Von Heiko Flottau

Im Irak gibt es derzeit weder Zeitungen noch Fernsehen. Die USA wollen eigene Sendungen anbieten

(SZ vom 3.5.2003) - Der Irak, gut zwei Wochen nach Ende der Kämpfe: ein Land ohne Zeitungen und Zeitschriften, ohne Hörfunk und ohne Fernsehen, fast ohne Telefone und ohne Internet.

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Ein Land, in dem zuvor jede Fernsehsendung und jeder Zeitungsbericht zum Lobe des Herrschers gedeihen musste und in dem jedes Telefongespräch abgehört und fast jede elektronische Post erst einmal vom Geheimdienst gelesen wurde. Der Irak heute, ein Land, das von totaler Zensur ins Medien-Nirwana stürzte. Das Unikum wird, so hoffen 23 Millionen Iraker, nicht lange Bestand haben. Doch wie wird die Medienlandschaft zwischen Euphrat und Tigris, zwischen Dohuk im Norden und Basra im Süden in einem Jahr aussehen?

Die Befreier aus Amerika haben bereits ein bedeutendes Projekt angekündigt: Sie wollen ein amerikanisches Fernsehprogramm anbieten, eine Art Potpourri, eine Melange aus amerikanischen Fernsehsendungen. Schon machte sich die britische BBC lustig: "Werden die Iraker nun mit amerikanischen Seifenopern, Reklamespots und Wildwestfilmen bedient werden?", fragte der Sender spöttisch.

Immerhin, schon vor Kriegsbeginn haben die Amerikaner begonnen, den Irak mit dem Hörfunksender Saut (Stimme) zu beschallen. Die frische Mischung aus leichter Musik und politischen Sendungen kommt gut an bei den Irakern, welche die Saddam-Hussein-Lobhudeleien schon lange leid waren.

Doch der Irak ist, mit Ausnahme der Türkei im Norden, umgeben von autokratisch regierten arabischen Staaten: Syrien kennt ein ebenso strikt kontrolliertes Pressesystem wie vordem der Irak unter Saddam Hussein. Jordaniens Medien müssen ebenfalls dem Herrscher huldigen. Saudi Arabien kennt ebenso wenig wie die kleinen Golfstaaten das Konzept der Pressefreiheit.

Und die Presse Ägyptens, der selbst erklärten arabischen Führungsmacht, erstirbt in der Spätzeit des Mubarak-Regimes oft in Lethargie. Nur der Libanon, politisch ein Annex Syriens, erfreut sich relativer Pressefreiheit. Im Libanon gibt es keine regierende Staatspartei und kein Herrscherhaus, das vor den Unbilden kritischer Artikel zu schützen ist.

Rücksichtnahme ist dennoch dort geboten, wo es um die syrischen Oberherren im nahen Damaskus geht. Hier sind die journalistischen Grenzen eng gesteckt. Immerhin gibt es Lichtblicke. Im Krieg gegen Saddam Hussein und sein Regime hatten auch die Araber ihre Stimmen.

Der Fernsehsender al-Dschasira berichtete aus arabischer Perspektive und schaffte ein Gegengewicht zur westlichen Berichterstattung. Professionell informierten auch der Fernsehsender Abu Dhabi und der neue, kurz vor dem Krieg auf Sendung gegangene TV-Kanal al-Arabiya. Ob aber in Arabien Pressefreiheit zum festen Bestandteil der politischen Kultur wird, ist noch nicht abzusehen.

Vielleicht wird der Irak neue Maßstäbe setzen. Mit US-Soaps wird man allerdings nicht weit kommen.

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