Kabarett Die Welt aus Uelzener Sicht

Frank Smilgies' erstes Solo in der Lach- und Schießgesellschaft

Von Oliver Hochkeppel

Er ist perfekt komponiert, dieser Gordon Brettsteiger, der da auf die Bühne der Lach- und Schießgesellschaft tritt: norddeutsch unterkühlt, mit einem Schuss Helmut Schmitt, nicht nur wegen des hanseatisch gesprochenen "St", sondern auch wegen der Zigarette, die er den gesamten Abend in Fingern hat - allerdings wegen des vergeblichen Hantierens mit einer Streichholzschachtel unentzündet. Mit seinem cremefarbenen Anzug hat er freilich auch etwas britisch Dandyhaftes, wie es der Vorname suggeriert. Als Privatdozent aus Uelzen stellt er sich vor, der erstmals nach Bayern gereist sei, um von seinem aktuellen Forschungsprojekt zu berichten. Daraus wird natürlich nie etwas, denn stets schiebt der "Lehrbeauftragte für Abschweifung" noch eine Vorbemerkung, einen Exkurs dazwischen.

Wirbelte Frank Smilgies, der reale Kabarettist hinter Brettsteiger, bislang als Ulan (oder Bator?) im Duo mit Sebastian Rüger im ständigen Perspektiv- und Rollenwechsel derwischartig und dadaistisch über die Bühne, blickt er hier stoisch und konsequent durch die norddeutsche Brille auf die Welt: von der kargen Klischee-Kindheit mit Entbehrungen und Freiheiten ("Worte wie Ergotherapie gab es damals noch gar nicht") über die Unterschiede zwischen den schon bei der Begrüßung mit dem bloßen Vornamen des Gegenübers ("Björn") alle Regungen ausdrückenden Norddeutschen und den "immer jodelnden und schnitzenden" Bayern bis zum deutsch-dänischen Krieg als Beispiel für das Aggressionspotenzial vermeintlich harmloser Völker. Kaffeedurst und eine in absurden Traumsequenzen endende Fahrt im ICE werden ebenso Bausteine verblüffender (und sehr lustiger) Weltdeutung wie Salman Rushdie, Franz Josef Strauß und Oliver Bierhoff.

Ein famoses Gegenprogramm zu dem, was man bisher von Smilgies kennt. Ein Abend für Genießer des hintergründigen, leisen Humors und der sprachlichen Spitzfindigkeiten, die sich oft erst zwei Sätze hinterher erschließen. Wenn er am Schluss alle Programmfäden virtuos miteinander verknüpft, vermisst man nicht einmal mehr die Erklärung seines Forschungsprojekts.