War der Irak-Krieg eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt war? Oder ein Bruch des Völkerrechts mit absehbar unsicherem Ausgang? Eins jedenfalls ist sicher: Selten wurde verantwortungsloses Handeln von soviel haltlosem Geschwätz begleitet.
Seit 1914 hat in den liberalen Öffentlichkeiten kein Krieg mehr so viel Zuspruch gefunden wie die amerikanische Invasion im Irak von 2003. Jenseits offizieller Rechtfertigungen und journalistischer Erörterung fand sich in den westlichen Nationen eine große Zahl von Schriftstellern, Essayisten und Gelehrten, die sich das Anliegen dieses Krieges teils emphatisch zu eigen machten, teils ihn als geringeres Übel und bittere Notwendigkeit guthießen.
Falluscha (2004): Trauernde US-Soldaten (© Foto: AP)
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Der Unterschied zu 1914 ist allerdings, dass die Massen auf den Straßen, jedenfalls in Europa, gegen den Krieg waren, wo sie natürlich auch ihre lauten Wortführer hatten, allerdings eher aus dem gewerkschaftlich-politischen Milieu.
Trotzdem müssen die Motive einer machtvollen intellektuellen Kriegssympathie rückblickend analysiert werden, nicht nur, weil sich die Hoffnungen, die an den Irak-Krieg geknüpft wurden, so desaströs zerschlagen haben. Dabei sollte es um mehr gehen als eine Erfolgskontrolle im immer unsicheren Prognosegeschäft, vielmehr ist nach dem argumentativen Kern der westlichen Kriegszuversicht zu fragen. Erst dann kann endlich jener ,,Krieg der Ideen'' zwischen den westlichen Öffentlichkeiten und der islamischen Welt ernsthaft beginnen, den Essayisten wie Paul Berman seit 2001 gefordert haben.
Großflächige historische Analogien
Denn die meisten der Kriegsbefürworter - als Ausnahme ist vor allem Herfried Münkler zu nennen - haben sich mit dem Irak, dem Völkerrecht, den Chancen und Risiken eines Krieges im nahöstlichen Zusammenhang gar nicht befasst. Die überwältigende Masse der Argumente für den Krieg bezog sich auf europäische Erfahrungen der letzten zwei oder drei Generationen. Also schrieb man über Themen auf einer zweiten Ebene wie Pazifismus und Antiamerikanismus, über Appeasement und Antisemitismus, anstatt zur Sache selbst zu sprechen.
Vor allem aber bemühte man großflächige historische Analogien: Der wünschenswerte Sturz Saddams wurde umstandslos mit dem Kampf gegen Hitler parallelisiert, die Demokratisierung des Iraks mit der Demokratisierung Westdeutschlands und Japans nach dem Zweiten Weltkrieg verglichen, und die Chance einer demokratischen Ausstrahlung auf den gesamten Nahen Osten legte man sich zurecht mit dem Ende des Ostblocks und der raschen Etablierung bürgerlicher Demokratien danach. Nur über den heutigen Irak und seine reale innere Lage wusste kaum jemand etwas zu sagen.
Es ist anders gekommen, als solche vorwegnehmende Imagination kommender Erfolge suggerierte. Und hierin liegt eine fast obszöne Anmaßung, die zu scharfer Selbstkritik im Westen Anlass gibt. Da wird ein ganzes Land in unabsehbares Elend gestürzt, und welche Argumente liefern die Begleitmusik?
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Alexander Kluge, der intellektuelle Schattenspieler des deutschen Kinos und der deutschen Literatur, wird achtzig. Jetzt lesen ...
Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
Der Chefredakteur des NDR warf Schröder (nach dessen Ablehnung des Irak-Krieges) damals in einem Fernsehkommentar Verfassungsbruch vor - seiner Meinung nach hat der Bund mit den USA den Rang eines Verfassungsgrundsatzes. Und diesen Grundsatz hätte
Schröder mit seinem Nein zum Irak-Krieg mit Füßen getreten.
Ob dieser Herr etwas dazu gelernt hat? Wohl kaum. Wie so viele führende Menschen aus Medien und Politik eher nichts. Denn heute machen sie genau das gleiche im Konflikt mit dem
Iran - die Argumente der Neo-Konservativen-US-Elite werden übernommen und in den Medien
verbreitet.
Bestes Beispiel: Frau Merkel. Mit ihrem Vergleich des Iran mit Nazi-Deutschland
und der Erwähnung der damaligen "Appeasement-Politik" forderte sie indirekt zu einem
Angriff auf den Iran auf. Auch ihre Wortwahl zum Atomprogramm des Iran ist bezeichnend.
