Hans Weingartner hat die Menschen schon mit "Das weiße Rauschen" irritiert. Jetzt kommt sein neuer Film ins Kino: "Die fetten Jahre sind vorbei" heißt er, und der Regisseur hat Einiges zum Trauma von Utopie und Anarchie und der Liebe zu dritt zu erzählen.
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Szenenbild aus "Die fetten Jahre sind vorbei" (© )
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Seine Filme ragen wie Findlinge auf in der deutschen Kinolandschaft: 2001 "Das weiße Rauschen", der mit seiner Wucht Kritiker und Zuschauer verblüffte, und nun "Die fetten Jahre sind vorbei", Cannes-Wettbewerbsbeitrag, ab Donnerstag im Kino.
SZ: Eine verrückte Liebe, eine Liebe zu dritt, zwischen drei Außenseitern, drei Anarchisten in Berlin, war das der Ursprung des neuen Films?
Hans Weingartner: Eigentlich wollte ich eine einfache Liebesgeschichte machen ... aber dann habe ich gemerkt, dass mir da etwas fehlt. Dass mich das nicht genügend motiviert. Ich hatte in der Zeitung eine Geschichte gelesen von einem französischen Arzt, der zwanzig Jahre lang in die Villen seiner Freunde eingebrochen ist, die gestohlenen Sachen aber nur in seinem Keller gelagert, nie etwas verkauft hat. Das hatte so etwas Poetisches, diese private Revolte - und diese Idee hat sich dann verbunden mit der Liebesgeschichte. Ich wollte jahrelang etwas Politisches machen, über dieses - das klingt jetzt vielleicht etwas naiv - Grundproblem meiner Generation, dass wir in einem System fundiert sind, bei dem wir nicht wissen, an welchem Punkt wir es angreifen sollen ... Ich hatte auch in meiner eigenen Geschichte immer wieder dieses Gefühl gehabt, ich müsste rebellieren, es müsste sich alles ändern, und ich wusste nicht wie. Das war ein persönliches Drama. Ich lebte in Wien, und da war überhaupt nichts los ... Dann haben Freunde angerufen aus Berlin: Komm, wir leben da in einem besetzten Haus, da ist noch viel Platz ... Ich bin also hingefahren, dort eingezogen - und ich habe diese unglaubliche Freiheit erlebt. Dieses Gefühl, außerhalb der Gesellschaft zu leben. Sich nicht am Produktionsprozess beteiligen zu müssen. Weil man keine Miete zahlt, kein Geld braucht, weil man den Strom anzapft. Es war eine unglaublich schöne Zeit. Das wurde dann brutal zerstört, 1996, vom Staat geräumt, 500 Polizisten, vom Senator Schönbohm. Da musste ein Zeichen gesetzt werden ...
SZ: Gab es da schon eine Beziehung zwischen persönlicher Anarchie und politischem Bewusstsein?
Weingartner: Ich war traumatisiert durch diese Räumung, das mag jetzt vielleicht lächerlich klingen ... Da entstand vor allem dieser Gruppengedanke, der auch im Film auftaucht. Man kann nicht allein etwas unternehmen, du musst Verbündete suchen. Deshalb auch die Unternehmung am Ende, die drei fahren los, auf die spanische Insel, um einen Sendemast umzulegen. Ich wollte, dass die Zuschauer aus dem Kino gehen und sagen: Es macht Sinn, sich zu engagieren, es kann auch durchaus Spaß machen, es kann mich persönlich weiterbringen ...
SZ: Das Trauma wirkt heute noch?
Weingartner: Damals ist auch dieses bürgerliche Vertrauen in die Gerechtigkeit des Staates zerbrochen. Das war illegal, diese Räumung. Wir waren über ein Jahr drinnen und hatten ein sogenanntes Besitzrecht. Diese Massivität des Einsatzes, heute lache ich darüber ... die haben sich von Hubschraubern abgeseilt, sind mit Maschinenpistolen durchs Haus gelaufen. Wir waren nicht gewalttätig. Wir waren nicht mal politisch, es gab keinen Überbau bei uns ... Kennt ihr diesen Richard-Linklater-Film, "Slacker", da ist dieser alte Anarchist, der sagt zu den Jungen: "Every action is a positive action, even if it has a negative result."
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Brasiliens Präsidentin Roussef
Nach Jahren habe ich mir den Film endlich mal als DVD in der Videothek geholt und angeschaut. Ich war leider nicht sehr begeistert und jetzt froh, daß ich damals nicht ins Kino gegangen bin.