Von FRITZ GÖTTLER

Hulk ärgert sich grün, Charlies Engel sind sicher nicht im siebten Himmel und der Terminator könnte sich in den Chip beißen: Extrem hohe Produktionskosten treffen auf ein laues Publikumsinteresse. Ist der Sommer der Kino-Megaspektakel bereits zu Ende?

(SZ v. 22.07.2003) Armer Michael Bay, armer kleiner Hollywood-Erfolgsregisseur. "Ich mache Filme für teenage boys", stöhnt er: "Oh dear, what a crime!"

Bild vergrößern

Das ist kein Victory-Zeichen, sondern die Ansage, dass dies die zweite Auslieferung eines ehemaligen Kassenknüllers ist. Verstect wird die Hand, weil zweite Teile derzeit gar nicht gut gehen. Aber am Sequel allein allein liegt es nicht, dass Kino augenblicklich nicht so gefragt ist. (© )

Anzeige

Der Sommer ist, was diese Verbrechen angeht, die heißeste Zeit im amerikanischen Filmgeschäft, scharenweise werden die männlichen Teens da in die Action-Knaller gelockt, um Woche für Woche - alle für einen - für neue Einspielrekorde zu sorgen. Doch irgendwas ist diesmal anders, irgendwie hat man die Rechnung ohne den Zuschauer gemacht. Dieses Wochenende sollte, so wurde gemunkelt, gewissermaßen vorentscheidend sein - wie es weitergehen wird mit dem Sommer. "Bad Boys 2", der Folgefilm zum ersten großen Erfolg des Teams Jerry Bruckheimer/Michael Bay, stand auf dem Programm, für den fälligen Härtetest. Wie viele Megaspektakel, das war die Frage, verkraftet eigentlich im Durchschnitt so ein Teenager, und das will inzwischen nicht nur die kritische intellektuelle Presse wissen. "Wenn das Sommerpublikum", diagnostizierte Todd McCarthy in Variety, "nicht schon der Filme mit einer Zahl am Ende ihrer Titel müde war - nach diesem wird es das sein."

Mit der Zahl am Ende sind natürlich die Sequels gemeint, von "2 Fast 2 Furious" bis "Terminator 3". Amerikas Filmindustrie hat ein Problem mit dieser fettreichen, eintönigen Megafood. Und deshalb hat Michael Bay ein kleines Problem mit seinem Regisseurprofil - jedenfalls hat er schon vor diesem kritischen Wochenende sein Fett abgekriegt: Diese Bad Boys, Will Smith und Mark Lawrence als radikale Cops, die ihren Feldzug gegen Ecstasy-Schmuggler in Miami in eine Orgie von Zerstörung und Zynismus verwandeln, das sei so ziemlich der Tiefpunkt des amerikanischen Boxoffice-Spektakels, das diesmal selbst zur Verfolgungsjagd mit einem Leichenwagen bläst: Kicking off the corpses ...

Dies ist ein Sommer, der zu stupide den zu simplen Formeln folgt, stöhnen die Kritiker. Die Storys sind enervierend dünn und die Autojagden unerträglich lang - wochenlang wurde für die Bad Boys das Zentrum von Miami gesperrt. Übertrumpfen ist die Devise, aber das Publikum scheint müde zu werden, angesichts der Monotonie auf der Leinwand. Erste Anzeichen gab es beim "Hulk", ein Marvel-Comic, der als todsichere Sache galt, aber weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Damals schrieb man das dem Regisseur zu, Ang Lee, und seinen eigensinnigen Versuchen, den großen Erfolg mit Arthouse-Treue zu verbinden. Aber dann kamen auch Charlies Engel nicht recht vom Start weg, und auch der Terminator kam nicht wirklich in Fahrt.

46,7 Millionen Dollar hat "Bad Boys 2" an diesem Wochenende gebracht, das sieht beachtlich aus, ist aber nicht wirklich grandios, bei über 100 Millionen Produktions- und Werbekosten. Inzwischen zittert man bei den Firmen vor dem zweiten Wochenende - wie schnell und mit wieviel Prozent die Filme an Fahrt verlieren. Ein letztes Festhalten an der Aussagekraft von Zahlen, in einem Geschäft, das längst ohne vernünftige Kalkulation operiert. Schöpferisches Delirium! Zweieinhalb Stunden lang dauert "BBII": more is less! Bei der DVD, wurde gelästert, werde es die inzwischen üblichen 45 Minuten mit geschnittenen Szenen nicht geben - die sind alle schon im Film drin.

Hinter "BBII" haben sich die "Pirates of the Caribbean" erstaunlich gut gehalten, der zweite Bruckheimerfilm an der Spitze - das Doppelpack ist ein persönlicher Triumph für ihn, sein letzter? Dreißig Jahre war Michael Bay, der sich als Regisseur Bruckheimer verschrieb für "Armageddon" und "Pearl Harbor", als er den ersten "Bad Boys" drehte, für gerade mal 23 Millionen, und damit 140 Millionen reinholte. Das war noch ein Bruckheimer-Simpson-Film - der verrückte Partner ist inzwischen gestorben.

"BBII" gedenkt der guten alten Zeiten - und der wilden Jungs von damals. Bald werden die Bad Boys scharfe Konkurrenz kriegen. Lara Croft startet zum zweiten Lauf, und es gibt Seabiscuit, mit Tobey McGuire. Der Spider-Man-Star bringt eine neue Gangart in den Kinosommer - als Jockey.

Leser empfehlen