Da ist nicht mehr die Rede davon, das der Westen befürchtet, der Iran könnte die Kernenergie
militärisch nutzen. Frau Merkel stellt es als Tatsache hin, das der Iran an der Entwicklung von
Atomwaffen arbeitet.
Auf "Lernprozesse" unserer konservativen Eliten zu warten ist leider vergebens.
Auch in Deutschland gab es offenen Zuspruch für den Irak-Krieg zu einer Zeit, als dieser bereits allgemein als Verbrechen - aufbauend auf Lügen und arglistige Täuschungen - erkennbar war.
Die betreffende Uno-Resolution 1441, aus der die US-Regierung eine Legitimation für den völkerrechtswidrigen Irak-Krieg ableiteten, hatte zum Ziel "to restore peace and security in the area". Wir alle wissen, wie es seitdem um "peace and security in the area" bestellt ist.
Es ist zum Beispiel erstaunlich, wie offen Stefan Baron, Chefredakteur der Wirtschaftswoche, in seinem Leitartikel "Standpunkte: Starke Pferde" vom 30.01.2003 diesen Krieg befürwortet und die Kriegsgegner diffamiert hat. In meinen Augen ist das klare Kriegshetze gewesen. Bis heute habe ich hierfür leider kein Zeichen der Einsicht, des Bedauerns und/oder der Reue des Verfassers erkennen können ... und leider auch keinen Staatsanwalt, der dieses eklatante Fehlverhalten strafrechtlich gewürdigt hat. Auch die WiWo-Herausgeber müssen sich fragen lassen, weshalb sie bis heute keine disziplinarischen Maßnahmen ergriffen haben.
Nicht nur ein Peter Scholl-Latour warnten eindringlich vor diesem kriminellen Krieg gegen ein Volk und ein Land. Alle echten Experten des Balkans, ebenso im Telepolisforum www.heise.de/tp wurde das gesamte Debakel genau vorhergesagt, wie es kommen wird und ebenso wurde der Irak Krieg schon dort publiziert, als niemand in Deutschen Medien überhaupt über einen neuen Irak Krieg schrieb. Bis in das letzte Detail, wurden bei Telepolis schon die CIA Lügen und die Hintergründe des damaligen CIA Direktors Georg Tenet geoutet
In Deutschen Medien wurden die gesamte bekannte ausl. Presse zitiert, welche schon die Kriegs Vorbereitungen sogar in Kuwait Mitte 2002 bechrieben. .
Es gibt keinen Irak, es gab ihn nie, und es wird ihn auch nie geben ...
Jedenfalls nicht als ein irgendwie demokratisches Gebilde....
Der Irak war: erst britisches Protektorat, dann kurz Königreich danach Diktatur und jetzt ist es ein Land im Bürgerkrieg...
Es war auch von Anfang an Blödsinn, Volksgruppen die sich schon vor der Gründung dieses Gebildes bis aufs Blut gehasst haben in einem Staat zusammenzupferchen, der nur durch Unterdrückung - erst durch Kolonialtruppen, dann durch die Armee diverser Diktatoren - zusammengehalten wird. Genauso ist es Blödsinn, Bewohner dieses Gebildes jetzt wieder zwanghaft zusammenpferchen zu wollen....
Vielleicht ein Analogon für unsere östlichen Nachbarn:
Polen war von1795 bis 1919 nicht existent und aufgeteilt zwischen Preussen, Österreich und Russland, den Nationalstolz der Polen konnten auch diese 124 Jahre nicht brechen... Und ich bin sicher, gäbe es Polen als Nationalstaat heute nicht, würden die Polen noch heute unerbittlich darum kämpfen.
Genauso werden die Schiiten, die solange von der Sunnitischen Bevölkerung unterdrückt wurden , nicht aufhören zu kämpfen, bis sie ihr Ziel erreicht haben, genausowenig die Kurden.... und letzlich auch die Sunniten....
Vielleicht ist die polnische Geschichte die Lehre, die man begrenzt auf den Irak anwenden kann....
Die Schlussfolgerung dieses Artikels ist für mich nicht nachzuvollziehen. Als ob es besser gewesen wäre, den Irak mit noch mehr Truppen anzugreifen. Genausowenig wurde jemals eine Armee aufgelöst und es waren sofort Arbeitsplätze für die ehemaligen Soldaten da. Schon gar nicht im Irak.
Paging