Die Flucht vor den Nazis trieb Juden bis ins ferne Kolumbien, doch selbst dort waren sie nicht sicher. Ein Roman über ein dunkles Kapitel deutsch-kolumbianischer Geschichte.
Kolumbien war einer der vielen fernen Staaten, in die sich die Juden aus Deutschland und Österreich zu retten versuchten, als ihnen in ihrer Heimat die Vernichtung drohte. Die Exilanten, die es nach Bogotá oder Medellín schafften, stießen dort auf eine ältere Gruppe von deutschen Emigranten, die bereits ein, zwei Generationen im Lande waren und von denen nicht wenige mit dem Nationalsozialismus sympathisierten. Wenn die neuen und die alten Auswanderer aufeinandertrafen, führte das mitunter unweigerlich zu Konflikten, manchenorts aber einigten sie sich auf ein unausgesprochenes Reglement: dass in bestimmten Cafés, bei manchen gesellschaftlichen Ereignissen über Politik nicht gesprochen wurde.
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Vásquez behandelt universelle Fragen von Schuld, Verrat, Versagen am Schicksal einer Handvoll Menschen. (© Foto: Schöffling & Co)
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Ums Reden im falschen Augenblick, um Erzählen, Lügen und Verschweigen geht es in einem vielschichtigen, souverän komponierten Roman, mit dem sich der 1973 geborene Kolumbianer Juan Gabriel Vásquez ein dunkles Kapitel der kolumbianisch-deutschen Geschichte vornimmt. 1941 hatte Kolumbien seine Neutralität aufgegeben und sich auf die Seite der Alliierten geschlagen. Auf Druck der USA wurde im Land eine Liste erstellt, auf der die Nationalsozialisten unter den deutschstämmigen Bürgern des Landes verzeichnet werden sollten, um deren Einfluss auf Staat und Öffentlichkeit kontrollieren zu können.
Schwarze Listen
Es kam aber, wie es bei schwarzen Listen eben zu kommen pflegt: Nicht nur die fanatischen Nationalsozialisten fanden sich auf ihr, sondern viele, die aus Neid, wegen eines alten Streites oder aus purer Niedertracht denunziert wurden. Und einigen von diesen hat das nicht nur kurzfristige Ächtung eingetragen, sondern die Existenz ruiniert, ja mitunter sogar das Leben gekostet. Einen solchen Fall rollt der Roman auf, der als Buch im Buch angelegt ist.
Gabriel Santoro ist ein junger Historiker, der eine Studie über die deutsche Kolonie in Bogotá geschrieben und sich dabei vor allem auf die Gespräche gestützt hat, die er mit Sara Guterman führte, die vor fünfzig Jahren, als Kind jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland, ins Land gekommen war. Später erinnert er sich: "Ich veröffentlichte ein Buch, ein harmloses Buch, und nichts mehr war wie vorher." Kaum nämlich ist seine historische Studie erschienen, bringt eine große Zeitung eine vernichtende Rezension, in der es heißt: "Das Büchlein ist gut und originell. Nur sind die guten Teile nicht originell und die originellen nicht gut."
Verwerfungen einer Epoche
Der Kritiker, der das Buch nach allen Regeln der Rhetorik verreißt, ist pikanterweise der Vater Gabriel Santoros, als Professor für Rhetorik eine Autorität, die im ganzen Land berühmt ist. Der Sohn weiß gar nicht, wie ihm geschieht, aber als ein paar Jahre später der Vater dem Tod nahe ist und ihn mit den Worten, "ich bin alles, was du hast", zur Pflege abkommandiert, wird ihm nach und nach klar, dass es da ein Geheimnis um seinen Vater, dessen einstigen Freund, den deutschstämmigen Enrique Deresser, und um Sara Guterman gibt.
Der Roman kreist um eine leere Stelle, um jenes Geheimnis, das der Vater birgt und auf das er mit seiner wütenden Rezension die Aufmerksamkeit des Sohnes erst lenkte, ein Geheimnis, das mit einer individuellen Schuld, nicht nur mit dem kollektiven Verhängnis, den Verwerfungen der Epoche zu tun hat. Erst recht, als der Vater gestorben ist, sucht der Sohn, hinter sein Wesen zu kommen und zu erfahren, was damals geschehen ist, als die angesehene Familie Deresser binnen weniger Tage ihren letalen Absturz erlitt. Dabei wird dieselbe Geschichte mit immer anderer Akzentuierung erzählt, was auch die Titel der ersten vier Kapitel verraten: "Das unvollendete Leben", "Das zweite Leben", "Das Leben gemäß Sara Guterman" und "Das geerbte Leben".
Lesen Sie weiter auf Seite zwei, wie Vásquez das gesellschaftliche Panorama des Kolumbiens der vergangenen 70 Jahre aufbereitet.
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Wettmanipulation im Fußball
Es scheint so, dass neben NSDAP-Sympathisanten auch andere deutschstämmige Kolumbianer drangsaliert, zerstört und ermordet worden sind. Hier handelt es sich um eine ethnische Sippenhaft. Schuldig weil deutsch. Die rassistische Komponente in Handlungen des Zweiten Weltkrieges und danach eben nicht nur von verdammten und verurteilten deutschen Nazis gegenüber Juden, Slaven u.a., sondern auch von verschiedener Seite gegen unschuldige Deutsche wird gerne übersehen und totgeschwiegen.
Die von ganz oben ausgegebene Parole bei der organisatorisch freigegebenen hunderttausendfachen Massenvergewaltigung an deutschen Frauen in Ostdeutschland (vgl. "ANONYMA - Eine Frau in Berlin ") war auch (in diesen Worten): treibt den deutschen Frauen den Herrenmenschen-Stolz aus.
Man darf doch etwas Differenzierung verlangen. Wie viele von diesen Frauen hatten bei der letzten freien Wahl (6. Nov. 1932) zuvor gegen die Nazis gewählt? 66,9%
D.h. 66,9% der vergewaltigten Frauen hatten NICHT die Nazis gewählt, sind aber nach Ansicht der damaligen sowjetischen Militärkomandanten und heutigen Links-Aktivisten schuld. Qua ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Braucht es ernsthaft erst mich um dahinter Rassismus zu erkennen. Rassismus, der, da er gegen Deutsche gerichtet ist, nicht verurteilt wird, was wiederum einer Steigerung des Rassismus ist.
Wir leben in einer Gesellschaft, die auf krankhafte Weise geführt wird. Jeder solle bzw. muss sich seine eigenen Gedanken machen und alles mediale und politische in Frage stellen.