SZ: Worauf muss man vertrauen, wenn man malt?
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David Lynchs Gemälde "This Man Was Shot 0.9502 Seconds Ago". (© Abbildung: David Lynch)
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Lynch: Auf die ursprüngliche Idee, auf die Intuition, auf einen selbst. Man muss der eigenen Stimme so nah wie möglich kommen. Sogar wenn man das Vertrauen verliert, arbeitet man weiter, bis man das Gefühl hat, es fühlt sich richtig an. Auf dem Weg kann es zu Rückschlägen und Zerstörungen kommen. Aber es kann sich um glückliche Unfälle handeln. Man muss nur darauf achten, dass man in Bewegung bleibt und darauf, dass man nicht das gleiche Bild ein zweites Mal malt. Man muss immer in das Unbekannte gehen.
SZ: Muss die Schönheit manchmal von Hässlichkeit beschützt werden?
Lynch: Kontrast gehört zum Feld der Relativität. Nach und nach gibt es nichts mehr, was hässlich ist. Alles ist ziemlich schön. Alles! Natürlich hat man besondere Vorlieben.
SZ: Ich habe da eine frische Narbe auf der Hand...
Lynch: Das ist ein ideales Beispiel! So etwas wird herkömmlich für hässlich gehalten. Für mich macht diese Narbe Ihre Hand viel interessanter. Sie ist sehr schön. Sie hat Textur. Ihr Umriss, ihr Formenspiel, ihre Farben! Wenn man sie fotografieren und isolieren würde. Sie ist ein organisches Phänomen. Sie besitzt Schönheit.
SZ: Nehmen Sie die Zeit beim Malen anders wahr?
Lynch: Ja. Wenn Sie gefoltert werden, vergeht die Zeit, denke ich, ziemlich langsam. Wenn Sie etwas wirklich genießen, scheint die Zeit beinahe zu verschwinden. Plötzlich ist Abend, oder noch später. Es ist seltsam, dass es keine festgesetzte Zeit gibt, das sich ihr Charakter immer verändert. Meistens sind die Tage viel zu kurz.
SZ: Benötigen Sie Sonnenlicht um zu malen?
Lynch: Ja, Ich brauche es! Ich habe mich daran gewöhnt, im Freien zu malen. Da ich in Südkalifornien lebe, kann ich dies fast das ganze Jahr hindurch tun. Jetzt Ende Herbst, Anfang Winter - man mag mich dafür auslachen - ist es mir dennoch zu kalt. Es gibt schöne Tage, aber das Licht ist zu deprimierend, die Sonne steht niedrig am Himmel. Aber wenn der Frühling kommt und die Sonne steigt, bedeutet dies eine solche Euphorie. Ich brauche die Hitze der Sonne für viele Dinge, die ich tue.
SZ: Fühlen Sie sich wie ein alter Künstler?
Lynch: Alles ist relativ. Jeder weiß: Im Zwiegespräch mit uns selbst sprechen wir mit einem alterslosen Selbst. Es ist das gleiche Selbst wie in unserer Kindheit. Es überrascht manchmal, in den Spiegel zu sehen und festzustellen, dass man nicht mehr in einem jener Lebensalter ist, die irgendwann einmal geschehen sind. Aber das macht nichts. Die Ideen fließen noch, der Enthusiasmus ist da, das Glück ist da, man macht weiter.
SZ: Gefällt ihnen das Fegfeuer als Zeitmodell?
Lynch: Die meisten Menschen wissen nicht, wo sie waren, bevor sie hierher gekommen sind. Sie wissen nur, dass sie auf einer endlichen irdischen Reise sind - in ihrem Körper. Wir wissen nicht, wohin wir danach gehen werden. Zu hundert Prozent: Wir wissen es nicht! Einige Leute behaupten es dennoch. Ich bin ganz für den Himmel auf Erden.
Wir haben über Meditation gesprochen. Das ganze Enchilada liegt in uns. Das himmlische Königreich ist in uns. Ich glaube an den Satz: Die Menschheit war nicht geschaffen, um zu leiden. "Bliss", Glückseligkeit ist unsere Natur. Wenn Sie sich umschauen, scheint dies nicht ganz zu stimmen. Aber in letzter Hinsicht ist es so.
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(SZ vom 28.11.2009/berr)
Der Artikel und das Interview haben großes Vergnügen bereitet .
Worüber wir aber alle rätseln ist der Sinn des " Enchiladas " in der
Überschrift .Selbst gestandene Spanier waren Hilflos . Was bedeutet das ?
Ansonsten sind wir so überzeugt von dieser Besprechung , daß wir von Berlin
nach Brühl fahren werden .
Mit besten Grüßen Beate Maria Günther