Javier Bardem im Interview "Hombre, ich bin dein Hauptdarsteller!"

Begnadeter Woody-Allen-Imitator: Jarvier Bardem.

(Foto: AFP)

Der Spanier Javier Bardem hat sich in Hollywoods A-Liga vorgearbeitet und mit den bekanntesten Regisseuren gedreht. Noch heute wundert er sich über Woody Allens Verhalten am Set.

Von David Steinitz

Der Schauspieler Javier Bardem spielt am liebsten Psychopathen, Verführer und Mörder. Weshalb Disneyland als Treffpunkt für ein Gespräch etwas merkwürdig anmutet. Aber der Vergnügungspark bei Paris gehört dem Filmstudio, für das er gerade einen finsteren Piratenkapitän in "Pirates of the Caribbean: Salazars Rache" gibt.

Aus seinen Rollen kennt man ihn als extrovertierten Übertreibungskünstler, beim Interview ist er überaus höflich und erweist sich außerdem als begnadeter Woody-Allen-Imitator mit einem sensationellen spanischen Akzent. Und erklärt, dass er privat überhaupt kein extrovertierter Mensch sei. "Eigentlich bin ich grundsätzlich sehr schüchtern. Früher habe ich mich dafür geschämt, aber wissen Sie was? Mittlerweile glaube ich, dass das ein großer Vorteil ist. Man braucht diese Schüchternheit, um sich selbst hinter der Figur verstecken zu können, die man spielt."

Obwohl er zur A-Liga in Hollywood gehört, lebt Bardem lieber in Madrid

Bardem hat mit den größten Regisseuren überhaupt gearbeitet, mit Ridley Scott, den Coen-Brüdern und Pedro Almodóvar. Besonders skurril fand er aber die Kooperation mit Woody Allen für "Vicky Christina Barcelona". "Wir waren schon mitten in den Dreharbeiten, und er begrüßte mich jeden Morgen mit einem sehr verwunderten 'Oh, Sie auch hier?'-Blick, als wäre er sehr überrascht, mich zu sehen. Ich dachte mir nur: Hombre, ich bin dein Hauptdarsteller! Aber das ist typisch Woody, so geht er mit allen um. Ich habe auch den Verdacht, dass die Person, die man am seltensten am Set eines Woody-Allen-Films sieht, Woody Allen ist."

Bardem kommt aus einer Schauspielerfamilie, er ist aber der erste, der es wirklich zu Ruhm gebracht hat. Gerade weil der Sohn es nach Hollywood geschafft hat, erinnert ihn seine Mutter gerne daran, dass der Beruf des Schauspielers früher überhaupt nichts Glamouröses hatte. "Zur Zeit meiner Großeltern zum Beispiel durften Schauspieler in Spanien nicht auf normalen Friedhöfen beerdigt werden, weil der Beruf als so verrucht galt. Schauspieler waren Gesindel, ganz unten in der Gesellschaft angesiedelt, wie Kriminelle. Und weder meine Großeltern noch meine Eltern konnten besonders gut von der Schauspielerei leben, es reichte meist gerade so für das Notwendigste. Der Beruf war für mich als Kind also eher negativ besetzt."

Obwohl er spätestens seit seiner Rolle als James-Bond-Bösewicht in "Skyfall" zur A-Liga in Hollywood gehört, lebt Bardem mit seiner Frau Penélope Cruz und den beiden gemeinsamen Kindern weiterhin lieber in Madrid. "Ich habe es in L.A. nie länger als sechs Monate am Stück ausgehalten. Zum Arbeiten fahre ich gern hin, aber dort leben, nein, danke. Meine Frau und ich können uns den Luxus erlauben, nur zum Drehen hinzufliegen, dann wollen wir immer so schnell wie möglich zurück."

"Eigentlich bin ich sehr schüchtern"

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