Kino: 2012 Würdelose Unterwerfung

Roland Emmerichs "2012", der am Wochenende die Kinocharts eroberte, hat gute Chancen, als echter Katastrophenfilm in die Geschichte einzugehen. Als intellektuelle Katastrophe.

Von Evelyn Roll

Man muss sich Sorgen machen um Roland Emmerich, unseren Master of Desaster in Hollywood. Zur Europapremiere seines neuen Weltkaputtmachfilms "2012" hat er im Sony-Center von Berlin noch einmal eine Menge Interviews gegeben. Und, nach dem bewährten Motto des abendländischen Gutmenschen "Tue Feiges und rede darüber", hat Emmerich jedem zweiten Journalisten noch einmal erklärt, dass und warum er in seinem Film mit insgesamt einem Petabyte Rechnerkapazität zwar die meisten Menschheitssymbole der Erde computeranimiert zertrümmert, die Kaaba in Mekka aber ausdrücklich nicht.

Weil er Angst hatte vor einer Fatwa fundamentalistischer Islamisten!

Es zerbricht also in "2012" die Stadt Los Angeles spektakulär und, wie in einem Tom-und-Jerry-Film, immer einen Zentimeter hinter dem Panzerwagen der flüchtenden Hauptdarsteller. Es spaltet sich sanandreasgrabentief der Asphalt der Startbahn unter dem rettenden Flugzeug, das unter zwei zerbröselnden Glashochhäusern hindurch in den Himmel steigt und einen letzten Blick frei macht auf die Stadt, die mit all ihren Häusern, Autos und Menschen ins Meer kippt. Anschließend zerlegt der Flugzeugträger John F. Kennedy auf einer gewaltigen Flutwelle, patsch, mal eben das Weiße Haus.

Und dann geht es erst richtig los. Die Welt wird atomisiert, vor allem die christlichen Symbole der Welt: Es kippt die Jesusfigur vom Zuckerhut auf Rio de Janeiro, in Rom kullert die Kuppel des Petersdoms den Gläubigen vor die Füße, die Sixtinische Kapelle wird gespalten, genau an der Stelle, an der Gottes Finger die Menschheit berührt.

Auch die Kaaba in Mekka, das zentrale Heiligtum des Islam, kommt in dieser Weltzertrümmersequenz kurz ins Bild, gegen den Uhrzeigersinn umrundet von Pilgern. Und keinem Menschen wäre bei der allgemeinen Zerstörungs- und Schnittgeschwindigkeit überhaupt aufgefallen, dass sie heile bleibt. Wenn nicht der Regisseur und sein Ko-Autor Harald Kloser in ihren Interviews jetzt immer wieder ausdrücklich darauf hinweisen würden.

Würdelose Unterwerfung

Die gehen dann so: Ursprünglich habe Emmerich in Mekka eine sehr schöne Szene erwogen mit betenden Moslems an der Kaaba, die von einer weiteren, gigantischen Flutwelle erfasst und überrollt werden. Dann aber habe Harald Kloser zu bedenken gegeben, dass er keine Lust habe, sich eine Fatwa aufzuladen nur für einen Film. Emmerich habe daraufhin gefunden: Kloser hat recht. Wir verzichten darauf.

Roland Emmerich weiter: "So was müssen wir in der westlichen Welt nun einmal bedenken. Christliche Symbole kann man jederzeit zusammenkrachen lassen. Aber wenn man das mit einem arabischen Symbol macht, bekommst du eine Fatwa, so ist eben zur Zeit der Zustand der Welt, und also habe ich die Kaaba stehengelassen."

Der Film hat also gute Chancen, als wirklicher Katastrophenfilm in die Geschichte einzugehen. Als intellektuelle Katastrophe. Als Beleg dafür, wie erfolgreich die Drohgebärden des fundamentalistischen Islam im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausend gewesen sind, und mit welcher würdelosen Bewusstlosigkeit und vorweggenommenen Unterwerfung und Panik die westliche Welt reagiert hat.

"2012" erzählt vom Weltuntergang. Genau genommen handelt es sich bei der überzogenen Angstidee, ein Film, der die durch ein Naturereignis evozierte Zerstörung der Erde zeigt, müsse vor der Kaaba haltmachen, wenn der Regisseur nicht lebensmüde ist, also nicht nur um eine ängstliche Kapitulation und vorweggenommene, würdelose Unterwerfung, sondern vor allem anderen um eine Unterstellung und damit um eine Diffamierung des Islam.

Hoffentlich lassen die Islamisten sich das gefallen.