Irrtümer von vorgestern
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Mussolini mit seinen Freischaren stilisierte sich als römischen Cäsaren, der auf Rom marschierte wie Sulla oder Octavian, und später als kultivierten Alleinherrscher wie Augustus, der ein neues Friedensreich heraufführe. Halb Europa, darunter Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud, glaubten ihm. Als bald danach Hitler aufstieg, hatte man sich an den italienischen ,,Heros der Kultur'' schon gewöhnt und sah den ,,deutschen Mussolini'' mit großer Gelassenheit: Was in einer alten Kulturnation wie Italien funktioniert hatte, darauf würde man sich auch in Deutschland einlassen könne.
Das sind die Irrtümer von vorgestern. Heute aber wird jeder zweite Diktator mit Hitler parallelisiert, und jeder Kampf gegen ihn wird so zum ganz sicheren Sieg, denn auch das nationalsozialistische Deutschland wurde am Ende ja überwunden. Den islamischen Fundamentalismus aber legt man sich als ,,Islamfaschismus'' zurecht, und schon wird das Phänomen fasslich.
Die entscheidende Differenz, dass die europäischen Faschismen überwiegend religionsfeindlich waren, also mit der kulturellen Überlieferung gebrochen hatten, während der Islamismus sich auf die Autorität einer tausendjährigen religiösen Tradition beruft, wird damit zur Nebensache. Als würde das Problem damit nicht deutlich komplizierter!
Max Webers Wort vom ,,Literatentum'' bekommt bei solcher lebfrischen Form wilden Geschichtsdenkens einen ganz neuen Beigeschmack von Wahrheit. In dieser Methodik, sich eine ganze Weltregion nach eigenen Erfahrungen zu kartographieren, liegt eine Hybris, die als erstes verschwinden muss, wenn der Streit der Ideen beginnen soll.
Niederlagen regen bekanntlich das Denken an, und Lehren lassen sich am besten aus Geschichten ziehen, die anders ausgingen, als man es sich ausgerechnet hatte. Eine Lehre dieser jüngsten Geschichte ist: Je großflächiger eine historische Analogie ist, umso sicherer führt sie in die Irre.
Eine andere Lehre aber lautet: Einfache Erfahrungssätze können immer noch helfen. Zwei Beispiele: Wenn du ein großes Land besetzt, nimm genügend Truppen mit. Wenn du eine Armee auflöst, behalte die Waffen und gib den Männern Beschäftigung.
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(SZ vom 19.2.2007)
Der Chefredakteur des NDR warf Schröder (nach dessen Ablehnung des Irak-Krieges) damals in einem Fernsehkommentar Verfassungsbruch vor - seiner Meinung nach hat der Bund mit den USA den Rang eines Verfassungsgrundsatzes. Und diesen Grundsatz hätte
Schröder mit seinem Nein zum Irak-Krieg mit Füßen getreten.
Ob dieser Herr etwas dazu gelernt hat? Wohl kaum. Wie so viele führende Menschen aus Medien und Politik eher nichts. Denn heute machen sie genau das gleiche im Konflikt mit dem
Iran - die Argumente der Neo-Konservativen-US-Elite werden übernommen und in den Medien
verbreitet.
Bestes Beispiel: Frau Merkel. Mit ihrem Vergleich des Iran mit Nazi-Deutschland
und der Erwähnung der damaligen "Appeasement-Politik" forderte sie indirekt zu einem
Angriff auf den Iran auf. Auch ihre Wortwahl zum Atomprogramm des Iran ist bezeichnend.
Da ist nicht mehr die Rede davon, das der Westen befürchtet, der Iran könnte die Kernenergie
militärisch nutzen. Frau Merkel stellt es als Tatsache hin, das der Iran an der Entwicklung von
Atomwaffen arbeitet.
Auf "Lernprozesse" unserer konservativen Eliten zu warten ist leider vergebens.
