"Im Garten des Vaters", der Bestseller aus den Niederlanden, erzählt von religiösem Wahn, Predigern mit schmuddeligen Traktaten und dem, was ein Paradies hätte sein können.
Auch in der Literatur gibt es eine Wiederentdeckung der Religion, doch es sind nicht mehr die Kärntner Bauernbuben, deren Leiden in einem repressiven katholischen Umfeld beschrieben werden. Kriminalromane der Schwedin Åsa Larsson ("Sonnensturm") und des Norwegers Jo Nesbø ("Der Erlöser") spielen im Milieu protestantischer Freikirchen und der Heilsarmee, die das Leben ihrer Mitglieder weit stärker prägen, als man es im liberalen Skandinavien erwartet hätte.
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In Deutschland verfolgte Arno Orzesseks Debütroman "Schattauers Tochter" das Leben einer Frau, die vor dem Zweiten Weltkrieg ihrer pietistischen Familie entkommt, aber nicht den Fesseln ihres Glaubens. Doch niemand hat so eindringlich beschrieben, wie ein Mensch unter religiösem Einfluss sich und der Welt verloren geht, wie der Niederländer Jan Siebelink. Rund 600 000 seiner Landsleute haben seinen Roman "Im Garten des Vaters" inzwischen gekauft, was in Deutschland einer Auflage von zweieinhalb Millionen Exemplaren entspräche.
Diese klebrigen Evangelisten
Der Protagonist entflieht als Halbwüchsiger dem brutalen Regiment seines strenggläubigen Vaters, baut mit seiner Jugendliebe eine kleine Gärtnerei auf, gerät dann jedoch in die Fänge von altgläubigen Fanatikern. Hans Sievez wendet sich nicht de profundis an einen gnädigen Gott, sondern wird von den Anhängern eines erbarmungslosen Herrn aus seinem Glück gerissen.
Sievez war ein phantasievolles Kind, das die Geschichten von Himmel und Hölle, von Gott und Satan in ein Hüpfspiel zwischen Moorinseln verwandelte, denen er teils florale, teils biblische Namen gab. Ausgerechnet auf Patmos hatte er seinen Unterschlupf, doch für ihn wurde dies nicht die Insel göttlicher Offenbarung, sondern der Ort, wo er seine Freundin Margje zum ersten Mal küsste.
Das Tragische an Sievez ist, dass ihm gerade seine Fähigkeit zur Hingabe zum Verhängnis wird. "In seinen offenen blauen Augen lag jetzt nur noch Hingabe", heißt es, wenn der begnadete Gärtner mit einem eingekerbten Halm die winzigen Vorkeime seiner Farne pikiert. Seine Gärtnerei, die ihm ein "Irdisches Vergnügen in Gott" im Sinne eines Barthold Heinrich Brockes beschert, ist kommerziell nicht sehr erfolgreich, doch schlimmer ist, dass die Stelle seines prügelnden, lieblosen Vaters nach dessen Tod vakant blieb. Das spüren jene Prediger, die statt Hingabe Unterwerfung fordern und Sievez mit ihren Sprüchen und schmuddeligen Traktaten indoktrinieren.
Seine Frau schafft es nicht, diese "klebrigen Evangelisten" von Haus und Hof zu verbannen. Sie kriechen selbst durch Heckenlöcher, um Sievez Betstunden und Bücher aufzunötigen. Nolens volens folgt er ihren Einladungen. Wenn er zurückkommt, trägt er ihren Geruch in seinen Kleidern, und Margje nimmt ihn wahr. Sie stinken nach ungewaschenen Eiferern, und auf diesem Gestank, auch auf den körperlichen Deformationen dieser dunklen Gesellschaft insistiert der Roman immer wieder. Man fühlt sich an die Randfiguren von Goyas Capriccios erinnert, an vom Fanatismus grotesk entstellte Physiognomien.
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