auch die stilistische Offenheit. Ob "Eleanor Rigby" oder "Dr. Robert", ob Pop oder Rock. Auch, was die Texte angeht, wurden die Beatles von nun an künstlerisch wegweisend. Ein Song wie "Mr. Taxman", der die Steuerpolitik der damaligen Regierung kritisiert, ist kontroverser als alles, was vorher da war, aber musikalisch durch und durch kommerziell.
SZ: Welche Ideen aus der Musik sind in ihr Plattencover eingeflossen?
Voormann: Das Gefühl aus Sound und Texten wollte ich wiedergeben, indem ich die Entstehungszeit bildlich festhielt. Zusätzlich wollte ich den Effekt, den die Vier auf ihre Umgebung erzielten, abbilden. Das waren vor allem ihre langen Haare! Aus den Haaren ließ ich kleine Figuren kriechen. Der Geist von Swinging London ist durch diese kaleidoskopartige Zeichnung spürbar. Andererseits wollte ich unbedingt ein Schwarzweiß-Cover haben, die LPs aller anderen knallten damals ja farblich gesehen durch den gesamten Regenbogen.
SZ: War es schwierig, das Cover bei der Plattenfirma durchzusetzen?
Voormann: Nein, nur den Beatles habe ich im Studio eine Skizze gezeigt. Bei der Gestaltung ließen sie mir ansonsten freie Hand. Einmal kam ein Chauffeur vorbei und brachte mir, auf meinen Wunsch hin, einen Umschlag, in dem Privatfotos der vier steckten. Die habe ich fast alle in die Zeichnung eingefügt. Die Fans sollten ja so viel wie möglich zu sehen bekommen. Bei der Präsentation im EMI-Büro wurde es dann spannend. Die Vertreter der Plattenfirma guckten sich an, peinliches Schweigen. Ich dachte, jetzt werde ich in der Luft zerrissen. Aber Manager Brian Epstein war erlöst, als er das Cover sah und ganz sprachlos vor Freude, und die Beatles fingen dann an zu blödeln, wie immer halt.
(SZ vom 02.08.2006)