Jubiläums-James-Bond "Skyfall" Sehnsucht nach Exzess, Zerstörung und Todesmut

Fünfzehn geschrottete Audis und sechs kaputte Landrover für eine einzige Szene - der Stern von James Bond strahlt umso heller, je absurder die Spesenrechnung. Zum 50. Jubiläum seines Kinodebüts kehrt 007 aus einer Zwangspause zurück. Sein Weg führt wieder nach Istanbul.

Ein Besuch am Set. Von Tobias Kniebe

Vorschlaghammer trifft auf schwarze, schimmernde, fabrikneue Audi-Limousine. Immer wieder in die linke Flanke. Die Einschläge klingen dumpf und ein wenig knirschend. Niemand tut was dagegen. Es schauen zu: Alte Frauen in Kopftüchern, Obstverkäufer hinter ihren Ständen, fliegende Händler mit gefälschtem Luxusgut. Besonders die Männer zucken bei jedem Schlag, als würden sie selbst getroffen. Dann knacken die Lautsprecher, oben auf den Minaretten der Yeni Camii Moschee. Der Muezzin ruft zum Mittagsgebet. Es hört sich an wie ein Klagelied auf den Irrsinn der modernen Welt.

Der Vandale mit dem Hammer ist Mitglied eines hochbezahlten Stuntfahrer-Teams, und die erste und wichtigste Botschaft seines Zerstörungswerks ist klar: Hier werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Alles andere wäre auch enttäuschend, wenn James Bond in Aktion tritt. Nullnullsieben ist wieder da, rechtzeitig zum fünfzigsten Jubiläum seines ersten Filmauftritts, auferstanden aus der Insolvenz seines Studios MGM.

Zum dritten Mal nach "Liebesgrüße aus Moskau" und "Die Welt ist nicht genug" macht er Station in Istanbul. Und weil sein Stern umso heller strahlt, je absurder die Spesenrechnung hinterher aussieht, hallen nun diese Schläge durch die Gassen des Ägyptischen Gewürzmarkts.

Nur: Was genau passiert hier? "Wir haben eine brillante Geschichte, die ich auf keinen Fall verraten werde", sagt James Bond alias Daniel Craig, die stechenden blauen Augen gesenkt, die Stimme zu einem rauen, nervösen Murmeln gedämpft, die Hände gefaltet und doch unter Hochspannung. "Wait and see", sagt Sam Mendes, streicht sich den graumelierten Bart und lacht: ein Oscargewinner im Bond-Regiestuhl, der erste seiner Art - offensichtlich genießt er den Zirkus. "Sorry", sagt Naomie Harris, das neue Bondgirl mit den jamaikanischen Wurzeln und dem rehäugigen Augenaufschlag. Sie alle tun so, als wären sie selbst beim Secret Service: Wir könnten es schon verraten, aber dann müssten wir Sie töten.

Dann kommt Alexander Witt, laut offiziellem Titel der Second Unit Director, tatsächlich einer der führenden Action-Choreografen der Welt - für Bond, Jason Bourne und Jack Sparrow, und immer wieder für Filme von Ridley Scott. Braungebrannt, Arbeiterschuhe, Jeanshemd. Er ist der Mann fürs Handfeste, und seinen Teil der Arbeit kann er durchaus erklären.

Menschen springen, Tauben flattern, Orangen und Melonen fliegen

In der konkreten Szene wird ein Audi, verfolgt von Bond in einem Landrover, durch die Gassen von Istanbul brettern, am historischen Postamt vorbei, über den Vorplatz der Yeni Camii Moschee und hinein in die Händlerbuden vor dem Gewürzmarkt, wo dann Menschen springen, Tauben flattern, Orangen und Melonen fliegen, Kochgeschirr rasselt und Teppiche davonrollen. Ein kurzes Feuergefecht, dann stehen da zufällig zwei Motorräder herum, und mit denen geht es weiter auf der Jagd durch die Stadt, bis hinauf sogar auf die Dächer des fünfhundert Jahre alten, kleinteilig verschachtelten Grand Bazaar.

Zwischendrin muss dieser Audi auf die Seite kippen und funkenstiebend über den Platz rutschen. Leider ist der aktuelle Stuntwagen beim letzten Versuch aufs Dach gerollt und jetzt nicht mehr zu gebrauchen. Also wird der nächste Audi so zugerichtet, dass der Anschluss wieder stimmt.

Wie viele Autos braucht man so als Actionregisseur, nur für diese eine Szene? Witt überschlägt das kurz im Kopf. "Fünfzehn Audis und sechs Landrover", sagt er schließlich. Im Übrigen erklärt er, dass der Trend in der Action-Regie sich gerade wieder wegbewegt von den chaotischen, superhektischen Schnittsequenzen, die eine Zeitlang Mode waren: "Letztlich wollen die Zuschauer doch sehen, was los ist."