"Was für ein enttäuschend kleiner Mann dieser Craig doch in Wirklichkeit ist", sagt eine ältere Dame, die früher mal "Tatort"-Komparsin war. "Der Regieassistent ist viel charismatischer." Irgendwann tun den Mitspielern dann ganz furchtbar die Füße weh. Auch Daniel Craig zwicken seine Schuhe. "Er ist genauso hin- und hergerannt wie wir alle. Nur dürfte er dafür mehr Geld bekommen", sagt die ältere Dame.

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Zeitweise hatte die Produktionsfirma überlegt, für die Komparsen Massenquartiere und Turnhallen zu organisieren. Irgendwo müssen sie sich am Tag ja ausruhen. Doch daraus wurde nichts. Nun bezahlen viele Statisten mit ihrer kleinen Gage ein Pensions-Zimmer. Andere übernachten bei Bekannten in der Umgebung oder fahren im Morgengrauen mit Auto oder Zug nach Hause.

Angst ums Auge

Der 20-jährige Matthias Domm schläft bei seinen Eltern. Eigentlich studiert er Maschinenbau in Karlsruhe. Aber für die Dreharbeiten hat er sich sechs Nächte freigenommen. Er liebt Bond-Filme, den Kampf zwischen Gut und Böse, die "authentisch wirkende Action". Und Abteilungsleiter Binzer gerät ebenfalls ins Schwärmen: "Er ist ein Vorbild für alle Männer, ein Held aller Frauen. Eine echte Traumgestalt im Kampf gegen alles Schlechte."

Ein europäischer Superman eben. So ungefähr hat sich Ian Fleming diese Figur einst ausgedacht und sie nach einem Ornithologen namens James Bond benannt.

Die ganz spektakulären Szenen werden in den kommenden Nächten gedreht. "Wir haben die Bregenzer über Mitteilungen in den Amtsblättern informiert, dass es noch bis zum 9. Mai rund um die Seebühne nachts etwas lauter zugehen könnte", sagt Rathausmitarbeiterin Patricia Erne. "Das Filmteam wurde von uns angewiesen, so ruhig wie möglich zu arbeiten. Und nicht nur an Land, sondern auch auf dem See wurde der Drehort weiträumig abgesperrt."

Aber eines sei doch klar: Da müssten die Bregenzer jetzt durch. "So eine Möglichkeit, in die Filmgeschichte einzugehen, gibt es ja nicht oft." Wie Daniel Craig als James Bond schließlich auf die Bühne gelangen wird, ist noch streng geheim, sicher ist nur, dass es ein spektakulärer Auftritt werden soll. Aber dem zwölf Tonnen schweren Bühnen-Auge aus der Tosca-Inszenierung darf nichts passieren, sagt Axel Renner vom Festspielhaus. "Die Iris brauchen wir nämlich noch, wenn wir im Sommer wieder Tosca zeigen."

Der Rentner Markus Aicher wird auch noch gebraucht, und zwar jetzt gleich, er soll die Treppe im Foyer wieder hoch- und runtergehen. Ihn interessiert ja vor allem, sagt er, "wie das hier so gemacht wird". Die Kameras, die Technik. Früher sei er Mitglied im örtlichen Filmclub gewesen. Da habe er noch mit Super8 gearbeitet. Heute schneide er am Computer.

Sein neues Werk trage den Arbeitstitel "Mein Leben". Eine Art Autobiographie, da darf dann sicher auch seine Frau auftreten. Und wahrscheinlich ist es für sie ein gehöriges Quäntchen Trost, dass sie ihren Mann bald als Kleindarsteller im neuen James Bond bewundern darf. Vielleicht zumindest.

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(SZ vom 02.05.2008/aho)