Höllenbrut hat Herzschmerz: Die Horrorfabel "Hellboy - Die goldene Armee" zeigt emanzipierte Halbmonster auf Weltrettungsmission - mit sehr irdischen Problemen.
Es gibt einen sympathischen Trend im phantastischen Kino der letzten Jahre: Die Außenseiter und Halbwesen werden immer mehr zu Helden, etwa in den "Blade"- oder "X-Men"-Filmen. Das sind dann gebrochene, ambivalente Heroen, weil sie auch die andere, die dunkle Seite in sich tragen. Zudem umgibt sie als vom Menschen Ausgegrenzte stets ein Hauch von Poesie und Verletzlichkeit.
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Freak-Freundschaft: Fischmonster Abe Sapien steht seinem rothäutigen Freund Hellboy auch gegen die Golden Army wieder treu zur Seite. (© Foto: ap)
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Mit dem zweiten Hellboy-Film (nach einem Dark-Horse-Comic) scheint der aus Mexiko stammende Regisseur Guillermo Del Toro den Begriff des freak wiederzuentdecken, der in der Popkultur eine lange Tradition hat.
Angefangen bei den Sideshows von Coney Island und Tod Brownings Filmklassiker "Freaks" von 1932 beschreibt der freak einen moralisch-ästhetischen Anti-Glamour. Nach den philosophischen Betrachtungen des Literaturkritikers Leslie Fiedler und den Fotografien einer Diane Arbus wurde der Freak in den Sechzigern zum rebellischen Sinnbild einer Gegenkultur. In den Achtzigern wandte der schwule Autor und Filmemacher Clive Barker den Mythos auf sexuelle Außenseiter an.
Eine verspielt-märchenhafte Variante des Freak-Themas wählt nun Del Toro, "Beautiful Freak", so lässt er seinen Titelhelden in einem Rocksong besingen. Einmal rettet der rustikale Hellboy mit seinen abgesägten Teufelshörnern ein Baby aus den Fängen eines Baummonsters, ganz so wie Superman. Aber die Menschen danken ihm diese Rettung nicht, weil sie seine innere Schönheit nicht erkennen können. In dieser Szene hat der Findling aus der Hölle mehr von King Kong als von Superman.
Emanzipation der Halbmonster
Zusammen mit seiner großen Liebe Liz, einem lieblichen und entschlossenen Feuerteufel, und einem intellektuellen Fischmonster mit dem lyrischen Namen Abe Sapien arbeitet Hellboy als eine Art Ghostbuster für das FBI. Er muss gegen einen Bösen antreten, einen verbitterten Agent Provocateur aus dem Elfenreich, der die berüchtigte goldene Armee wiederbeleben und auf die Menschen hetzen will. Das ist etwa so, als würde ein Misanthrop mit der Atombombe zündeln.
Del Toros Film ist geradezu eine Ode an die Kreaturen der Phantasie, die Präsentation unzähliger Monster ist der eigentliche Inhalt des Films. Wobei Del Toro wie schon in seinem vorigen Film "Pans Labyrinth" der klassisch-schönen Puppenanimation mehr Raum gibt als digitalen Tricks.
Eine großartige Passage, die auf einem Trollmarkt spielt, gleich unter der Brooklyn Bridge, kommt dem, was die Surrealisten als die absolute Realität des Wunderbaren beschrieben, recht nahe. Die Atmosphäre des Films bleibt bei aller Düsternis dem gutmütigen, ironischen Charakter des Hellboy verhaftet. In einer schönen Szene geht es dann auch um Monster-Liebeskummer: da gröhlen sich Hellboy und Fischmonster Sapien zu Barry Manilows "Can't Smile Without You" in eine sentimentale Besinnungslosigkeit.
Die Welt zu retten und die Menschen, die ein Loch im Herzen hätten, das keine Gier und keine Sehnsucht stopfen kann, ist Hellboys lästige, aber selbstverständliche Aufgabe. Ein Höllenjob halt für den zupackenden Typen, der im Grunde der gute Amerikaner par excellence ist, nur ein wenig verzerrt. Am Ende dieses entspannten Blockbusters steht die Emanzipation der Halbmonster und eine kleine Utopie des Bizarren: Freak-Nachwuchs für eine lässigere Welt.
Hellboy 2 - The Golden Army, USA 2008 - Regie, Buch: Guillermo Del Toro. Kamera: Guillermo Navarro. Musik: Danny Elfman. Szenenbild: Stephen Scott. Mit: Ron Pearlman, Selma Blair, Luke Goss, Doug Jones, John Hurt. Universal, 120 Minuten.
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(SZ vom 20.10.2008/jb)
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