Kino: Hangover 2 Das Glitzern von Millionen

Vier Jungs beim Junggesellenabschied in Bangkok - das amerikanische Publikum ist begeistert: "Hangover 2" versucht etwas für einen dermaßen erfolgreichen Film ziemlich Unerhörtes: Er ist eine Art Meta-Komödie.

Von Jan Füchtjohann

Es ist einer der wenigen Kater, an die man wirklich gern zurückdenkt: "Hangover" war 2009 ein Film über vier Jungs, die es bei einem Junggesellenabschied in Las Vegas noch einmal richtig krachen lassen. Sie alle müssen dringend mal vor die Tür: Der Bräutigam heiratet bald, sein einer Freund, der spießige Zahnarzt, hat eine tyrannische Freundin. Der andere Freund ist ein vermeintlich lässiger Typ, der in Wahrheit aber als unterbezahlter Lehrer arbeitet und eine öde Beziehung führt. Und der Vierte im Bunde ist der nicht salonfähige, zottelige Bruder der Braut, der mit Ende dreißig noch immer bei seinen Eltern lebt.

Vegas war gestern - Ed Helms, Bradley Cooper und Zach Galifianakis in Bangkok im zweiten "Hangover"-Film.

(Foto: Warner Bros.)

Man spürt daher das Champagnerkribbeln der Vorfreude in den Adern, als die vier im geliehenen Mercedes auf Las Vegas zurollen. Jetzt geht's los, denkt man, als sie auf dem Dach des Caesars Palace stehen, unter ihnen das Glitzern von Millionen Lichtern, als sie endlich den ersten Schnaps trinken und damit die Nacht eröffnen.

Doch die Party, auf die 15 Minuten lang alles zugelaufen ist - genau diese Party ist dann ein einziges schwarzes Loch. Filmriss. Die Helden wachen völlig verkatert auf und finden: eine Suite für 4200 Dollar. Überall Abfall und halbleere Gläser. Einen leise vor sich hin brennenden Stuhl. Ein Baby im Kleiderschrank. Und einen Tiger im Badezimmer. Es fehlen jede Erinnerung, ein paar Zähne im Gesicht des Zahnarztes, und natürlich der Bräutigam, den sie für den Rest des Films suchen und finden müssen.

Das Worst-Case-Szenario für den Morgen danach war natürlich ein Best-Case-Szenario für eine gelungene Komödie: Eine wunderbare Ausgangsidee für lustige Situationen, lustige Dialoge und einen unfassbar lustigen Zach Galifianakis. "Hangover" spielte weltweit 467 Millionen Dollar ein. Das waren genau 467 Millionen Gründe, um "Hangover 2" zu produzieren, der nun in Deutschland in die Kinos kommt.

Doch anstatt einfach eine Fortsetzung zu drehen, in der die gleiche Besetzung ein neues Abenteuer erlebt, passiert in "Hangover 2" etwas sehr Seltsames: Die gleiche Besetzung erlebt einfach das gleiche Abenteuer noch mal.

Keine alten Fehler

Wieder gibt es eine Hochzeit, diesmal heiratet jedoch der Zahnarzt. Wieder treffen sich die alten Freunde, diesmal jedoch in Thailand. Wieder endet der Junggesellenabschied in einem Gelage, obwohl eigentlich niemand richtig feiern wollte. Wieder wurde das Gesicht des Zahnarztes verunstaltet, diesmal jedoch mit einer Tätowierung. Löwe und Baby wurden durch einen kleinen rauchenden Affen ersetzt, der fehlende Bräutigam durch den abhandengekommenen jungen Bruder der Braut. Und natürlich kann sich wieder niemand an irgendetwas erinnern.

Das amerikanische Publikum ist begeistert. Die amerikanische Filmkritik dagegen empört: "Hangover 2" sei frei von Überraschungen, mehr Abklatsch als Fortsetzung und offensichtlich ein zynischer Versuch, ohne neue Ideen neues Geld zu verdienen: "Maybe what goes on in Vegas really should stay in Vegas."

Tatsächlich ist kaum etwas weiter von der Wahrheit entfernt. Denn "Hangover 2" versucht etwas für einen dermaßen erfolgreichen Film ziemlich Unerhörtes: Er ist eine Art Meta-Komödie. Bereits im ersten Teil ging es um den Versuch, sich an den Abend vorher zu erinnern. Der zweite Teil ist also eine Rekonstruktion dritter Ordnung: Die Jungs versuchen einen Abend zu rekonstruieren, der die Rekonstruktion eines Abends war, den sie nur aus Rekonstruktionen kennen.

Dieses "Oops, we did it again" wird immer wieder offen thematisiert, etwa wenn sich die Charaktere an Erlebnisse aus dem ersten Teil erinnern oder die Wiederholung alter Fehler zu verhindern versuchen.

Zu behaupten, "Hangover 2" wäre dumm, primitiv und langweilig, ist also mehr als oberflächlich. Tatsächlich geht es um Probleme, die eher nach Jacques Derrida als nach Zach Galifianakis klingen. Wer hätte gedacht, dass man damit in den USA in nur einer Woche 106 Millionen Dollar einspielen kann?

HANGOVER 2, USA 2011 - Regie: Todd Phillips. Buch: Craig Mazin, Scot Armstrong, Todd Phillips. Kamera: Lawrence Sher. Mit: Bradley Cooper, Ed Helms, Zach Galifianakis, Justin Bartha, Paul Giamatti. Warner, 102 Minuten.