Jesus und das letzte Abendmahl Die Zeit drängt

Es brauchte also einen Physiker, um das herauszufinden: Jesus lud schon am Mittwoch zum letzten Abendmahl. Es könnte sein, dass Gottes Sohn eine eigene Zeitrechnung hatte. Das wäre schon ziemlich funky.

Von Martin Zips

Es brauchte einen Physiker von der Universität Cambridge, um das endlich einmal klarzustellen: Nicht etwa am Donnerstag hat sich Jesus mit einem letzten Abendmahl von seinen Jüngern verabschiedet. Nein, es war an einem Mittwoch! Mit seinen komplizierten Recherchen, so schreibt der Guardian, habe Sir Colin Humphreys die härteste Nuss des Neuen Testaments geknackt. Denn wie konnte es sein, dass in den Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas das letzte Abendmahl am Vorabend des Passah-Fests stattfand, eben an einem Donnerstag, während bei Johannes schon einen Tag vorher zu Tisch gebeten wurde?

Wann wurde gegessen? Das Bild zeigt ein letztes Abendmahl bei den Passionsspielen in Oberammergau von 1934.

(Foto: Scherl)

Generationen von Theologen haben sich darüber den Kopf zerbrochen. Jetzt kam ein Physiker, und - peng! - alles war klar. Dass es kein Donnerstag gewesen sein könne, leuchte schon angesichts der beschriebenen Fülle von Ereignissen zwischen dem Treffen und der Kreuzigung "um die dritte Stunde" (etwa neun Uhr morgens) am Freitag ein, betont Sir Humphreys. Die Verurteilung Jesu hätte zudem nachts erfolgen müssen - nach Dienstschluss arbeitende Richter seien aber schon damals vollkommen undenkbar gewesen.

Die Lösung nach Humphreys: Jesus und seine Jünger hätten als "Außenseiter und intellektuelle Rebellen" einen bereits damals kaum beachteten, uralten ägyptischen Kalender benutzt, als sie sich am Mittwoch verabredeten. Markus, Matthäus und Lukas hätten die Umrechnung des Tages in den offiziellen Mondkalender gewissermaßen versemmelt. Nun gedächten die Christen dem letzten Abendmahl am Gründonnerstag. Falsch, meint Humphreys. Mittwoch wäre besser.

Das Verwenden eines unzulässigen Kalenders wäre - und das macht die Sache erst so richtig interessant - heutzutage eine durch nichts zu rechtfertigende Todsünde. Gerade die globale Wirtschaftswelt duldet keine Ausreißer. Wer zum Beispiel die Sommerzeit eigenhändig um 24 Stunden verschiebt, wie die Türkei vor wenigen Wochen zum Schutz ihrer Schüler, für den hat man in der florierenden Finanzwelt nur Spott und Hohn übrig. Sich seine eigene Zeit zu machen, das ist genauso töricht, wie als Arbeitnehmer im Urlaub das Handy auszuschalten, beim Firmen-Wochenende im Sieben-Sterne-Hotel den Kollegen nicht die Gattin persönlich vorzustellen oder in Jeans im Büro zu erscheinen, wenn nicht gerade Casual Friday ist.

Muss ja nicht hundertprozentig stimmen, was Sir Humphreys da herausgefunden hat. Aber wenn Jesus tatsächlich einfach seinen eigenen Kalender verwendet hätte, so wäre das schon ziemlich funky von ihm gewesen. Und total revolutionär.