Jay-Z: So ist es wenigstens gedacht. Wenn ich eine Idee habe, versuche ich sie aufzuladen. "She Lives In My Lap" ist ja auch ein Song von Andre 3000, den er mit Rosario Dawson für "The Love Below" gemacht hat. Die Frage ist immer, wie man eine gute Zeile, noch besser machen kann.
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Acht Alben, achtmal Platz eins in Amerika: Der New Yorker Rapper Jay-Z (© Foto: Reuters)
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SZ: "Venus Vs. Mars" endet mit der Zeile: "We used to make out / Kissin' each other's face off / Fell for the Ponzi Scheme / Damn Shawty just Madoff".
Jay-Z: Yeah! Es geht in dem Song darum, möglichst originell zu sagen, dass ich auf eine Dame hereingefallen bin. Es heißt in dem Rap auch "Shawty got fed up". "Fed up" ist hier natürlich im eigentlichen Sinn gemeint. Shawty hatte es also satt. Es spielt aber auch auf Britney Spears' Ex-Mann Kevin Federline an und deren wüste Trennung. Die ganze Sequenz lautet dann entsprechend: (rappt) "Shawty got fed up / Shawty got Britney / Shaved her whole head up", so wie es eben die verzweifelte Britney damals tat. Im besten fall ist Rap so subtil, dass er einen, wenn man es bemerkt, trifft wie Schlag.
SZ: Eine Menge ihrer Reime lassen sich allerdings auch als relativ konventionelle Angeberei lesen. Was unterscheidet guten Rap von Angeberei?
Jay-Z: Der Unterschied zwischen Angeberei und, sagen wir, Ehrgeiz ist sehr gering, das stimmt.
SZ: Sie haben das immer im Hinterkopf?
Jay-Z: Naja, die Leute sollen einen ja nicht für einen Hochstapler halten. Ich habe etwa behauptet, dass ich Dreifach-Platin-Platten bekommen werde, bevor ich eine einzige Platin-Platte hatte. Es hätte wie Angeberei klingen können, aber es klang nicht so. Später bekam ich die Platin-Alben.
SZ: Glück gehabt.
Jay-Z: Nein, nein. Ich habe mir nur ein Ziel gesetzt. Muhammad Ali ist dazu vielleicht ein gutes Beispiel. Er kam und behauptete: Ich bin wunderschön, ich bin großartig, ich bin toll! Niemand hatte sich bis dahin so etwas getraut. In Amerika herrschte ja noch Rassentrennung. Ali traute sich und gab so einer ganzen Generation von Afroamerikanern neues Selbstbewusstsein. Er war ein Angeber, aber er war klug, er wusste was er mit seiner Angeberei tat.
SZ: War Ali der erste große Rapper?
Jay-Z: Natürlich. Er hatte nicht allzu viel Material, aber er war gut.
SZ: Was dachten Sie als Rapper, als Sie zum ersten Mal Obama reden hörten?
Jay-Z: Ich war sehr beeindruckt von seiner rhythmischen Art zu Sprechen. Er synkopierte gut. Es schien als hätte er sich darüber einige Gedanken gemacht. Ein Mann des Wortes.
SZ: Könnte er Rapper werden?
Jay-Z: Hm. Das könnte schwierig werden. Es ist wirklich nicht leicht, wenige haben das Zeug dazu.
SZ: Und wenn er etwas übte, kommen Sie, immerhin ist er Barack Obama!
Jay-Z: (lacht) Ja, stimmt, das ist er. Was nehm' ich mir hier eigentlich raus.
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(SZ vom 26.9.2009/jab)
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