Auch in Deutschland gab es offenen Zuspruch für den Irak-Krieg zu einer Zeit, als dieser bereits allgemein als Verbrechen - aufbauend auf Lügen und arglistige Täuschungen - erkennbar war.
Die betreffende Uno-Resolution 1441, aus der die US-Regierung eine Legitimation für den völkerrechtswidrigen Irak-Krieg ableiteten, hatte zum Ziel "to restore peace and security in the area". Wir alle wissen, wie es seitdem um "peace and security in the area" bestellt ist.
Es ist zum Beispiel erstaunlich, wie offen Stefan Baron, Chefredakteur der Wirtschaftswoche, in seinem Leitartikel "Standpunkte: Starke Pferde" vom 30.01.2003 diesen Krieg befürwortet und die Kriegsgegner diffamiert hat. In meinen Augen ist das klare Kriegshetze gewesen. Bis heute habe ich hierfür leider kein Zeichen der Einsicht, des Bedauerns und/oder der Reue des Verfassers erkennen können ... und leider auch keinen Staatsanwalt, der dieses eklatante Fehlverhalten strafrechtlich gewürdigt hat. Auch die WiWo-Herausgeber müssen sich fragen lassen, weshalb sie bis heute keine disziplinarischen Maßnahmen ergriffen haben.
Nicht nur ein Peter Scholl-Latour warnten eindringlich vor diesem kriminellen Krieg gegen ein Volk und ein Land. Alle echten Experten des Balkans, ebenso im Telepolisforum www.heise.de/tp wurde das gesamte Debakel genau vorhergesagt, wie es kommen wird und ebenso wurde der Irak Krieg schon dort publiziert, als niemand in Deutschen Medien überhaupt über einen neuen Irak Krieg schrieb. Bis in das letzte Detail, wurden bei Telepolis schon die CIA Lügen und die Hintergründe des damaligen CIA Direktors Georg Tenet geoutet
In Deutschen Medien wurden die gesamte bekannte ausl. Presse zitiert, welche schon die Kriegs Vorbereitungen sogar in Kuwait Mitte 2002 bechrieben. .
Es gibt keinen Irak, es gab ihn nie, und es wird ihn auch nie geben ...
Jedenfalls nicht als ein irgendwie demokratisches Gebilde....
Der Irak war: erst britisches Protektorat, dann kurz Königreich danach Diktatur und jetzt ist es ein Land im Bürgerkrieg...
Es war auch von Anfang an Blödsinn, Volksgruppen die sich schon vor der Gründung dieses Gebildes bis aufs Blut gehasst haben in einem Staat zusammenzupferchen, der nur durch Unterdrückung - erst durch Kolonialtruppen, dann durch die Armee diverser Diktatoren - zusammengehalten wird. Genauso ist es Blödsinn, Bewohner dieses Gebildes jetzt wieder zwanghaft zusammenpferchen zu wollen....
Vielleicht ein Analogon für unsere östlichen Nachbarn:
Polen war von1795 bis 1919 nicht existent und aufgeteilt zwischen Preussen, Österreich und Russland, den Nationalstolz der Polen konnten auch diese 124 Jahre nicht brechen... Und ich bin sicher, gäbe es Polen als Nationalstaat heute nicht, würden die Polen noch heute unerbittlich darum kämpfen.
Genauso werden die Schiiten, die solange von der Sunnitischen Bevölkerung unterdrückt wurden , nicht aufhören zu kämpfen, bis sie ihr Ziel erreicht haben, genausowenig die Kurden.... und letzlich auch die Sunniten....
Vielleicht ist die polnische Geschichte die Lehre, die man begrenzt auf den Irak anwenden kann....
Die Schlussfolgerung dieses Artikels ist für mich nicht nachzuvollziehen. Als ob es besser gewesen wäre, den Irak mit noch mehr Truppen anzugreifen. Genausowenig wurde jemals eine Armee aufgelöst und es waren sofort Arbeitsplätze für die ehemaligen Soldaten da. Schon gar nicht im Irak.
Paging