Kino-"Tatort": "Tschiller: Off Duty" Tschiller will sein Mädchen zurück

Til Schweiger in "Tschiller: Off Duty"

An diesen Mittwoch feiert Teil fünf der Hamburger Tatort-Reihe mit Til Schweiger als Kommissar Nick Tschiller Kinopremiere. mehr...

Wer stirbt in "Tschiller: Off Duty"? Funktioniert der "Tatort" im Kino? Welchen Schweiger-Spruch sollten sich andere Actionhelden merken? Fragen und Antworten zum Filmstart.

Filmkritik von Johanna Bruckner

Was passiert im Kinofilm "Tschiller: Off Duty"? Lenny Tschiller will es allein mit dem Mörder ihrer Mutter aufnehmen. Wir erinnern uns: Nick Tschillers Ex-Frau Isabella Schoppenroth wurde in Teil drei, "Der große Schmerz", von Firat Astan erschossen. Der sah das Ganze als "Arbeitsunfall" an, was den Kommissar natürlich nicht daran hinderte, ihn in Teil vier, "Fegefeuer", seiner gerechten Strafe zuzuführen. Nein, nicht dem Tod, sondern einer lebenslangen Gefängnisstrafe! Schließlich gehört Tschiller in die Kategorie "moralisch gefestigter Held, der nur dann tötet, wenn es eine ethisch vertretbare Begründung gibt, oder es der Plot verlangt".

Jedenfalls sitzt Astan nun im türkischen Knast, zumindest offiziell, tatsächlich lebt er unter anderer Identität in Freiheit. Deshalb reist Lenny mit der gefälschten Unterschrift ihres Vaters und einem Racheplan im Gepäck nach Istanbul. Dort angekommen, gerät sie prompt an einen übergriffigen Taxifahrer. (Lasst euch das eine Lehre sein, Kinder!) Der arabische Klischee-Triebtäter wird auf typische Tschiller-Art eingenordet: "Should I shoot your fucking balls off?" Doch dann stellt Lenny fest, dass es noch viel bösere Buben gibt als Firat Astan - Sie ahnen es, am Ende muss Papa Nick ran und die Tochter aus den Fängen einer türkisch-russischen Mädchenhändler-Schrägstrich-Organhändler-Connection retten. Zitat: "Ich will einfach nur mein Mädchen zurück!"

Funktioniert der Tatort im Kino? Ja - vielleicht sogar besser als im TV. Auf der großen Leinwand wirkt die überbordende Action der Hamburger Episoden nicht mehr lächerlich, sondern gerade richtig. Schließlich ist man Männer, die über Häuserschluchten springen, auf Autodächern surfen oder durch Wände springen, dort gewohnt. Vielleicht liegt es auch schlicht daran, dass Til Schweiger Kino besser kann als Fernsehen.

Sie sehen den Gesichtsausdruck: "Nick Tschiller ist mit der Gesamtsituation unzufrieden".

(Foto: 2016 Warner Bros Ent. Alle Rechte vorbehalten.)

Wird viel gestorben? Nicht mehr als in einem durchschnittlichen Actionstreifen, in dem der Held wahlweise die Welt, sein Land oder eben seine Familie retten muss. Obligatorisch stirbt etwa ein Dutzend krimineller Handlanger, die für den Plot nicht weiter wichtig sind, sowie etwa die gleiche Anzahl an Polizisten, die sich entweder zu dumm anstellen oder für Tschiller mal eben als menschliche Kugelfänger herhalten müssen. Anders bei den Protagonisten: Nachdem die gute Seite vor Kurzem ein Opfer verschmerzen musste (die trutschige Isabella), segnen in "Tschiller: Off Duty" gleich mehrere Erzschurken das Zeitliche.

Ach ja, und ein Totgeglaubter kehrt sehr lebendig zurück - wobei dieser Twist so erwartbar ist wie die Enttäuschung beim Öffnen eines Überraschungseis.

Hat der Film eine politische Agenda? Und wie! Lesen Sie hier heikle Themen, die im Film vorkommen:

  • Datensicherheit im Netz (Lenny vergisst die Chatprotokolle zu löschen - endet böse.)
  • Entfesselte Geheimdienste (Böse, böse, böse.)
  • Energiegeschäfte zwischen der Türkei und Russland (Eine Öl-Pipeline, die "Blackstream" heißt, kann assoziativ nur dubios sein: schwarzes Gold, schwarze Seelen.)
  • Pressefreiheit in der Türkei (Nicht vorhanden. Erfährt Tschiller von einer ausnehmend attraktiven Hotelangestellten, die ihm von ihrem inhaftierten Blogger-Bruder erzählt. Die beiden trösten sich dann gegenseitig.)
  • Homophobie in Russland (Vorhanden. Tschillers Partner Yalcin Gümer setzt ein Zeichen und greift dem Kommissar vor der versammelten russischen Presse an den Po. Ein Kompliment für dessen formidablen "Gluteus Maximus" fällt auch ab.)

Bester Auftritt? Fahri Yardım als Yalcin Gümer. Der darf gleich zu Beginn zeigen, dass sein eigener Hintern mindestens so lobenswert ist wie der von Til Schweiger. Yalcin findet sich nach einem Date mit einer Frau, die "null Komma nuttig" war, wie er Tschiller versichert, nackt, mit Geschlechtsteilen bemalt und mit Handschellen gefesselt wieder. Der Kommissar außer Dienst muss ihn raushauen. Ansonsten ist aber eher Yalcin der Retter in der Not.

Er erklärt Tschiller, was mit seiner Tochter los ist ("Sie will dich bischchen hassen und verlassen"). Er holt Tschiller als Anwalt verkleidet aus dem türkischen Knast ("Wie ich diese Pflichtfälle hasse"). Er besorgt Tschiller einen türkischen Pass ("Es gibt ja wohl auch noch blonde Kanaken"). Er lässt sich fast von einem Mähdrescher zermalmen (dazu gleich noch), wird beinahe gefoltert und ist mehrmals kurz vor dem Erschießungstod. Und trägt er es seinem Partner nach? Nein, er sagt: "Nicky, ich hab' dich auch lieb."

Im letzten Teil kam eine Panzerfaust zum Einsatz - ist das waffentechnisch überhaupt noch zu toppen? Absolut. In "Tschiller: Off Duty" wird ein Mähdrescher zur tödlichen Waffe. Das Landmaschinenfahrzeug erinnert an einen amerikanischen Monster Truck, stammt aber tatsächlich von einem bekannten deutschen Hersteller.

Nick-Tschiller-Spruch, den sich andere Actionhelden merken sollten? "I burn your house down and I kill you all."

Schweiger-"Tatort" im Kino: Zahlen die Zuschauer doppelt?

Nick Tschiller darf jetzt im Kino "Männersachen" machen. Worum es in "Tschiller: Off Duty" geht und wie viel das "Tatort"-Spektakel gekostet haben soll. Von Johanna Bruckner mehr ...