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Johnny Cash zum 80. Auf der dunklen Seite des Lebens

Mit seinem Sound, der einen herannahenden Güterzug vermuten lässt, wurde Johnny Cash zum Weltstar. Sein Leben war geprägt von Musik, Alkohol, Tabletten und der großen Liebe zu einer Frau. In seinem 71-jährigen Leben verkaufte der "Man in Black" mehr als 58 Millionen Platten. Am Sonntag wäre er 80 Jahre alt geworden.
Martina Pock

"Hello, I´m Johhny Cash!", so stellte sich der Mann auf der Bühne vor, der ein Leben lang mit einer Gitarre in der Hand von Gefängnis, Alkohol und zu Beginn seiner Karriere auch noch über Jesus sang. 1955 gelang ihm mit der Single "Cry Cry Cry" über Nacht der Durchbruch.

Johnny Cash: Der Country-Sänger hat die Sorgen der Welt auf sechs Saiten geladen.

(Foto: dapd)

Geboren wurde Johhny Cash am 26. Februar 1932 in Kingsland, Arkansas. Getauft wurde er auf den Namen, oder vielmehr auf die Initialen J.R. - ein halbherziger Kompromiss zwischen dem von der Mutter gewollten Namen "John" und des väterlichen Spitznamen "Ray". Später änderte Cash seinen Namen in "John R.".

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Initialen als Vornamen waren zu dieser Zeit in den USA keine Seltenheit. Davon, dass es andere Männer mit ihrem Namen viel schlimmer getroffen haben, erzählt er 1969 in dem Song "A Boy Named Sue" (Ein Junge namens Sue).

Cash wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen auf, seine Eltern waren einfache Farmer. Er hatte sechs Geschwister, sein älterer Bruder Jack starb bereits im Alter von 14 Jahren bei einem Unfall mit einer Kreissäge. Als er zehn Jahre alt war, bekam Cash von seiner Mutter seine erste Gitarre geschenkt. Damit wurde der Grundstein für eine Weltkarriere gelegt.

Mit seinem Sound, der dem Geräusch eines herannahenden Güterzugs ähnelt, konnte Cash 58 Millionen Platten verkaufen und wurde mit 15 Grammy Awards ausgezeichnet. Mit 47 Jahren zog Johnny Cash, der ab den frühen 1970er Jahren nur noch schwarz gekleidet auftrat, als bis dahin jüngster lebender Künstler in die "Country Music Hall of Fame" ein.

Alkohol- und Tabletten-Sucht

2005 inszenierte der Regisseur James Mangold posthum die Filmbiographie Walk the Line über den Sänger. Joaquin Phoenix wurde noch von Cash selbst, der auch am Drehbuch beteiligt war, als Alter Ego für den Film ausgesucht. Phoenix wurde für seine Rolle für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert, ging aber leer aus. Reese Witherspoon hingegen erhielt den Oscar für die beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle der June Carter, der großen Liebe des Country-Sängers.

Kennengelernt hatte Cash June Carter bereits zu Beginn seiner Karriere. Als die beiden 1961 zusammen auf Tournee gingen, verliebte sich Cash in die Sängerin, die schon als Kind mit der Carter Family auf der Bühne stand. Zu der Zeit waren beide noch mit anderen Partnern verheiratet. Cash hatte bereits 1954 Vivian Liberto geheiratet, die beiden hatten zwei Töchter.

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1963 verließ er seine Familie. Zu diesem Zeitpunkt war der Sänger bereits schwer abhängig von Tabletten. Er konsumierte Amphetamine, wie Benzedrintabletten, die leistungssteigernd, selbstbewusstseinsfördernd, jedoch auch Appetit-hemmend wirken. Cash magerte auf 70 Kilo ab, seine Stimme wurde brüchig.

Und auch der Alkohol war ein Problem: Bei einem Konzert in Köln soll der Country-Sänger so berauscht gewesen sein, dass er seinen eigenen Text vergaß. Erst June Carter, der Cash bei einem Konzert einen Antrag machte, holte ihn aus seinem Tal. Aus seiner Sucht nach illegalen Substanzen und Alkohol machte Cash kein großes Geheimnis, vielmehr baute der "Man in Black" damit sein Image als "Gesetzloser" auf.

Einige Male musste Cash wegen kleinerer Delikte ins Gefängnis. Möglicherweise kam ihm dabei die Idee, ein Life-Album in einer Strafanstalt aufzunehmen. Das Album "At Folsom Prison" entstand 1968 und landete auf Platz 1 der Country-Charts. Darauf finden sich Songs wie "Cocaine Blues", ein Lied über Drogen und Mord.

Drei Monate nach den Aufnahmen heirateten Johnny Cash und June Carter in Kentucky. Bis dahin hatte sie sich aufgrund seiner Tablettetnsucht dazu geweigert und alle Heiratsanträge von ihm abgelehnt. Das zweite Gefängnis-Album "At San Quentin" folgte noch im selben Jahr und übertraf den Erfolg des ersten um Längen.

Eichhörnchen-Chilli bei Columbo

Auch Johnny Cashs Erfolg abseits des Musik-Business war beachtlich. Bereits in den 1960er Jahren spielte er in mehrern Filmen mit. In dem Drama "Verfluchter Mist" verkörperte er 1981 einen treusorgdenden Vater, der versucht eine Operation für seine kranke Tochter zu finanzieren. Immer wieder trat der Schauspieler auch in Western in Erscheinung.

In der Dokumentation "Half Mile a Day" 2000 erzählte Cash unter anderem von seiner harten Kindheit und gab preis, woher die tiefe Traurigkeit rührt, von der die Arbeit des Künstlers so stark geprägt ist. Bis heute legendär ist Cashs Auftritt als arroganter Country-Star in der Columbo-Folge "Schwanengesang" 1974, in der auf einer Party des Sängers Chilli aus Eichhörnchenfleisch serviert wird.

Immer wieder tauchte Cash in den gerade angesagtesten US-Serien auf, wie in dem Bürgerkriegsdrama "Fackeln im Sturm", "Unsere kleine Farm" oder 1997 bei der Serie von Jane Seymour "Dr. Quinn" zusammen mit seiner Frau June Carter. In der Episode spielt er einen kranken Mann. Zur selben Zeit war der Gesundheitszustand von Johnny Cash ebenfalls schon sehr schlecht. Er litt an einer Nervenerkrankung, vermutlich infolge von Diabetes. Am 12. September 2003 starb er in Nashville, Tennessee, nur wenige Monate nach seiner Frau June Carter.

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