Für die 150 Millionen Euro, die den Kommunen dafür als Ausgleich aus dem Staatssäckel zustehen, muss der Etat für die Denkmalpflege bluten, und zwar um exakt jene Summe, die für die Instandsetzung vernachlässigter Landschaften bereits vorgesehen war.
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Symbolischer und triumphaler als durch diesen Kuhhandel, bei dem ein öffentliches Gut dem privaten Besitztum und dem partikularen Interesse einer politischen Klientel geopfert wird, konnte Berlusconi die langfristigen Ziele seines Regimes gar nicht zum Ausdruck bringen: Seine Strategie zielt auf die Ökonomisierung und Privatisierung der Politik im Allgemeinen und der Republik Italien im Besonderen
Damit ist auch die große Stunde für Berlusconis rechte Hand in der Partei- und Regierungsführung gekommen: Giulio Tremonti, der zum vierten Mal als Superminister für Wirtschaft und Finanzen fungiert und als Duzfreund des Legistenführers Umberto Bossi dessen Pläne zur Abschaffung ("Devolution") zentralstaalich wahrgenommener Aufgaben gutheißt, verfolgte auch schon in früheren Kabinetten ein Lieblingsprojekt, das den Denkmalschutz aushebeln sollte: Ziel war die Umwandlung der laut Verfassung unveräußerlichen Patrimonialgüter des Staates in eine Aktiengesellschaft, die nach Gusto und Bedarf verkaufen kann.
Vollständig ruiniert und liquidiert
Jetzt ist Tremonti zum Generalangriff auf die Beni culturali und auch auf das zugehörige Ministerium übergegangen. Dessen Inhaber Sandro Bondi macht gerne große Versprechungen, während alles Handeln Tremonti vorbehalten bleibt. Dessen Pläne zielen aber auf die faktische Aushöhlung und Liquidation der staatlichen Denkmalpflege.
Diese Konsequenzen hat zuletzt Italiens prominentester Denkmalschützer Salvatore Settis der Administration vorgerechnet. Der streitbare Gelehrte, hauptberuflich Direktor der staatlichen Eliteschule Ecole Normale Superiore in Pisa und als Kunsthistoriker und Archäologe von internationaler Reputation, wurde unter der vorangegangenen Regierung Prodi zum Präsidenten des Obersten Denkmalrats berufen, einer ähnlich unabhängigen intermediären Instanz wie der Oberste Richterrat des Landes, dessen Wirken Berlusconi ein stetes Dorn im Auge ist.
In einem furiosen Artikel in der Zeitung Il sole 24 ore hat Settis Anfang Juli zahlengenau nachgewiesen, dass die über drei Jahre verteilten Sparmaßnahmen des in wenigen Tagen zur gesetzlichen Verabschiedung anstehenden Finanzdekrets 112 den Denkmalschutz, der bislang ohnehin nur lächerliche 0,28 Prozent des Haushalts ausmacht, um rund 700 Millionen Euro entledigen werde, womit dieser am Ende, im Jahr 2011, tatsächlich am Ende, weil vollständig ruiniert und liquidiert sei.
Da möge, so schloss Settis, die Administration doch endlich einmal laut und deutlich sagen, was sie mit den Denkmälern und den vom Verfall bedrohten Schätzen des Landes eigentlich vorhabe.
Antworten erfolgten prompt: Aus der Regierungskoalition kommentierte niemand die von Settis vorgelegten Zahlen und ihre Konsequenzen, stattdessen forderten die Erzürnten Settis' Kopf.
Wie so häufig im Falle der Richter sollte auch ihm ein Maulkorb verpasst und das Verbot auferlegt werden, qua seines Amtes die Regierung zu kritisieren.
Aber was planen Berlusconi, Bossi und Tremonti wirklich? Alles scheint darauf hinauszulaufen, dass man die Verantwortung für den Zustand und die Art der Nutzung der Kulturdenkmäler den Regionen und Kommunen überlassen will.
