Kurt Kister, stellvertretender Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, 17. Lehrredaktion 1978-1982.

Mit welchen Erwartungen sind Sie Journalist geworden - und was hat sich davon wirklich erfüllt?

Ich wollte, abgesehen von einigen idealistischen Vorstellungen, eigentlich gerne drei Dinge: eine Festanstellung bei der Süddeutschen Zeitung, dort irgendwann mal Streiflichter schreiben und außerdem, in fernster Zukunft, einen Parkplatz auf dem Hof der SZ. Nun ja, den Hof gibt es nicht mehr, die Streiflichter entstehen jetzt in einem Hochhaus an der Westgrenze der Ukraine, aber ich habe immer noch eine Festanstellung. Die ist so fest, dass ich sie seit dem Ende meiner DJS-Zeit nie gelöst habe, was mir immerhin die Möglichkeit beschert, an grauen Samstagnachmittagen darüber zu philosophieren, wann ich wohl welche Chancen versäumt habe. Trotzdem: Als ich damals die Zulassung zur DJS erhielt, war ich stolz und glücklich. Zwar zweifelt man immer wieder mal an sich und seinem Beruf, aber etwas viel Besseres als den Einstieg über die DJS in den elenden, wunderbaren Journalismus gibt es nicht.

Es ist derzeit viel von der Krise des Journalismus die Rede. Was muss sich ändern, damit er in Zukunft erfolgreich ist?

Der Journalismus hat sich immer wieder verändert und dabei überlebt. Ja, es ist ökonomisch schwierig zurzeit, weil die Finanzierung durch Anzeigen stockt. Dies trifft alle Medien, die Zeitungen, die Zeitschriften, die privaten Elektronischen, die Websites und sogar den gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dies aber ist keine Krise des Journalismus, sondern der wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen Journalisten arbeiten müssen. Die guten alten Tugenden, die ja auch auf der DJS gelehrt werden, gelten weiter. In einer wirklichen Krise befindet sich der Journalismus da, wo Journalisten eingesperrt werden, wo der Staat die freie Meinungsäußerung unterbindet, wo die Dummheit vieler Konsumenten nur mehr nach Blablabla und Tralala verlangt, wo es keine Journalistenschulen gibt oder diese von der Partei betrieben werden.

Foto: Niels Jörg

28. Juni 2009, 15:342009-06-28 15:34:00 ©