Dann hat er wohl ein für allemal beschlossen, alle Erklärungen seinen Freunden vom Regietheater zu überlassen und ansonsten seinen Spaß zu haben. Und ja, Spaß hat er. Schon ganz am Anfang zum Beispiel. Da kommt der Hurrican Katrina, Herzog style. Eine Schlange schwimmt durch schwarzes, ölig schillerndes Brackwasser. An Büchsen, Eimern, Treibgut vorbei.
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Die Musik ist dräuend schicksalsschwer. Die Schlange schwimmt weiter, durch Gitterstäbe hindurch, in ein Haus hinein. Das steht unter Wasser. Neue Gitterstäbe tauchen auf. An ihnen hängen Hände, und an den Händen hängt ein Mann. Ein Gefangener in seiner Zelle, in der das Hochwasser schon fast bois zur Decke steht. Der Mann sieht die Schlange und sagt: "Oh Shit".
Das wahre Vergnügen
Oder diese Szene, schon tief im Drogennebel des fortgeschrittenen Films. "Was machen diese verfickten Leguane auf meinem Couchtisch?" fragt Nicolas Cage da und starrt sehr ernst auf seinen Couchtisch. Sein Partner, Val Kilmer, starrt ebenfalls sehr ernst auf den Couchtisch, richtig superernst mit steiler Stirnfalte, und sagt: "Da sind keine Leguane." "Doch wohl." "Nein. Da sind keineswegs irgendwelche Leguane."
Ich glaube, solche Szenen zu drehen ist heute das wahre Vergnügen im Leben des Filmemachers Werner Herzog. Der doch so ziemlich alles zwischen Mensch und Tier, Arktis und Antarktis schon gesehen hat. Sein Vergnügen besteht darin, einstmals respektierte Schauspieler - in Gottes Namen, Oscargewinner! - die für ihr Leben gern mal "den Kinski" machen wollen, superernst die Frage debattieren zu lassen, ob da nun Leguane auf dem Couchtisch sitzen oder nicht.
Wobei natürlich selbstverständlich tatsächlich zwei prächtige Leguane auf dem Couchtisch sitzen. Herzog fährt mit einer Spezialkamera bis auf Millimeter an sie heran und um sie herum, er umkreist ihre Augen und ihre japsenden Münder, er will gar nicht von diesen Leguanen lassen. Gleichzeitig zwingt er die Oscargewinner im Hintergrund dazu, stocksteif dazustehen und sich nicht zu rühren, bis er mit seinen Leguanen schließlich und endlich fertig ist.
Und das Tolle ist: Nicolas Cage wirkt durch diese Aktionen dann plötzlich selbst wie befreit. Der gequälte Quatsch seiner letzten Rollen, all das scheint von ihm abzufallen. Er bringt ein paar Szenen, wo er die Unterlippe hängen lässt und die Augenlider senkt und Drohungen murmelt, oder auch mal richtig ruckzuck die linke Augenbraue hochreißt, mit Verve, das hat dann schon wieder echten Stil.
Ob Cage und Herzog und einige brillante Nebendarsteller hier wirklich befreiend absurdes Filmtheater machen wollten, im Gegensatz zum verhassten Regietheater, wissen wir nicht. Wir können nur vermelden, dass es ihnen irgendwie doch gelungen ist.
BAD LIEUTENANT: PORT OF CALL NEW ORLEANS. Regie: Werner Herzog. Buch: William M. Finkelstein. Kamera: Peter Zeitlinger. Schnitt: Joe Bini. Musik: Marc Isham. Mit Nicolas Cage, Eva Mendes, Val Kilmer, Xzibit. Verleih: Splendid (Fox), 122 Minuten.
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(SZ vom 24.02.2010/lmne)
Bundespräsident Gauck in Israel
Wer B-Movies mag, wird hier seinen Spass haben. Nach ungefähr 20 Minuten habe ich angefangen zu lachen, ob des Schwachsinns auf dem Bildschirm. Und wie Nic Cage je einen Oscar gewonnen hat, frag ich mich immer noch.
Wenn ich so was lese wie den Artikel hier. Da ist aber jemand ein ganz großer Werner Herzog Fanboy. Der Quatsch mit den Leguanen ist keine große Kunst, sondern grenzwertig bekloppt.
Fazit: Mit Freunden gucken, trinken und lachen. Oder den ersten Bad Lieutenant gucken. Der ist zwar nicht zum lachen, aber wenigstens gut. Auch ohne Leguane.