Tempel verpachten
Das wäre allerdings nicht nur deren vollendete Devolution, sondern auch ihr endgültiger Ruin. Denn in den Regionen, vor allem dort, wo Berlusconis und Bossis Parteien regieren, ist man auf nichts erpichter als darauf, den Denkmalschutz aufzuweichen, um die Schönheiten der Landschaften und Städte gewinnbringend zu kommerzialisieren und gegebenenfalls zu verhökern.
Wie solche Pläne aussehen, ist gegenwärtig in Sizilien und im Veneto zu sehen. In Sizilien plant die Region, den Tempelbezirk von Agrigento für die nächsten dreißig Jahre an privat zu verpachten. Und in Verona will sich die Stadt den Bau eines Parkhauses für Messebesucher durch die Versteigerung dreier Paläste und eines ehemaligen Konvents erkaufen.
Zur Auktionsware zählen der Palazzo Forti, der bislang die kommunale Galerie für Moderne Kunst beherbergt und der der Stadt von seinem einstigen Besitzer zur ausschließlich kulturellen Nutzung gestiftet wurde, sowie der Palazzo Pompei, ein Hauptwerk des veronesischen Stadtbaumeisters Michele Sanmicheli aus dem 16. Jahrhundert.
Mit den Beni culturali steht in Italien - schlimm genug! - nicht nur die Republik auf dem Spiel, sondern auch die vielgerühmte, um vieles ältere "civiltà": der Charme dieses Landes und seines Bürgersinns als dem Ensemble aller sozialen und kulturellen Verbindlichkeiten sprachlicher, öffentlicher und geselliger Art.
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(SZ vom 05.08.2008/pak)
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es wird Zeit sich von diesem Denkmalschutzwahn zu trennen.
Schaffe eine Behörde und diese sorgt für sich und ihre Ausweitung. Deutschland ist ein Paradebeispiel für Rückwärtsgewandtheit. Das Beispiel der Berliner Wohnsiedlung, nur eines unter unzählig vielen, verdeutlicht, wie weit es bei uns gekommen ist.
Italien hat so viele Denkmäler, dass deren Pflege kaum erfolgreich zu stemmen ist. Vielleicht kein schlechter Gedanke, die Dinger zu privatisieren und damit einerseits Raum und Geld frei zu machen, wenigsten die "wichtigsten" Relikte zu erhalten und andererseits die Hoffnung zu hegen, Investoren können vielleicht effizienter und nachhaltiger ihr Investment schützen.
Davon abgesehen finde ich den überhöhten Ansatz dieses Artikels bedenklich. Ob dieses Ruinen wirklich für alle nur denkbaren föderalen Ansätze herhalten können, wage ich zu bezweifeln. Mindestens genauso oft wurde in ihnen gemeuchelt, versklavt und unterdrückt.
wie man das als ätzend pseudomoralischer linksintoleranter (Gut)mensch gerne hätte.
Das ist das Problem mit der Demokratie, da kommt auch ein Berlusconi an die Macht und noch schlimmer ein Helmut Kohl.
Hätte es in anderen Staatsformen sicher nicht gegeben und da wäre es sicherlich gerechter zugegange - quasi staatlich garantiert.
Mag sein, dass die Denkmalpflege in Italien bisher Sache des Staates war. In der Realität der letzten zwei Jahrzehnte sah das aber anders aus. Es wurden horrende Eintrittspreise für die Denkmäler genommen, die aber nicht mal ansatzweise in die Erhaltung investiert wurden, sondern in anderen staatlichen/privatwirtschaftlichen Kanälen gelandet sind. Wenn sich die Renovierung der Denkmäler dann schließlich nicht mehr aufschieben ließ, mussten dann die EU oder private Spender einspringen.
Was ändert sich also zukünftig?
Die Italiener sind doch alle selbst schuld, ich mein allein schon dafür zu sorgen das berlusconi wieder an die macht kommt ist doch das dümmste was man machen konnte.
Ich habe kein Mitleid mit unseren Nachbarn. nicht das geringste. wer so einen menschen und so eine regierung wieder wählt ist absolut selber schuld und wenn die kulturinteressierten touristen fernbleiben weil es nix mehr zu bestaunen gibt, dann habe ich absolut kein mitleid, aber bedauern werd ich es schon.
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