Kino "Filme drehen ist wie Babys machen"

Bei beidem lässt Luc Besson ungern andere mitmachen. Der Regisseur von "Léon - Der Profi" oder "Lucy" macht Hollywood von Frankreich aus Konkurrenz.

Von David Steinitz

Ein heißer Tag in Berlin. Draußen knallt die Sonne, drinnen kniet Luc Besson auf allen Vieren unter dem Tisch einer plüschigen Hotelbar. Seine Assistentin hat ihr Handy verloren, und da hilft er natürlich beim Suchen. Was gar nicht so einfach ist, weil er sich kurz vor der Fertigstellung eines neuen Films immer fühlt, als sei er "im achteinhalbten Monat schwanger".

Besson schreibt, inszeniert und produziert seit Jahrzehnten Hits. Mit "Léon - Der Profi", "Das fünfte Element" und "Lucy" macht er wie kaum ein anderer Europäer Hollywood Konkurrenz. Was ihm bis heute am meisten Spaß macht in seinem Job? Ganz klar das Drehbuch, sagt Besson: "Ich setze mich an den Computer und schreibe: 2000 Raumschiffe tauchen am Himmel auf. Dann überlege ich kurz und denke mir, Luc, das kannst du doch noch besser. Also lösche ich den Satz wieder und schreibe: 5000 Raumschiffe tauchen am Himmel auf. An keinem anderen Punkt des Produktionsprozesses können Sie so viel herumspinnen wie beim Schreiben. Und das hat keinerlei Konsequenzen, weil das ganze Theater mit der Umsetzung ja erst später beginnt, wenn der Rest des Teams dazu kommt und mir erklärt, was aus meinem schönen Drehbuch man leider alles nicht realisieren kann. Und dabei schauen Sie mich immer an, als sei ich jetzt endgültig verrückt geworden."

Der 58-Jährige hätte schon vor Jahren problemlos nach Hollywood umsiedeln können, Angebote gab es genug. Trotzdem zieht er es bis heute vor, seine Filme von Frankreich aus zu organisieren und sich die US-Stars einfach nach Europa einzukaufen. "Ich arbeite gerne mit den amerikanischen Studios, aber eben nicht für die amerikanischen Studios. Ich bin doch kein Angestellter, der sich sagen lässt, wie er einen Film zu inszenieren hat, und dem man kündigen kann, wenn er nicht spurt. Filme drehen ist wie Babys machen, da lasse ich doch auch nicht noch irgendwen mitmachen."

Besson hat bereits mit Bruce Willis, Scarlett Johansson und Robert De Niro gedreht und einen einfachen Trick, um herauszufinden, ob die Stars brave Schauspieler oder komplizierte Zicken sind. "Grundsätzlich ist es so, dass die ganzen Manager, Assistenten und Publizisten, die um diese Stars kreisen, ein Spiegel der Menschen sind, die sie repräsentieren. Da merkt man schnell, mit wem man wirklich zusammenarbeiten möchte. Wenn der Künstler locker drauf ist, sind auch seine Leute meistens entspannt, und umgekehrt. Wenn Ihnen schon der Assistent auf die Nerven geht, dann wollen Sie den dazugehörigen Schauspieler in der Regel gar nicht erst kennenlernen."

Sein neuer Science-Fiction-Film "Valerian und die Stadt der tausend Planeten" beruht auf einem französischen Kult-Comic aus den späten Sechzigerjahren und startet am 20. Juli in den Kinos. Die Hefte waren eine künstlerische Initialzündung für Besson, der sie schon seit Jahrzehnten verfilmen wollte: "Eine Frau als Heldin? Das hatte man noch kaum gesehen. Und die Geschichte spielt auch noch im Weltraum, das war ja Jahre bevor Star Wars rauskam, da war das noch nicht so selbstverständlich. Damals haben Sie den Fernseher eingeschaltet und da gab es zwei Kanäle, in Schwarzweiß. Kein Internet, keine Handys. Als ich diesen Comic aufgeschlagen habe und da kamen mir diese bunten Aliens im All entgegen, das war ein Erweckungserlebnis."

"Filme zu drehen ist wie Babys machen"

5000 Raumschiffe am Himmel? Der französische Regisseur Luc Besson ist bekannt für bildgewaltige Zukunftsvisionen. Im Gespräch erzählt er, warum er den Franzosen suspekt ist und warum Produzenten ihn oft ansehen, als ob er verrückt sei. Von David Steinitz mehr...