Stimmungsbericht aus Irland Deutsche Eigenschaften in Irland

Die Irish Times fragte tragischer mit Yeats: "Was it all for this?", und erinnerte an das Schicksal von Helden wie Padraig Pearse, die ihr Leben für die Unabhängigkeit opferten. Doch eines der Probleme, die Irland plagen, ist gerade, dass Helden derzeit nirgends zu sehen sind.

Im Süden von Limerick lebt der niederländisch-französische Historiker Jerôme Aan De Wiel, der sich an der Universität Cork mit irisch-ostdeutschen Beziehungen beschäftigt. "Die Stimmung ist furchtbar", meint er, "die Leute schämen sich, weil sie erkennen, dass ihre Spitzenpolitiker vielleicht zur Führung eines lokalen Getränkemarkts taugen, aber nicht zur Bewältigung internationaler Finanzprobleme, die von größenwahnsinnigen Bankmanagern angerichtet wurden."

Tatsächlich ist Brian Cowen, Spitzname Biffo ("Big Ignorant Fecker From Offaly"), ein typisches Ex-Landei, das den Parlamentssitz seines Vaters, eines Pubbesitzers im 3000-Einwohner-Städtchen Clara, mit 24 Jahren übernahm, als der Papa starb. Cowen kontert zwar gern, "Biffo" stehe für "Beautiful Intelligent Fellow From Offaly". Aber das nützt ihm nicht mehr viel. In einer Umfrage des Politikmagazins Frontline sprachen sich gerade mal 52 Prozent der Zuschauer für eine Regierung aus irischen Politikern aus - 48 Prozent meinten, die Herren vom IWF könnten das besser.

Größenwahnsinnige Bankmanager

Je länger die Krise dauert, desto seriöser werden die Stimmen, die sich von zeitweiliger "Fremdherrschaft" etwas versprechen. Colm Tóibín, einer der besten irischen Schriftsteller, erinnerte sich im Guardian an seine Zeit als Reporter in Argentinien, als er über das Verfahren gegen General Galtieri und seine für Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagten Kollegen berichten musste.

Mitte der achtziger Jahre sei er von einem Freund gebeten worden, zwei Amerikaner am Flughafen abzuholen. Einer war von der Weltbank, der andere vom IWF. Beide hätten sich fürchterlich aufgeregt, als sie auf dem Weg vom Flughafen einem Protestmarsch gegen Arbeitslosigkeit und Lohnkürzungen begegnet seien. Das sei "das Letzte", was Argentinien brauche. Das Land brauche jetzt eine Rosskur, es sei nicht nur bankrott, die ganze Struktur sei marode.

Toibin folgerte: Er wolle heute nichts mehr von"nationaler Souveränität" und "toten Helden" hören, obwohl sein Großvater 1916 mitgekämpft habe. Und wenn zur Wiederherstellung des Staates Anleihen bei Deutschland notwendig seien? Je mehr er sich dort aufhalte, desto mehr "bewundere" er das Land, ja er hoffe, "dass einige der besten deutschen Eigenschaften" den Weg nach Irland fänden.

In Galway brutzeln schon jetzt deutsche Würste im Herzen des Städtchens. Im mit "Bierkeller"-Lettern beschrifteten Zelt servieren bleiche irische Mädchen im Dirndl Maßkrüge. Und dann hört man Sätze wie: "Die Deutschen übernehmen uns." "Glaubst du, dass sie wirklich so dumm sind? Wenn sie's wirklich tun, gibt's wieder Hoffnung. Würde schließlich sonst keiner tun."