Jubiläum: 100 Jahre Louis de Funès Nein! Doch! Oh!

Durchbruch mit 50 Jahren: Louis de Funès als Ludovic Cruchot in "Der Gendarme von Saint Tropez" (1964).

(Foto: dpa)

Für Liebhaber französischer Komik ist er unvergessen. Bald hätte Louis de Funès seinen 100. Geburtstag gefeiert. Privatleute haben ihm zu Ehren ein ebenso skurriles wie liebevolles Museum eingerichtet - in einem Schloss, Funès' letztem Wohnort. Ein Besuch.

Von Martin Zips

Schon in der Unterführung des winzigen Bahnhofs von Le Cellier schaut er einen an - als gewaltiges Graffito. Dieser irre Blick, diese riesige Nase. In Frankreich ist der Komiker Louis de Funès noch immer ein Star. Hier, in der Nähe von Nantes, hat er die letzten Jahre seines Lebens verbracht. Auf Château Clermont. Nur wenige Meter weiter, auf dem Dorffriedhof von Le Cellier, wurde er 1983 beerdigt. Frische Kränze mit vielen Rosen schmücken sein Grab. Weil er Rosen so gern mochte.

Erst vor einem Jahr haben sie in Le Cellier seines 30. Todestags gedacht. Tausende fielen in das Dorf an der Loire ein. Sie besuchten den Supermarkt, in dem de Funès einkaufen ging. Sie betrachteten die Orgel in der Kirche, an deren Kosten sich der als Louis Germain David de Funès de Galarza geborene, streng katholische Sohn spanischer Einwanderer beteiligt hatte. Und sie wanderten zum Ufer hinunter, wo er manchmal mit der Angel stand. Am 31. Juli 2014 wäre der Komiker 100 Jahre geworden. Es gibt also wieder was zu feiern in Le Cellier.

Höchste Zeit für ein Museum

Roselyne Duringer, die Architektur und Informatik studierte, wohnt erst seit dreieinhalb Jahren im Ort. Ihr Mann Charles arbeitet in der Gegend als Psychiater. Als beide hörten, dass bis auf das Grab und einen nach de Funès benannten, schmucklosen Gemeindesaal hier offiziell nichts an ihn erinnert, da war bei den Duringers kein Halten mehr. Ein Museum musste her.

Die Filmkomödien des 1,60 Meter kleinen Mannes gehören zu den kommerziell erfolgreichsten in der Geschichte des französischen Kinos. Läuft wieder mal "Die große Sause" im Fernsehen, so schauen heute noch zehn Millionen Franzosen zu. Der Humor scheint also immer noch zu funktionieren. Aussprüche wie "Nein! Doch! Oh!" oder "Bretterbretterbretter" gingen in die Alltagssprache ein. De Funès' Paraderolle war der hektische, grimassierende, manchmal widerwärtige und zur Raserei neigende Pedant.

Diesen Charakter perfektionierte er in seinem selbstaufopfernden, manchmal geradezu existenzbedrohend wirkenden Spiel. Mal gab er den besessenen Kunsthändler, der einem Kriegsveteran die Rückentätowierung abschwatzen will (Balduin, das Nachtgespenst, 1968). Dann den antisemitischen Fabrikanten, der wider Willen zum Rabbiner wird (Die Abenteuer des Rabbi Jacob, 1973) oder den verzweifelten Drehbuchautor mit echter Leiche unter der Gartenlaube (Jo, 1971). Seinen Durchbruch feierte de Funès als "Gendarm von Saint Tropez" (1964) - da war er schon 50.

Anekdoten und Original-Requisiten

Roselyne und Charles gingen also Klinken putzen, suchten Menschen, die den Darsteller noch persönlich kannten. Sie klopften hier und fragten dort, sammelten Fotos, Plakate, Briefe, Anekdoten, Geld und alle möglichen Original-Filmrequisiten. Vor einem Jahr dann mieteten sich die Duringers ein ehemaliges Zahnlabor im Ort. Doch der Raum war viel zu klein für die vielen Exponate, der Besucheransturm zu groß. Wegen Überfüllung musste ihr Museum immer wieder schließen. Seit drei Monaten nun befindet sich die Ausstellung exakt dort, wo sie eigentlich auch hingehört: auf de Funès' altem Schloss.

Es ist eine der skurrilsten, aber auch liebevoll gestaltetsten Schauen, die man je gesehen hat. "Guten Tag, Monsieur", stellt sich ein Mann in der Orangerie des prächtigen Gebäudes vor. "Mein Name ist Gilles Garcion. Ich kannte de Funès noch persönlich." Oral History! "Unserer Varieté-Gruppe hat er mal eine Verstärkeranlage geschenkt." Rentner Garcion, 65, wirkt sehr glücklich in seinem neuen Job.