Kinostarts der Woche:Welche Filme sich lohnen und welche nicht

In "Das schaffen wir schon" werden Forderungen mit dem Sprengstoffgürtel durchgesetzt. "Barry Seal" mit Tom Cruise ist rasant inszeniert.

Von den SZ-Kinokritikern

Das schaffen wir schon

1 / 14
(Foto: Drei-Freunde Filmverleih)

Den Gedanken, alle Gäste einer Talkshow in die Luft zu sprengen, hatte vermutlich schon so mancher Fernsehzuschauer. In der Satire auf den Polit- und Medienbetrieb von Andreas Arnstedt versucht eine Reinigungskraft im Studio ihre politischen Forderungen mit dem Sprengstoffgürtel durchzusetzen, etwa die nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Insgesamt ist das Ergebnis zwar nicht sehr hintersinnig, aber die Schauspieler, die die nur mit Vornamen benannten Politiker Angela, Cem, Frauke und so weiter spielen, sind gut besetzt und ein paar gute Gags gibt es auch ("Horst hat Familien!").

Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs

2 / 14
(Foto: Martin Rattini; Wild Bunch Germany)

Prächtige Alpenkulisse (Südtirol), sympathische Kids, hübsche Gruseleffekte in Höhlen und Schluchten, spannende Story vom Kampf gegen fiese Konzern-Fuzzies, die Quellwasser vergiften. Die Zutaten für das erste Kinoabenteuer der Hamburger Jungdetektive sind gut gewählt. Doch leider kann nichts davon richtig zur Entfaltung kommen, weil Christian Theede mit seinem Hektik-Stil alles platt macht, und jedes Gefühl in fetter Musiksauce ertränkt.

Meine Cousine Rachel

3 / 14
(Foto: dpa)

Rachel ist eine Erbschleicherin, die vor Mord nicht zurückschreckt. Oder ist sie doch bloß süß und harmlos? Roger Michell verfilmt eine Krimi-Romanze von Daphne Du Maurier mit viel Kerzenlicht, Landgütern und wilden Ritten in Cornwall. Darüber vergisst er den Verstand des jungen Erben, der sich arg naiv in Rachel verliebt. Das mindert die Spannung, aber die unheilschwangere Atmosphäre bleibt.

In den letzten Tagen der Stadt

4 / 14
(Foto: Zero Production)

Von 2007 bis 2016 hat Tamer El Said an diesem Wunderwerk gearbeitet, in dem ein ägyptischer Regisseur (Khalid Abdalla) einen Film über Kairo dreht, den er nicht beenden kann. Zwischen Diskussionen übers Filmemachen, der Trennung von der Freundin, einer absurden Wohnungssuche und der aufkommenden Revolutionsstimmung entsteht ein unglaublich reiches Mosaik einer Stadt und eines Lebens im Umbruch.

The Circle

5 / 14
(Foto: Universum Film)

Die Verfilmung von Dave Eggers Roman schaut aus, als hätte der Regisseur James Ponsoldt mal so richtig keinen Bock gehabt, diesen Film zu drehen. Wer weiß, vielleicht ging er davon aus, dass das Ding eh laufen würde, basiert ja immerhin auf einem Millionenbestseller über einige der gerade drängendsten Themen, dem neuen "1984". Leider ist die Umsetzung lieblos, die Dramaturgie schlecht und die Dialoge eine Mischung aus Schultheater und Chatbot. Insgesamt mehr so "1984" für Arme (siehe Feuilleton vom Mittwoch).

Barry Seal - Only in America

6 / 14
(Foto: David James; Universal Pictures)

Waffen vom CIA nach Nicaragua, Kokain von Pablo Escobar nach Louisiana. Das war die monatliche Schmuggeltour des Piloten Barry Seal, der dafür von allen Seiten genug kassierte, um sein Geld in Koffern zu stapeln. Wahre Geschichte, von Doug Liman rasant inszeniert, die das abenteuerliche Verhältnis zwischen USA und Mittelamerika in den frühen 1980er Jahren ziemlich ironisch ausstellt.

Eine fantastische Frau - Una Mujer Fantástica

7 / 14
(Foto: Arne Höhne Presse)

Eine junge Transsexuelle wird nach dem überraschenden Tod ihres Freundes massiv angefeindet - von seiner Familie, der Polizei, den Ärzten im Krankenhaus. Doch Marina (Daniela Vega) ist eine fantastische Frau, una Mujer fantástica, sie wird den Kampf um Selbstbestimmung, Akzeptanz und den gemeinsamen Schäferhund Diabla gewinnen. Der chilenische Regisseur Sebastián Lelio ("Gloria") bleibt ganz nah bei seiner Heldin, er lässt sie auch in unwürdigen Situationen ihre Würde bewahren - und widersteht der Gefahr, aus der Geschichte einen thesenhaften Film über Transsexualität zu machen.

