Claudio Abbado ist tot Abschied von einem Jahrhundert-Musiker

Claudio Abbado ist im Alter von 80 Jahren gestorben

Christian Thielemann zeigt sich "tief traurig", die Berliner Philharmoniker klagen über einen "unendlich schweren Verlust". Claudio Abbado war einer der Größten seines Fachs. Nun ist der italienische Dirigent nach langer Krankheit im Alter von 80 Jahren gestorben.

Claudio Abbado, einer der großen Dirigenten Europas, ist tot. Der Italiener, langjähriger Chef der Berliner Philharmoniker, starb am Montag nach langer Krankheit in Bologna im Alter von 80 Jahren. Er sei am Morgen "unbeschwert" und im Kreis seiner Familie gestorben, ließen die Familienangehörigen über das Sekretariat des Künstlers mitteilen.

Der am 26. Juni 1933 in Mailand geborene Sohn einer Musikerfamilie lernte zunächst Klavier und Orgel und besuchte danach einen Dirigierkurs in Siena. Dort lernte er seine späteren Kollegen Daniel Barenboim und Zubin Mehta kennen. Seinen Durchbruch erlebte Abbado 1958 in Tanglewood (USA), als er den renommierten Kussewitzky-Preis für Dirigenten gewann.

1966 arbeitete Abbado dann zum ersten Mal mit den Berliner Philharmonikern zusammen und eröffnete zwei Jahre später die Opernsaison der Mailänder Scala, deren Musikchef er später wurde. Bereits 1960 hatte er in Mailand debütiert, in den darauffolgenden Jahren gewann Abbado zahlreiche Preise für seine Arbeit und war unter anderem Assistent bei Leonard Bernstein in New York.

Tiefe Spuren in Berlin

Im Oktober 1989 wurde Abbado von den Berliner Philharmonikern als Künstlerischer Leiter des Orchesters zum Nachfolger Herbert von Karajans gewählt, fünf Jahre später auch zum Leiter der Salzburger Osterfestspiele. 2002 beendete er seine Zeit in Berlin und ging wenig später nach Italien zurück.

In Berlin hatte sein künstlerisches Schaffen tiefe Spuren hinterlassen. Von seinem Krebsleiden gezeichnet, kehrte Abbado jedes Jahr für ein Konzert mit den Philharmonikern in die Stadt zurück und wurde dabei vom Publikum stürmisch empfangen.

Ihren langjährigen Chefdirigenten würdigten die Berliner Philharmoniker als außerordentlichen Musiker und Menschen. Der Tod Abbados sei ein "unendlich schwerer Verlust", erklärte das Orchester auf seiner Homepage. "Seine Liebe zur Musik und seine unstillbare Neugier waren uns Inspiration und haben unser musikalisches Schaffen seit seinen ersten Konzerten mit uns im Jahr 1966 geprägt. Wir sind stolz, ihn zu unseren Chefdirigenten zählen zu können und Teil seines musikalischen Erbes zu sein."

Dirigent Christian Thielemann bezeichnete den Tod seines italienischen Kollegen als großen Verlust für die Musikwelt. "Die Nachricht vom Tode Claudio Abbados macht mich tief traurig. Viele Aufführungen unter Abbados Leitung sind mir in unvergesslicher Erinnerung. Ich habe es immer bewundert, wie es ihm gelang, in seinen Interpretationen Emotion und Intellekt miteinander zu verbinden", sagte Thielemann in Dresden.

Der Dirigent Daniel Barenboim würdigte seinen Kollegen und Freund Abbado als einen der großen Musiker des 20. Jahrhunderts. Abbado habe eine enge Beziehung mit dem Geist der Musik gehabt, über die Grenzen der musikalischen Genres hinweg, erklärte der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper.

Abbado setzte sich zeitlebens für moderne Musik ein und arbeitete dabei mit dem Pianisten Maurizio Pollini und dem Komponisten Luigi Nono zusammen. Von 1979 bis 1987 war er Chefdirigent beim London Symphony Orchestra, nach seinem Debüt 1984 in Wien übernahm er 1986 die musikalische Leitung der Wiener Staatsoper.

Nach seinem Rückzug aus Berlin ging Abbado nach Italien zurück und gründete das Mozart Orchestra mit jungen Musikern und beteiligte sich am Aufbau des Lucerne Festival Orchestra. Am 30. August 2013 wurde Abbado eine weitere große Ehre zuteil. Vom italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano wurde der Dirigent zum Senator auf Lebenszeit ernannt.