Jazz Glückliche Kellerkinder

Jacob Karlson treibt den Jazz am Piano bis zum Pop und Rock.

(Foto: Olaf Heine)

Augsburg bekommt nach vielen Jahren wieder einen Jazzclub. Eröffnet wird dessen Programm am Samstag von dem schwedischen Pianisten Jacob Karlzon

Von Oliver Hochkeppel

Underground", das ist speziell für angloamerikanische Ohren sicher ein klingenderer Name für einen Jazzclub als "Unterfahrt". Doch während die Münchner Unterfahrt 1996 die existenzbedrohenden Krisen weitgehend hinter sich hatte und auf dem Weg zu einem der besten Clubs Europas war, musste das Augsburger Underground im selben Jahr schließen. Die Lücke wurde nie geschlossen, auch andere Veranstaltungsorte wie das La Cumbia hielten sich nicht lange. Die mit Namen wie Wolfgang Lackerschmidt, Stefan Holstein oder Walter Bittner durchaus florierende Jazzszene der Fuggerstadt hatte damit für lange Zeit ihren Hafen verloren. Zwar gab und gibt es mit dem von Christian Stock geleiteten "Jazzsommer"-Festival, mit dem "Jazz in the City" oder dem "Django Reinhardt Memorial" populäre Jazz-Highlights, und der Schlagzeuger Manfred Blaas konnte im Hoffmannkeller des Theaters immerhin eine monatliche Jam-Session etablieren, doch Auftrittsmöglichkeiten für die heimischen Jazzer von Bayerns drittgrößter Stadt fehlten weitgehend, und damit auch die Möglichkeit des kreativen Austauschs und des Vernetzens; jeder werkelte fortan für sich selbst vor sich hin. Kamen früher Münchner Jazzer oft und gerne nach Augsburg, ging es nun fast ausschließlich in die andere Richtung. Der Augsburger Pianist Tim Allhoff etwa ist heute einer der höchstdekorierten deutschen Jazzer - mit Münchner Begleitern.

Weil der Jazz zwar auch in Augsburg ein Publikum, aber keine Lobby hat, war Besserung nur durch Eigeninitiative möglich. So gründeten vor vier Jahren mehr als 20 Jazzfans wie der Architekt Sascha Felber und Musiker wie der Pianist Daniel Mark Eberhard den Verein "Jazzclub Augsburg e.V." - mit dem erklärten Ziel, einen eigenen Club zu betreiben und damit dem Jazz wieder einen Ort in der Stadt zu geben. Die Standortsuche gestaltete sich freilich schwierig. Mal fehlte es an der Konzession durch das Ordnungsamt, mal wurde man sich mit dem Vermieter nicht einig. Hans-Christian Laubmeier, zusammen mit Sascha Felber der Vereinsvorsitzende, kann dem inzwischen auch Gutes abgewinnen: "Dadurch konnten wir unsere Fehler erst einmal im Kleinen machen", sagt er. Mit der Doppel-CD "Jazzclub Sounds Vol One", einer Compilation des Augsburger Jazz, mit Workshops, einer JazzFreiNacht und vor allem der bereits 2012 gestarteten, hauptsächlich im Augustana-Saal gastierenden Konzertreihe "Live At The Jazzclub" erarbeitete man sich das Veranstalter-Knowhow und testete aus, was beim Publikum ankommt.

Und schließlich fand man auch eine Bleibe: Das Kellergeschoss der Philippine-Welser-Straße 11, manchem noch als Discothek "Wunderbar" bekannt, ist nun der Jazzclub Augsburg. Alles ist in dem leicht schlauchförmigen, aber gemütlichen Saal schon hergerichtet, die kleine erhöhte Bühne, für die man unter anderem einen Kawai-Flügel angeschafft hat, der neue Holzboden, die Tischbestuhlung und die lange Theke ganz hinten. Mit den "Auxburg Jam Sessions", die mit umgezogen sind, hat man schon mal losgelegt, jeder erste und dritte Dienstag im Monat ist nun hier für sie reserviert.

Jetzt folgt am 26. September das Eröffnungskonzert. Der schwedische Pianist Jacob Karlzon hat mit seinem Trio die Ehre, einer aus der Riege der prägenden jungen wilden Europäer also. Einer, der den Jazzrahmen weit in Richtung Pop und Rock ausdehnt, der mit seinen Kompositionen Kopf, Bauch und Beine gleichermaßen anspricht. Und in dem viele nicht nur als Begleiter von Viktoria Tolstoy einen Nachfolger von Esbjörn Svensson sehen. Man darf das als Wink deuten, dass der Jazzclub Augsburg vor allem den aktuellen Jazz in seiner ganzen Breite präsentieren will.

Mit der Münchner Saxofon-Aufsteigerin Stephanie Lottermoser geht es am 9. Oktober weiter, und neben anderen bayerischen Jazzgrößen wie Chris Gall (31. Oktober) oder dem Goodman Bordenave Quintett (20. November) stehen bis zum Jahresende auch Könner im Programm, die eine weitere Anreise haben: Mit Ochsenbauer meets Sokal ist die Wiener, mit dem Trio Cholet Känzig Papaux die Schweizer und mit Hyperactive Kid die Berliner Szene zu Gast. Zwischendrin dürfte sicher auch noch Luft für die local heroes sein. Schön, dass der Jazz in Augsburg wieder ein Wohnzimmer hat.

Jacob Karlzon III, Samstag, 26. September, 20.30 Uhr, Jazzclub Augsburg, Philippine-Welser-Str. 11, 0821/ 50 87 45 60