Dummbeutel-Männer und Tussi-Frauen: Torsten Wackers Komödie "Kein Sex ist auch keine Lösung" bedient sich wahllos bei den abgenudeltsten Motiven aus Beziehungskisten-Comedys. Doch das Prinzip "doof" gleich "lustig" funktioniert leider nicht.
Doof, doofer, deutsche Kinokomödie. Oder: Kein Hirn ist auch keine Lösung. Noch nie war der deutsche Kinofilm derart reichhaltig mit TV- und Fördergeldern gesegnet, und noch nie war er in eine derartige internationale Bedeutungslosigkeit versunken, wie das aktuell der Fall ist.
Bild vergrößern
Felicitas Woll (als Susanne) und Stephan Luca (als Tom): Gags in Werbefilm-Ästhetik verpackt. (© Kinowelt)
Anzeige
Bei den A-Festivals von Cannes, Venedig und San Sebastián lief dieses Jahr kein einziger deutscher Film im Wettbewerb. Dafür gibt es einen Boom hirnloser Komödien, deren neuestes Exempel Torsten Wackers Kein Sex ist auch keine Lösung darstellt.
Von Anfang an vermittelt diese Bestseller-Verfilmung - die es mühelos schafft, das Tölpel-Niveau der Romanvorlage noch zu unterbieten - den Eindruck jener TV-Movies, die sich wahllos bei den abgenudeltsten Motiven aus Beziehungskisten-Comedys bedienen.
Da gibt es also den smarten Macho-Blödmann in der Werbebranche, der eine neue Karriere-Powerfrau-Kollegin (siehe "Was Frauen wollen") vor die Nase gesetzt bekommt. Er hat eine sexsüchtige Mutter (siehe "Two and A Half Men") und zwei nerdige Kumpels, mit denen er sich am liebsten beim Playstation-Spiel vergnügt.
Er heißt Tom Moreno (Stephan Luca) und sein direkt in die Kamera verkündetes Lebensmotto lautet: "Sex ja, Beziehung nein!", was seine Verehrerinnen aber nicht davon abhält, ihm Slips mit aufgedruckten Telefonnummern zu schenken.
Das letzte Witzpotential muss entweichen
Das Figurenkabinett von Dummbeutel-Männern und Tussi-Frauen hat weiterhin zu bieten: eine furchterregende Domina, steinreich-dekadente Auftraggeber, supernette Tierschützer, und weil das Ganze in Hamburg spielt, gibt es auch noch diverse Gag-Rempeleien mit infantilen St. Pauli-Fans.
Die Gags werden derart plump an den Haaren herbeigezogen und in Werbeclip-Ästhetik verpackt, dass ihnen das letzte Witzpotential entweichen muss. Diese Möchtegern-Komödie ist der unbedingten Ansicht, dass doof gleich lustig sei. Ein verhängnisvoller Irrtum.
KEIN SEX IST AUCH KEINE LÖSUNG, D 2011 - Regie: Torsten Wacker. Buch: Hartmut Block, Michael Gantenberg. Nach dem Roman von Mia Morgowski. Kamera: André Lex. Mit: Stephan Luca, Marleen Lohse, Anna Thalbach, Johannes Allmayer, Armin Rohde, Corinna Harfouch. StudioCanal, 109 Minuten.
- "In Time - Deine Zeit läuft ab" im Kino Hunde, wollt ihr ewig leben? 29.11.2011
- "Die Mühle & das Kreuz" im Kino Mordlust gehört zur Politik 24.11.2011
- "Breaking Dawn" im Kino Innerlich ausgesaugt 23.11.2011
- Polanskis "Gott des Gemetzels" im Kino Böses kleines Drama 23.11.2011
- "Halt auf freier Strecke" im Kino Der Weg zum Tod - so real, so nah 22.11.2011
- "Der Fall Chodorkowski" im Kino Rätsel im Glaskäfig 17.11.2011
- Film über Passionsspiele in Oberammergau "Die Dornenkrone neben der Flasche Bier - herrlich!" 17.11.2011
(SZ vom 01.12.2011/pak)
Endgültiger DFB-Kader für EM
Der deutsche Film ist einfach nur platt und peinlich. Es sind immer die gleichen nervigen Blödeleien, die mit nichts als Stereotypen "arbeiten".
Was wird ein Til Schweiger hier gefeiert - international anerkannt - etc.!
Ganz ehrlich, lieber Til, wenn Du Schauspielern kannst, dann fang mal bitte langsam damit an...
Und nicht immer die gleichen Fremdschäm-Streifen bitte.
..hält das allerdings nicht davon ab, im Nachtmagazin kräftig die Werbetrommel für dieses Machwerk zu rühren,
Und was hat die "Bildstrecke zum Thema" - Herr Vogel - mit dem Film zu tun? Im Artikel taucht der Name Vogel nicht auf, in den Film-Daten unten drunter auch nicht.
Also so ganz stimmt das ja nicht. Die Töpfe für die Filmförderung waren vor knapp 10 Jahren ebenfalls reichlich gefüllt. Für viel deutsches Geld wurde seinerzeit sogar in Hollywood gedreht, wo z.B. die Auslandskarriere eines Herrn Schweigers substituiert wurde oder über EMTV eine Menge Geld verbrannt wurde - waren es doch Abschreibungsprojekte. Ein Uwe Boll fragt sich wahrscheinlich heute noch, warum er immer wieder ungestraft drehen durfte.
Aber gut, auf der anderen Seite sind dann in vielen Produktionen Städte in Deutschland eingebaut worde, die keiner kennt aber über Jahre einen stets gefüllten Topf für sowas hatten.
Leider ist der deutsche Film im Ausland zur Lachnummer verkommen. Viele Profis, mal abgesehen von Till Schweiger, gehen daher ins Ausland.
Wobei viele in der Postproduktion oder hinter der Kamera arbeiten, da ist deutsche Handarbeit nach wie vor gefragt.
Aber hier in Deutschland stört sich doch keiner daran. Hier gibts so viele fünfklassige "Darsteller" die trotzdem irgendwie dann beim Tatort oder in einer Pilcher Verfilmung landen und einmal im Jahr wertvolle Preise åla Bambi einheimsen und sich trotzdem selbst feiern. Peinlich...
Solange der Konsument nicht aufbegehrt wird sich das auch nicht ändern.
Gaaanz tolle Links im Film-Artikel, bei "Lösung" und "Hamburg", gaaanz toll. Und so hilfreich.
Wer ist eigentlich für diesen Unfug bei der SZ zuständig?