Von Interview: Andrian Kreye

Der amerikanische Autor über Hollywood, Moral und die Verfilmung seines Romans "Witwe für ein Jahr".

Er hat Glück bei den Filmen, der amerikanische Romancier John Irving. Lasse Hallströms Verfilmung seines "Gottes Werk und Teufels Beitrag" wurde von Publikum und Kritik geliebt - und auch vom Autor selbst.

John Irving, dpa

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Mit "Door in the Floor/Die Tür der Versuchung" bringt nun der junge Regisseur Tod Williams ein Drittel Irving in die Kinos - den ersten Teil des Romans "Witwe für ein Jahr", mit dem wunderbar irvingesken Paar Jeff Bridges und Kim Basinger. Der Film startet nächste Woche bei uns.

SZ: Mister Irving, "Door in the Floor" wurde von der amerikanischen Kritik gefeiert. "Gottes Werk" wurde mit Oscars überschüttet. Was ist Ihnen inzwischen wichtiger? Buch oder Film? John Irving: Oh Mann, tun Sie mir das nicht an. Das sind zwei vollkommen verschiedene Dinge. Ich habe lang gebraucht, um Sympathien für Romanverfilmungen zu entwickeln. Bei der Arbeit an "Gottes Werk" habe ich zum ersten Mal erlebt, dass ein Film einerseits dem entspricht, was ich geschrieben habe und gleichzeitig doch etwas ganz anderes ist.

SZ: Dafür haben Sie das Drehbuch selbst geschrieben. "Door in the Floor" hat allerdings der Regisseur Tod Williams geschrieben. War "Gottes Werk" ein einmaliger Versuch? Irving: Oh nein. Ich arbeite an Drehbüchern für "Die vierte Hand" und "Zirkuskind" und an einem Originaldrehbuch, das ich mit Lasse Hallström realisieren werde. Das geht allerdings schon ein paar Jahre so, weil ich auch gerade einen neuen Roman redigiere, und das dauert sicher noch bis Dezember oder Januar.

SZ: Warum haben Sie Tod Williams "Witwe für ein Jahr" überlassen? Irving: Ich mochte seine Idee, nur das erste Drittel des Romans zu verfilmen. Ein Roman hat meist, wie ein Theaterstück, drei Akte, der erste Akt hat oft ein eigenes Ende. Mich hat das daran erinnert, wie Volker Schlöndorff die Blechtrommel gemeistert hat. Der Trick dabei ist, den Punkt zu finden, an dem man aus der Geschichte aussteigt. Tod Williams hat das brillant gemacht.

SZ: War es nicht ein Risiko, mit einem so unerfahrenen Regisseur zu arbeiten? Irving: Das stimmt. Aber er hat mich mit etwas überzeugt, das im Filmgeschäft niemand mehr macht - er hat mir einen Brief geschrieben. Wenn Leute im Filmgeschäft eine Idee haben, wollen sie einen immer gleich zum Frühstück treffen. Aber reden kann jeder. Wenn man zeigen will, dass man schreiben kann, dann sollte man eben etwas schreiben.

SZ: In Hollywood sind Sie eine Ausnahme - ein Autor mit Macht und Einfluss. Haben Sie denn so etwas wie das Recht auf "Writer's Cut", so wie Regisseure vom "Director's Cut" träumen? Irving: Ja genau so einen Deal habe ich. Das ist ja das Lieblingswort in Hollywood: Deal. Andauernd macht man einen Deal, und ich hatte bei "Door in the Floor" den gleichen Deal wie bei "Gottes Werk". Allerdings hatte ich damit nicht das letzte Wort, die Produzenten, der Regisseur und ich mussten einstimmig einer Meinung sein. Das hat bei beiden Filmen eigentlich immer funktioniert.

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