Von SUSAN VAHABZADEH

"Pollock", das Regiedebüt des Schauspielers Ed Harris, in dem es um das Malen und das Management und auch um die Liebe geht

(SZ vom 06.06.2002)- Er wolle, hat Jackson Pollock gesagt, sich in seinen Bildern bewegen, eine physische Nähe aufbauen; so habe er begonnen, die Leinwand auf dem Boden zu befestigen, sich darüber gebeugt und so zu malen angefangen.

Es ist, als würde er mit dem ganzen Körper malen, Ed Harris, wie er Pollock spielt, den Künstler bei der Arbeit. (© )

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Es ist, als würde er mit dem ganzen Körper malen, Ed Harris, wie er Pollock spielt, den Künstler bei der Arbeit. Es gibt Augenblicke in diesem Film, da hat man das Gefühl, genau danach, nach dem Gefühl sich in seinem Bild zu bewegen, ist Ed Harris auf der Suche - wenn er, in einem der wenigen glücklichen Momente in dieser Geschichte, mit den Händen in der Erde gräbt, ein Beet anlegt im Garten.

Einen Film als One-Man-Show zu inszenieren - das kommt der physischen Nähe zur Leinwand vielleicht am nächsten. "Woran erkennen Sie, dass Sie mit einem Bild fertig sind?", wird Harris' Pollock von einer Reporterin gefragt, und er erwidert: "Woher wissen Sie, dass Sie mit dem Liebemachen fertig sind?"

"Pollock" ist Ed Harris' Regiedebüt. Die Geschichte beginnt in den Vierzigern in New York - ein bisschen Jazz liegt in der Luft und scheint Pollock zur Malerei zu treiben, der noch ein Niemand ist, der in der heruntergekommenen Wohnung seines Bruders mithaust, zum Leidwesen seiner Schwägerin, die seine Sauferei und seine Macken nicht mehr erträgt. Dann taucht erst mal eine Frau auf, die ganz genau weiß, was sie will: die Malerin Lee Krasner (Marcia Gay Harden), die ihre Lippen blutrot anmalt und den Pony ganz exakt geschnitten trägt - beides passt gut zu ihrer Mischung aus Laszivität, selbstbewusster Künstlerin und sorgender Mutterfigur.

Harris lässt seinen Pollock nicht aus der Malerei entstehen, sondern aus dem Verhältnis zu den drei Frauen, die in seinem Leben die größte Rolle spielen - Ehefrau Lee, ohne die er rettungslos verloren ist, seine Gönnerin Peggy Guggenheim, die ihn zu einem gefragten Künstler macht - und seine Mutter, die nur als Randfigur auftaucht, kein einziger vernünftiger Dialog kommt zwischen den beiden zustande.

Marcia Gay Harden in der Rolle der Ehemuttermanagerin ist es zu verdanken, dass der Film nie so trostlos wirkt, wie die Geschichte eines depressiven Alkoholikers eigentlich sein müsste - vielleicht, weil sie ihn gelegentlich mit ein wenig Schalk in den Augen betrachtet, ganz am Anfang schon, als sie ihm ihre Bilder zeigt, und Pollock, der ungehobelte Prolet, zu ihr sagt: "Gar nicht schlecht für eine Frau."

Es geht ihm besser, wenn ihn Lee vom Trinken abhält - wobei man nie weiß, ob der Alkoholismus eine Folge der Depressionen ist oder umgekehrt. Da gibt es dieses Momente im Garten, wo das Erdverbundene, das Gefühl, dabei zu sein, wie etwas entsteht, etwas gesät wird, ihn zu beflügeln scheint - das Kind, das er sich wünscht, verwehrt ihm Lee.

Der Überraschungsregisseur

Das, was er fühlt legt er in seine Bilder. "Eins habe ich über Mr. Pollocks Kunst gelernt", sagt Ed Harris. "Ich bin mir sicher, jeder Kunststudent weiß das, aber für mich war es eine Offenbarung. Jackson lebte nach der tiefen Überzeugung: ,Ich benutze nicht den Zufall, weil ich den Zufall leugne.' Jedes Zittern, jeder Klecks, jeder Spritzer hat Bedeutung."

Ed Harris ist in den letzten Jahren zu einem der großen amerikanischen Schauspieler geworden - auf eine ganz unauffällige Art, und es kommt einem vor, als sei er schon die ganze Zeit da gewesen, nicht erst, seit er mit Rollen wie der des gottähnlichen Produzenten in "The Truman Show" berühmt wurde. Er hat ein Studium am California Institute of the Arts abgeschlossen, darauf eine Karriere auf der Bühne begonnen, hat dann in den Achtzigern in Philip Kaufmans "The Right Stuff" und James Camerons "The Abyss" gespielt.

Fünfzehn Jahre lang, seit er eine Biographie über Pollock gelesen hat, hat Harris um diesen Film gekämpft - und er vermittelt in jeder Szene das Gefühl, dass er ein Verbindungsstück gefunden haben muss in diesem Buch, zu Pollock, das über Bilder, Daten, physische Ähnlichkeit hinausgeht - und über die Versuchung, in der Rolle eines depressiven, cholerischen Genies zu beweisen, was er kann.

Ed Harris ist ein großartiger Schauspieler, und Jackson Pollock spielt er so gut, dass seine Performance jede andere Vorstellung von diesem Mann mühelos überlagert. Eine Überraschung bietet Harris als Regisseur. Zu den größten Qualitäten von "Pollock" gehört es, dass er kein Bild, kein Problem und keinen Gedanken krampfhaft festhält. Ganz unaufdringlich hat Harris inszeniert, ganz fließend, und dann blitzen in diesem Fluss der Bilder plötzlich die Dinge auf, die Pollock inspirieren.

Einmal betrachtet er einen Bach, und die Kamera verweilt auf den Muscheln und Steinen im Wasser - gerade lang genug, um plötzlich ein Gewirr von Farben zu erkennen, als wäre auf dem Grund eins seiner Bilder verborgen.

POLLOCK, USA 2000 - Regie: Ed Harris. Buch: Barbara Turner, Susan J. Emsh willer nach "Jackson Pollock: An American Saga" von Steven Naifeh und Gregory White Smith. Kamera: Lisa Rinzler. Mit: Ed Harris, Marcia Gay Harden, Amy Madigan, Jennifer Connelly, John Heard, Val Kilmer. Columbia, 110 Min.

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