Von Tag zu Tag verschärft sich der Ton, auch in den Medien: Die Jugendgewalt treibt zurzeit eine rhetorische Gewalttätigkeit hervor, die absolut irrational ist.
Die Jugendgewalt, derer man durch drakonische Strafen Herr werden will, treibt analog eine rhetorische Gewalttätigkeit hervor. Von Tag zu Tag verschärft sich der Ton der Debatte in einer Weise, die selbst in Zeiten des Wahlkampfs nur als irrational und gegenaufklärerisch zu begreifen ist.
Anzeige
Als Hauptsünder der Aggressionen in U-Bahnen und Stadtvierteln sind Jugendliche mit Migrationshintergrund ausgemacht. Damit hat man aber nicht nur die jungen Männer der islamischen Minderheit im Visier, sondern im nächsten Eskalationsschritt den Islam selbst.
Dass nun in Österreich eine FPÖ-Politikerin Mohammed als "Kinderschänder" verunglimpft, passt in diese Spirale der Anfeindungshysterie und setzt ihr die hässliche Krone auf.
Natürlich ist die aktuelle Jugendkriminalität nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Zu ihren Fakten gehört, dass ein bestimmter Typus des jugendlichen Aggressors - resistent gegen Sanktionen - statistisch zurzeit häufiger einer Einwandererfamilie entstammt statt einer "rein deutschen".
Die Furcht vor dem Islam
Zu den Tatsachen gehört aber auch, dass die Gefahr, die von diesen Minderheiten für deren städtische Umwelt ausgeht, von den einschlägigen Wahlkämpfern stark übertrieben wird. In Hessen etwa werden 90 Prozent der schweren Gewaltdelikte von Deutschen verübt. Der Übertreibung liegen, neben dem durchsichtigen politischen Kalkül, offensichtliche Ängste vor einem destruktiven Potential des Islam zugrunde. Der Islam löst in Mitteleuropa Schreckensvisionen aus, die in vielen Kreisen eine regelrechte Islamphobie nach sich ziehen.
Als vor zwei Jahren zwölf Autoren, unter ihnen Salman Rushdie und Ayaan Hirsi Ali, in einem Manifest vor "einer neuen weltweiten totalitären Bedrohung durch den Islamismus" warnten, galt dies noch als Ruf von einzelnen intellektuellen Alarmisten.
Überschaut man die jüngsten Leitartikel, Internet-Kommentare und Blogseiten, dann zeigt sich, dass die Ängste inzwischen grassieren. Selbst in der FAZ hieß es an diesem Dienstag, "dass die Mischung aus Jugendkriminalität und muslimischem Fundamentalismus potentiell das ist, was heute den tödlichen Ideologien des zwanzigsten Jahrhunderts am nächsten kommt."
Eine solche geradezu apokalyptische Prognose, die sich nicht scheut, die Übergriffe von Jugendlichen auf wehrlose Passanten mit den schlimmsten Massenverbrechen des Faschismus und Kommunismus zu assoziieren, veranschaulicht, wie panisch die Furcht vor der Aktivierungspotenz des Islam geworden ist.
Der wahrgenommene islamische Fundamentalismus gebiert einen Fundamentalismus des Anti-Islam.
Niemand wird mehr nach der Terrorgeschichte der letzten 15 Jahre die Gefährlichkeit islamistischer Zirkel abstreiten. Doch von dieser Einsicht zu schließen auf eine totalitäre Disposition ganzer islamischer Minoritäten, ist, um es vorsichtig zu sagen, unüberlegt. Schon ein Blick über den Atlantik macht klar, dass es vor allem soziale, kulturelle und auch nationale Ursachen sind, die muslimische Jugendliche kriminell werden lassen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Rechtspopulismus in Österreich "Unglaubliche politische Blödheit" 16.01.2008
- Rechtspopulismus in Österreich Wien verdammt Mohammed-Beleidigung 15.01.2008
- Wahlkampf in Hessen Koch startet neuen Angriff 15.01.2008
- Koalitionskrach über Jugendgewalt Wahlkampf in Berlin, Frieden in Kreuth 15.01.2008
- Debatte um Jugendgewalt Jetzt kommt Joschka 14.01.2008
Wettmanipulation im Fußball
Donata schrieb:
"Auf dass das "Kind" nicht noch schlimmeres lernt im Gefängnis, konsequente Haftbedingungen in Einzelhaft mit ausschliesslichem Kontakt zu Seelsorger und Gefängnispersonal. Anstelle von Bastelstunde und Mandalamalen: Konfrontation mit den Opfern). Klare Festlegung von Besserungs-Ergebnissen, die dann eine Entlassung auf Probe nach sich zieht. Mit Terminfestsetzung und absolut professionellem Ablaufmanagement. Die personelle Besetzung des Ablaufmanagements könnte ich mir denken: ehemalige Täter, junge Menschen aus Brennpunktzonen. Die bisherigen Massnahmen haben versagt, nicht gegriffen."
Wer mag so etwas schreiben? Ein Mensch, der seine ganze eigene besch...... Kindheit und Jugend, von Rachegedanken und Projektionen bestimmt, stellvertretend an anderen aufarbeiten möchte und nun auch die "richtige" Organisation hinter sich weiß? Ein Patentlösungsfinder mit problematischem psychischem Hintergrund? "Einzelhaft", "professionelles Management" durch ehemalige Täter und jungen Menschen aus Brennpunktzonen". - Mir graust.
Finde aber daß wir das Thema letztendlich doch besser angepackt haben als zu Beginn.
Stimme ihren Ausführungen für alle jugendlichen Straftäter im Groben und Ganzen zu.
Nur, ob die Ausweisungen für speziell jugendliche Straftäter mit Migrationshintergrund so richtig und praktizierbar sind, weiß ich nicht - gerade, wenn sie eigentlich schon ihr Leben lang in Deutschland gelebt haben?
aber, wir sprechen hier von einer ganz anderen Qualität, wenn Sie wollen: Kampfklasse. Da kommen Sie so nicht mehr weiter. Ich habe mich nun mit meiner Vorschlagliste aus dem Fenster gelehnt und glaube auch, dass das (EXPAT schon müde des Schreibens, was ich nachfühle) nun sein muss. Nur lebendige Teilnahme - eben auch Vorschläge - müssen her. Frage mich im Moment eigentlich nur, wohin - Adressaten - damit?
@expat:
sie haben geschrieben, sie könnten sich vorstellen an Interkulturellen Trainings teilzunehmen, würden sie noch in Deutschland leben.
Ich möchte jetzt nichts falsches sagen, aber ich bin mir nicht sicher, ob das außerhalb von Unis und Firmen überhaupt angeboten wird.
Müßte eigentlich in die Schule gehören, finde ich, gerade dort, wo viele Kulturen zusammenleben.
Paging