Interview mit Michael Moore "Mischt euch ein!"

SZ: Und was antworten Sie?

Moore: Ich antworte gar nicht. Keine Chance - es sind einfach zu viele. Eine Art von Antwort habe ich jetzt aber, wie gesagt, in meinem Film gegeben: Macht selber Filme! Kandidiert für politische Posten! Mischt euch ein! Fragt nicht, was Mike für euch tun kann - fragt, was ihr selbst für euch tun könnt ...

SZ: Andernfalls?

Moore: Andernfalls werde ich keine Michael-Moore-Filme mehr machen. Das ist ein Versprechen. Und eine Drohung! Ich arbeite nämlich gerade an einem Spielfilmdrehbuch, über das ich zwar leider noch nichts sagen kann, aber eines habe ich mir geschworen: Wenn meine Landsleute weiterhin so träge bleiben, halte ich auch nicht mehr meinen Kopf hin. Dann drehe ich diesen Spielfilm.

SZ: Das klingt, als müssten Sie doch einen gewissen Preis dafür bezahlen, Michael Moore zu sein. Aktuell sind Sie mit zwei Leibwächtern unterwegs ...

Moore: Sie haben nur zwei gesehen? Tatsächlich sind es vier. Manchmal fasse ich es selber nicht. Ich bin doch nur ein Filmemacher! Ich lebe in einem freien Land, ich habe das Recht zur freien Meinungsäußerung - warum kann ich nicht ohne vier Leibwächter über die Straße gehen? Das sagt wenig über mich aus, aber es sagt sehr viel über den Zustand der USA im Moment, finden Sie nicht?

SZ: Haben Sie schon mal an Ausreise gedacht?

Moore: Um Gottes Willen, nein! Ich bleibe und halte durch. Wenn alle Amerikaner für den Irakkrieg sind, bin ich trotzdem dagegen. Egal, wie einsam das wird. Weil ich weiß, dass ich meine Meinung am Ende nicht ändern muss - das Land muss seine Meinung ändern. Und das tut es ja dann auch, irgendwann.

SZ: Sie sind inzwischen wohlhabend genug, um Ihre Filme selbst zu finanzieren. Tun Sie das auch?

Moore: Nein, aber ich könnte es tun. In der Arbeiterklasse, aus der ich komme, gibt es diesen Ausdruck dafür: Fuck-you-Money. Das ist das Geld auf der Bank, das einem die Freiheit gibt, jederzeit auch mal nein zu sagen. Falls zum Beispiel das Studio, mit dem ich gerade arbeite, auf die Idee käme, in meine Filme reinzureden oder gar Zensur auszuüben, nach dem Motto: Wir stoppen deine Produktion ... dann würde ich nur sagen: Huhu, wie schrecklich! Weil ich nämlich das, was ich machen will, dann einfach auf eigene Kosten machen würde. Und das wissen sie auch.

SZ: Ihr finanzieller Erfolg wird natürlich auch gegen Sie verwendet. Da heißt es dann, Michael Moore ist längst selbst Kapitalist, er lebt in einem Penthouse auf der Fifth Avenue...

Moore: Vorsicht! Gerade Ihnen als Journalist müsste klar sein, dass solche Meldungen über mich natürlich nicht zufällig verbreitet werden. Ich kann beweisen, dass es da draußen gut organisierte Kampagnen gibt, um mich unglaubwürdig zu machen und zu diskreditieren. Der Vizepräsident einer großen Versicherungsfirma hat neulich enthüllt, dass die Krankenversichungs-Industrie sich zu einer Medienkampagne gegen mich zusammengeschlossen hat - gegen meinen letzten Film "Sicko".

Sie haben sogar allen Kongress-Abgeordneten gedroht: Wer sich mit mir sehen lässt, kommt auf die schwarze Liste, bei der nächsten Wahl wird der Gegenkandidat mit viel Geld unterstützt! So hart geht es bei uns zu. Und wenn diese Leute schon gegen einen Film solche Geschütze auffahren, können Sie sich vorstellen, wie es sonst aussieht...