Interview: Christopher Keil

Mit dem Moderator Peter Kloeppel hat sich "RTL aktuell" zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten für die "Tagesschau" entwickelt. Wie geht das?

Mit dem für Nachrichten zuständigen Chefredakteur Peter Kloeppel, 48, als Moderator hat sich RTL aktuell um 18.45 Uhr zu einem Konkurrenten für Tagesschau (nur ARD/ 20 Uhr) und heute (ZDF/19 Uhr) entwickelt. 2007 hat RTL aktuell bisher (zur frühsten Sendezeit) von Montag bis Freitag den höchsten Marktanteil (19 Prozent), die Tagesschau die meisten Zuschauer (durchschnittlich 5,05 Millionen).

Anzeige

SZ: Herr Kloeppel, was bringt RTL aktuell der Aufbau eines News- und Magazincenters sowie die Gründung einer Nachrichtenagentur? Peter Kloeppel: RTL aktuell profitiert davon, indem wir mehr Geld in Inhalte stecken können, weil wir mit der Agentur auch mehr Erlöse erzielen durch die Weitergabe unserer Inhalte.

SZ: Sie erklären das Informationsangebot von RTL zur "festen Größe" im deutschen Fernsehen. Ihr Klimathemenabend endete neulich damit, dass die von Ihnen aufgestellte These - der Mensch sei gar nicht so sehr verantwortlich am Klimawandel - am Ende nicht mehr haltbar war. Die Öffentlich-Rechtlichen glauben, sie können in der digitalen Zukunft nur als Leuchttürme überleben, die Themen wie den Klimawandel richtig abstrahlen.

Kloeppel: Gerade bei dieser Dokumentation über den "Klimawandel" , die eine provokante These aufstellt, war es notwendig, den Film mit einer Talkrunde einzuordnen. Das haben wir auch gemacht. Wenn dann in der Talkrunde die These in Frage gestellt wird, nehmen wir das in Kauf.

SZ: RTL aktuell hat mit Abstand das jüngste Nachrichtenpublikum. Ist Klimawandel ein "junges" Thema?

Kloeppel: Nein, das Thema interessiert alle Zuschauer, deshalb haben wir es in den vergangenen zwölf Monaten verstärkt behandelt.

SZ: Sie haben auch den höchsten Frauenanteil. Erklärt das den Hang zu weichen Themen?

Kloeppel: Wir haben auch einen hohen Zuspruch älterer Zuschauer. Nur jung funktioniert nicht.

SZ: Wie kann sich RTL aktuell besser platzieren?

Kloeppel: In dem wir in die Lebenswirklichkeit unserer Zuschauer gehen. Einer unserer Reporter lebt gerade vom Geld eines Hartz-IV-Empfängers in Berlin und berichtet täglich über die Betroffenen. Politik ist mehr als die Debatte im Bundestag.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Eigentümer der Lebensläufe

Alexander Kluge, der intellektuelle Schattenspieler des deutschen Kinos und der deutschen Literatur, wird achtzig. Jetzt lesen ...

(SZ vom 20.6.2007)