Von Martin Zips

007 am Bodensee: Seit Mittwoch wird in Bregenz für den neuen James-Bond-Film gedreht - und wer als Statist dabei sein darf, den stören weder schlaflose Nächte noch schmerzende Beine.

Es geht nicht immer gerecht zu auf dieser Welt. Markus Aicher zum Beispiel, 65 Jahre alt und Rentner aus Memmingen, wäre jetzt gerne mit seiner Frau hier. Das geht aber nicht.

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Die Seebühne in Bregenz - Schauplatz des neuen James-Bond-Films (© Foto: Getty Images)

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Beide hatten sich als Komparsen für den neuen James-Bond-Film beworben. Der weißhaarige Mann bekam vor kurzem seinen Statistenausweis mit der Post geschickt. Für seine Frau war kein Brief dabei. Aber mit manchen Ungerechtigkeiten muss man einfach leben, dachte sich der Bond-Fan, darum ist er auch alleine nach Bregenz gefahren.

"Quantum of Solace" ("Ein Quäntchen Trost") heißt der neue James-Bond- Film, und er wird seit Mittwochabend auf der Bregenzer Seebühne und im Festspielhaus gedreht. Agenten-Action am Rande der "Tosca"-Aufführung. Deshalb fallen nun jeden Abend bis zu 2500 Menschen in die Bodenseestadt ein: Komparsen, Musiker, Opernsänger, 300 Filmleute. Ganz, ganz großes Kino eben.

Hinter den Absperrungen einer sehr breiten Bannmeile versucht derweil die einheimische Bevölkerung einen Blick auf die Szenerie zu erhaschen, was für die meisten ein vergebliches Unterfangen ist. Herr Aicher aber ist ganz vorne mit dabei. Er wurde gleich zur ersten Drehnacht nach Bregenz bestellt.

So holte er seinen Smoking aus dem Schrank, band sich seine Fliege um, packte eine warme Decke ein und kaufte sich noch schnell einen Regenumhang. Alles auf Anweisung der Filmproduktion. Im November könnte er dann neben Daniel Craig im Kino zu sehen sein. Das wäre Herrn Aichers großer Traum.

Mit Hunderten anderer Statisten sitzt der Rentner nun schon seit zwei Stunden in einer fensterlosen Probenbühne. Ebenso wie die blonde Jura-Studentin Jessica Rathfelder aus Stuttgart. Sie habe einmal in einem Werbespot mitgespielt, erzählt sie. Vom Bond-Team wurde sie gleich "drei bis sechs Nächte" als Teil der Kulisse für Daniel Craig gebucht.

Auch Andreas Mayer, Elektroniker, und Wolfgang Binzer, Abteilungsleiter aus dem bayerischen Dorf Zell, harren in der düsteren Halle aus. Beim Neujahrsempfang der Kirche hätten sie die Idee gehabt, es beim Casting für Bregenz zu versuchen. Als es klappte, erzählen sie, kaufte sich Mayer einen Smoking bei Neckermann, Binzer hingegen hatte noch einen aus der Altkleidersammlung. Sie alle begeistern sich für die Filme mit dem MI6-Agenten, von dem auch mehr als 50 Jahre nach seiner Erfindung immer noch eine enorme Faszination ausgeht.

Plötzlich ruft eine Frau, die statt schicker Abendgarderobe eine grelle Warnweste trägt, sie müsse sofort alle Handys und Fotoapparate einsammeln. Ein Vertrag wird ausgeteilt. Jeder Statist muss zweimal unterschreiben, dass er damit einverstanden ist, von allen Seiten gefilmt zu werden: "Die Rechte, die hiermit erteilt werden, gelten weltweit und für das ganze Universum und sollen auf unbeschränkte Zeit erteilt sein." Darunter geht's bei Bond nicht. Das ganze Universum. Und dafür gibt es dann 60 Euro pro Drehnacht.

Von 18 Uhr an trennen kilometerlange Absperrgitter den Drehort von der restlichen Stadt ab. Die Security-Leute mit ihren Sonnenbrillen und Ohrstöpseln dürfen sich selbst ein bisschen geheimagentisch fühlen, wenn sie Mütter mit Kinderwägen, Jogger und Passanten und natürlich Reporter und Schaulustige am Uferspaziergang hindern.

Die gewohnte Route der Einheimischen führt vom "Wirtshaus am See", wo es nun einen James-Bond-Cocktail gibt, über den Platz vor dem Festspielhaus, wo das Casino ein sechsgängiges Bond-Menu inklusive Vortrag eines Bond-Experten anbietet, hinüber zum örtlichen Skateboard-Platz, wo auch heute noch alles so ist wie immer.

Nun müssen die Bregenzer bei ihrem Abendspaziergang einen Umweg nehmen, über einen riesigen, nicht ganz so hübschen Parkplatz. An britischen Speditionsautos vorbei und riesigen Kostümcontainern. Alles zum Wohle ihrer Stadt natürlich, in der die Bäcker Brot in 007-Form backen. Auch das Stadtmarketing plant Großes. Pünktlich zum Kinostart werde man spezielle Bond-Touren anbieten, heißt es.

Weltweit würden sich ja Orte darum reißen, als Bond-Kulisse zu dienen. Und Bregenz habe ja den Zuschlag erhalten, ohne sich beworben zu haben oder viel Geld zu zahlen. Einfach nur, weil den Produzenten das verschachtelte Festspielhaus und die opulente Seebühne gut gefallen haben.

Nun ist Bregenz nicht überall so schön wie hier unten am See. Gleich hinter der örtlichen Polizeistation befindet sich am Baumarkt zwischen Kinderrutschen und Müllpresse der Eingang zum "Home of Ltd B22". B22 heißt Bond 22. Es ist also der 22. Bond-Film, der hier gedreht wird. Der Hinweis-Zettel befindet sich an einer Glastür. Im Erdgeschoss des etwas heruntergekommenen Gebäudes trifft sich sonst regelmäßig der Bregenzer Faust-Feuerwaffen-Club.

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