Nur zwei Tage dauerten in diesem Jahr die Klagenfurter Lesungen und Diskussionen, eher der Berliner Autor Rammstedt als Preisträger feststand.
Der in Berlin lebende Autor Tilman Rammstedt hat den 32. Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt gewonnen. Der 1975 in Bielefeld geborene Autor erhielt am Samstagabend die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für einen Auszug aus seiner Familiengeschichte "Der Kaiser von China". Darin beschreibt er eine problematische Beziehung zu seinem Großvater. Die Jury lobte den Text als hochkomisch wie traurig und brillant.
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Der Bachmann-Preis gilt seit seiner Gründung 1977 als einer der wichtigsten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. Er ist nach der im österreichischen Klagenfurt geborenen Dichterin Ingeborg Bachmann (1923-1973) benannt. Bei dem Wettbewerb lesen jedes Jahr bisher noch unbekanntere Autoren aus unveröffentlichten Prosatexten, über die dann öffentlich diskutiert wird. Am Samstagabend brauchte es mehrere Abstimmungen der Jury unter Vorsitz von Burkhard Spinnen, bis Rammstedt als Preisträger feststand.
Neben dem Hauptpreis wurden im ORF-Theater noch vier weitere Auszeichnungen an die insgesamt 14 Teilnehmer vergeben. Der in Karlsruhe lebende Schriftsteller Markus Orths erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Telekom Austria Preis, der Berliner Patrick Findeis gewann den mit 7500 Euro dotierten 3sat-Preis und der Österreicher Clemens J. Setz wurde mit dem Ernst-Willner-Preis im Wert von 7000 Euro ausgezeichnet. Beim Publikumspreis für 6000 Euro, den alle Zuhörer der Lesungen in einer Internetabstimmung vergeben konnten, überzeugte Rammstedt erneut.
Unter den 14 Teilnehmern des des wohl bekanntesten "Vorlesewettbewerbs" der deutschsprachigen Literatur waren elf Deutsche, zwei Autoren kamen aus Österreich und einer aus der Schweiz. Sechs der Teilnehmer waren Frauen, sie gingen alle leer aus. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde der Wettbewerb 2008 deutlich gestrafft, die Lesungen und Diskussionen zogen sich nur über zwei Tage.
(dpa/beu)
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Ein DINOSAURIER, so der Jury-Vorsitzende B. SPINNEN, sei der BACHMANN-Lese-Wettbewerb, aus dem man ein schnelleres wendigeres Tier zu machen versuche. Der BACHMANN-Dinosaurier könnte aussterben, wenn das Niveau zukünftig im ORF-Theater à la Deutschland-sucht-den-Superautor" (FR, TAZ) oder Germanys next Topdichter (DIE WELT) nicht anzuheben sein wird. 2008 RATLOSIGKEIT allerorten: Es fehlten die Kanten. Autoren, Texte, Meinungen rauschten hintereinander durch und fielen nicht weiter auf. Wer und warum schließlich auf dem Preiskarussell ( ) zu sitzen kam - das erschien so zufällig wie beliebig. Ästhetische Kategorien, an denen die Jury sich orientierte, waren nur in Ansätzen auszumachen. (FR) DIE ZEIT meint, der Lesewettbewerb sei kein Gradmesser für den Zustand und die Qualität der Literatur, sondern ein Teil des Literaturmarkts, ein Außenlager für die Öffentlichkeit, in der diesmal die Regularien des Marktes deutlicher wurden als zuvor. Diagnostiziert wird Ödnis, Langeweile ( ). Diagnostiziert werden Ödnis, Langeweile ( ). Die Presse zum Wettbewerb: Es interessiert die Veranstalter offenbar überhaupt nicht mehr, dass in der Literatur geistige Dinge verhandelt werden ( ). Öl im Getriebe sieht die TAZ. Transparente Juryentscheidungen zur Sieger-Bestimmung bei Preisen sind gefragt: Objektive KRITERIEN zur Auswahl von BACHMANN-Gewinnern zugrunde zu legen, muss Schule machen. Anderwärts versucht man - nach Kritik an Auswahlverfahren KULTUR-Preise, bei denen das Preis-Geld von der öffentlichen Hand kommt (Bund, Land, Stadt), nur durch unabhängige (!) Juroren zu vergeben. Bei Ausjurierungen spielt oft die unselige Verquickung von Branche/Markt (Kunst, Film etc.) und Subvention eine nachhaltige Rolle; also nicht-unabhängige (unseriöse) Branchen-Insider ausselektieren. Die Voraussetzungen für die QUALITÄT der Juroren-Urteile sind zu evaluieren. Für Kunst&Kultur-Förderung sind zur QUALITÄTSSICHERUNG KRITERIEN anzuwenden. Voraussetzung: nachgewiesene Juroren-Fachkompetenz. So sind Leitbild-KRITERIEN (Indikatoren) für die LEISTUNG von subventionierten KULTUR-Institutionen anzuwenden: "Quantitative Kriterien und Qualitative Kriterien (wie Resonanz, Relevanz, Innovationsbereitschaft, Engagement, Professionalität); vgl. Vorschläge in www.kulturblog.ch . Der Fall documenta und Fall Kiefer (Friedenspreis 2008) lehren, dass vieles falsch läuft. Zum Modell für eine objektivere Kunstbeurteilung siehe www.art-and-science.de .