Abluka - Jeder misstraut jedem

8 / 14
(Foto: Grandfilm)

Die Türkei in der nahen Zukunft. Emin Alper beginnt seinen Film als Drama und geht dann langsam zu einem Film noir über. Kadir muss für die Regierung den Abfall seiner Nachbarn durchschnüffeln, nach Chemikalien zum Bombenbau. Sein Bruder mauert sich derweil buchstäblich in der eigenen Wohnung ein. Außerdem winselt ständig ein Hund, was es nicht unbedingt leichter macht, sich dem Wahn zu entziehen, der hier das Land regiert.

Barfuß in Paris

9 / 14
(Foto: dpa)

Für Abel&Gordon-Fans, die noch in größter Albernheit funkelnde Poesie entdecken können, ist dieser Film ein Vergnügen. Für Nicht-Eingeweihte ein gewöhnungsbedürftiges Humor-Exerzitium. Das Burlesk-Duo Dominique Abel und Fiona Gordon besucht die Stadt der Lichter und Romanzen, wobei ihr Eiffelturm-Finale tatsächlich etwas von der reklamierten "Poesie der Verrücktheit" hat. Zumeist aber bleiben die Gags schrullig wie bei einem auf witzig gemachten Heimvideo.

Chance 2000 - Abschied von Deutschland

10 / 14
(Foto: Filmgalerie 451)

In der Ära Helmut Kohls mit ihren fast 5 Millionen Arbeitslosen wird eine neue Partei aus dem Nichts gestampft. Sie heißt Chance 2000 und soll den Verlierern in der Gesellschaft eine Stimme geben. Ihr Kopf: der Theatermacher Christoph Schlingensief. Aus nachträglich digitalisiertem Filmmaterial zur Gründung der Partei und ihrem Wahlkampf haben Kathrin Krottenthaler und Frieder Schlaich eine Dokumentation gemacht, die die Grenzen zwischen Realität und Theater verwischt. Sie legen den Irrwitz der Politmaschinerie offen und erinnern an Schlingensiefs unglaublichen Einsatz für die Unsichtbaren. Beeindruckend.

Immer noch eine unbequeme Wahrheit - Unsere Zeit läuft

11 / 14
(Foto: Paramount Pictures and Participa; Paramount Pictures)

Vor zehn Jahren brachte Al Gore seine Doku "Eine unbequeme Wahrheit" heraus,. Er hat damit in Amerika viel für die Debatte um den Klimawandel getan und völlig zu Recht einen Oscar gewonnen. Aber muss man deshalb 10 Jahre später einen Film mit fast demselben Titel machen, in dem eigentlich nur erzählt wird, dass Al Gore ein toller, alter, weißer Mann ist? Bestimmt nicht.

Die Migrantigen

12 / 14
(Foto: FSFF)

Zwei längst integrierte Wiener mit Migrationshintergrund machen auf präpotente Kleingangster, um der Regisseurin einer Reality-Show eine Wirklichkeit vorzugaukeln, die Fernsehmacher sehen wollen. Der österreichische Dokumentarfilmer Arman T. Riahi schickt in seinem Spielfilmdebüt seine zwei Protagonisten durch das satirisch überhöhte Culture-Clash-Wien. Leider wiederholt sich das Spiel mit den Klischees immer wieder selbst, und wenn der Plot dann doch voranschreitet, schlittert die Komödie ins Supergutmenschliche, wird vorhersehbar medienkritisch, aber auch ein bisschen lustig.

On the Milky Road

13 / 14
(Foto: Festival)

Immer wenn man meint, nun habe Emir Kusturica die Lust aufs Kino verloren - und widme sich lieber wichtigeren Dingen, dem Musikmachen oder seiner Kolonie Küstendorf -, kommt er mit einem neuen Film daher. Sein neuer ist typischer Kusturica: absurde Folklore, Sex und Saufen, die Wirren des Balkankonflikts. Paradiesisches Chaos, inklusive Schlange. Kusturica spielt selber die Hauptrolle, den Milchmann Kosta, der auf seinem Esel durch den Kugelhagel zockelt. Er verguckt sich in Monica Bellucci, die deshalb alles Mögliche machen darf in diesem Film, melken, tanzen, tauchen. Die Zeit gerät dabei völlig aus den Fugen.

Revolution of Sound. Tangerine Dream

14 / 14
(Foto: Jerome Froese)

Margarete Kreuzers Doku ist eine Reise in die Zeit, als Syntheziser noch Kofferform hatten, die Haare lang waren und die elektronische Musik ganz frisch. Erzählt wird die Geschichte der Band Tangerine Dream in Videoaufnahmen. Besonders süß: Wie Musiker Edgar Froeses "Ich suchte nach einem neuen Sound" nach "Ich suchte nach einem neuen Zaun" klingt. Die noch immer hinreißende Musik und die Bilder wirken zusammen so stark, dass es eigentlich gar keinen Sprechertext gebraucht hätte.

© SZ.de - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: