Kinderbuch-Klassiker in neuen Übersetzungen Neues von Asteroid B 612

'Der kleine Prinz' feiert Geburtstag HANDOUT - Das Cover des Buches 'Der kleine Prinz'. Das Werk von Antoine de Saint-Exupéry wurde vor 70 Jahren, am 6. April 1943, veröffentlicht. Handout: Karl Rauch Verlag dpa (ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung bei vollständiger Nennung der Quelle 'Handout: Karl Rauch Verlag', zu dpa '´Der kleine Prinz" wird 70: Phänomen und ewiger Klassiker' vom 05.04.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: picture alliance / dpa)

"Der kleine Prinz" startet nochmal richtig durch: Siebzig Jahre nach dem Tod des Autors überschwemmen Neuausgaben des Dauerbestsellers den deutschen Buchmarkt. Sie zeigen auch, wie unerreichbar Antoine de Saint-Exupérys Meisterwerk ist.

Von Joseph Hanimann

Gewiss war dieser Dauerbestseller stets auch dazu geeignet, Französisch Lernenden als Vorlage für die erste Fremdsprachenlektüre zu dienen. Das Vokabular ist einfach, die Sätze sind meistens kurz, die Story ist ansprechend und abwechslungsreich. Da hinter dem süßlichen Klang dieses Texts um den Prinzen vom Asteroiden B 612 sich aber vielschichtige Nebentöne verbergen und stets auch ein Hauch von Geheimnis knistert, muss man dann doch immer wieder zu Übersetzungen greifen.

Deren werden es in Deutschland nun bald eine Handvoll sein. Siebzig Jahre nach dem Tod des Autors, der 1944 als Kriegspilot vor Marseille abstürzte, sind die Urheberrechte für Antoine de Saint-Exupéry auch hierzulande entfallen. In manchen Ländern Ostasiens waren sie das schon seit geraumer Zeit. Nur in Frankreich, wo für Autoren, die im Kriegseinsatz umkamen, zur Entschädigung der Hinterbliebenen noch etliche Jahre dazugeschlagen werden, bleiben die Rechte für Saint-Exupéry vorerst beim Verlag Gallimard.

So ein Wechsel bei einem in 270 Sprachen und Dialekte übersetzten Erfolgsautor müsste, so denkt man, im Milieu Hektik auslösen, angefangen bei der Erbengemeinschaft, der "Succession Antoine de Saint-Exupéry-d'Agay" in Paris. Doch herrscht dort Gelassenheit. Das große Geld kommt schon lange nicht mehr von den Texten, sondern von den Nebenprodukten des "Kleinen Prinzen". Dieser untersteht als eingetragene Marke mit seinem blonden Wuschelkopf als Logo dem Handelsrecht, und der Schutz einer Handelsware kennt andere Regeln als jener von Texten.

Ein rätselhafter Mythos

Leben und Tod des fliegenden Dichters Saint-Exupéry bleiben ein Rätsel - auch wenn nun der Pilot auftaucht, der ihn abgeschossen haben will. Gerd Kröncke mehr ...

Bei Straßburg gibt es einen "Petit Prince"-Freizeitpark

Die Verfilmungsrechte vom Comic bis zur 3-D-Fassung (eine Neuverfilmung von Mark Osborne ist für Oktober 2015 angesagt), aber auch alle anderen Arten von künstlerischer Bearbeitung und natürlich sämtliche kommerzielle Derivatprodukte werden von der "Succession" kontrolliert und entsprechend in Rechnung gestellt. Im breiten Spektrum vom neuen Freizeitpark des "Petit Prince" bei Straßburg bis zu den T-Shirts, Tassen und Tellern, Postkarten, Schlüssel- und Handy-Etuis mit dem Bild des berühmten Strich-Punkt-Gesichts kommt da viel zusammen. Die Erbengemeinschaft beschäftigt ein Kleinunternehmen von zwölf Festangestellten, und ihr Vorsitzender Olivier d'Agay, ein Großneffe Antoine de Saint-Exupérys, ist ständig zwischen New York, Rio und Tokio unterwegs. Mit einer Mischung aus philologischer Akribie, politischem Investitionskalkül - durch eine wohltätige Stiftung - und professionellem Marketing wird hier ein Erbschatz lebendig und rentabel gehalten.

Unter den deutschen Verlegern liefen die Dinge bisher in geregelten Bahnen. Abgesehen von einigen besinnlichen Texten Saint-Exupérys im Programm des Herder-Verlags lagen die Rechte für Saint-Exupéry seit Kriegsende beim Düsseldorfer Karl-Rauch-Verlag. Noch im Kriegsjahr 1943 in New York auf Englisch und auf Französisch erschienen, kam "Der Kleine Prinz" 1950 in der Übersetzung von Grete und Josef Leitgeb erstmals auf Deutsch heraus. Mit ihrem sanft raunenden Klang hat diese Textfassung Generationen von Lesern geprägt und soll nun gerade neu aufgelegt werden, nachdem vor vier Jahren bei Karl Rauch eine hellere und glattere Neuübersetzung von Elisabeth Edl entstanden war.

Drei neue Übersetzungen zeigen, wie unterschiedlich ein vermeintlicher Ohrwurm klingen kann

Unter den jetzt angekündigten oder schon erschienenen deutschsprachigen Neufassungen sind vor allem drei zu erwähnen. Mit der im S. Fischer Verlag vorgesehenen Übersetzung von Peter Stamm wird man sich noch etwas gedulden müssen, sie soll im April herauskommen. Bei dtv liegt hingegen die Übersetzung von Hans Magnus Enzensberger schon vor, und Reclam hat ebenfalls eine eigene Übertragung von Ulrich Brossier herausgebracht. Erstaunlich ist bei der vergleichenden Lektüre, wie unterschiedlich ein vermeintlicher Ohrwurm nach wie vor klingt.