Auch wenn Charlotte Roche das Gegenteil behauptet: Es ist immer noch gut, sich zu waschen, auch unten rum. Zudem werden beim Duschen fundamentale Unterschiede zwischen Männern und Frauen deutlich, wie ein hochkomischer Clip zeigt.
Nie war uns unsere Individualität so wertvoll wie heute, und nie gab es so viele Schubladen, in die wir die anderen Individualitäten sortieren können: vom nostalgischen Bobo über den Computerfreak und die beinahe schon klassische Ökotussi bis zu jugendlichen Chavettes in Jogginganzügen oder schwarz toupierten Emos beim Tokio-Hotel-Konzert. So problematisch solche Pauschalierungen von Looks und Verhaltensweisen sind, so reizvoll bleiben sie, allein schon, um im Gewimmel des Dschungels den Überblick zu behalten. Die Königsdisziplin, die ebenso Stoff für Blondinenwitze wie für Debatten um einen "Neuen Feminismus" liefert, besteht im Benennen der Unterschiede zwischen Männern und Frauen.
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Dafür ist eine gewisse Freizügigkeit, ein Mut zur nackten Wahrheit notwendig, der im persönlichen Gespräch nicht jedem und auch nicht immer möglich ist. Deshalb ist es um so befreiender, wenn solche Wahrheiten in der Kunst formuliert werden, wie etwa im Clip "How to Shower: Women vs. Men". Das Filmemacher-Duo JayVideo (das bereits durch einen Clip aufgefallen ist, in dem so virtuos wie charmant das Bockspringen neu erfunden wird) entdeckt den Duschvorgang mit seinen verschiedenen Handlungen am eigenen Körper als wesentlich präziseren Seismographen für geschlechtsspezifische Unterschiede als zum Beispiel das Autofahren.
Werke wie "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" scheitern ja meist an ihren dümmlichen Vereinfachungen. Dabei ist die Idee, im Klischee die Abstraktion der Wahrheit zu erkennen, durchaus ergiebig. Nur muss man die Klischees weniger im allgemeinen Verhalten als vielmehr in den Details aufspüren, dort, wo sie als äußerer Ausdruck einer geschlechtstypischen Erziehung oder Befindlichkeit konkret werden: Denn selbstverständlich gibt es auch Männer, die sich gerne Schuhe kaufen, aber sie tun dies auf fundamental andere Weise, die hier zu erläutern zu weit von der Nasszelle wegführen würde.
Flusspferd auf Suhl-Entzug
Duschen zeigt die Wahrheit eines unbeobachteten nackten Körpers: Unter dem herrlich entspannenden kräftigen Massagestrahl einer heißen Dusche hat der Mensch authentische Momente, in denen er auch sich selbst nichts mehr vorspielt. Nach einem harten Trainingslauf durch die Kälte oder einem anstrengenden Bürotag endlich in den "kleinen Raum mit Regen" abgetaucht, will man keinen Konventionen mehr folgen, man muss sich nicht "gut benehmen", sondern kann sich endlich gehenlassen.
Die Machart des Clips "How to Shower: Women vs. Men", der als Anleitung zum richtigen weiblichen und männlichen Duschen aufgezogen ist, betont die geschlechtsspezifischen Merkmale und verstärkt die Gegensätze. So folgt die Frau einem strengen Ritual, zieht sich ordentlich aus, inspiziert den eigenen Körper vor dem Spiegel und macht unter der Dusche Gebrauch von allerlei Kosmetika. Für Unruhe sorgt allein der Mann, der auf ihrem Weg ins Bad seinem Belästigungsreflex folgt. Auch ihre anschließende gründliche Duschkabinen-Reinigung ist nicht sehr nachhaltig, denn schon naht der Mann, der das Badezimmer nicht so schüchtern wie ein Singvögelchen im Morgentau, sondern wie ein Flusspferd auf Suhl-Entzug benutzt.
Mit dem Abstreifen der gesamten Kleidung in einer einzigen Bewegung kündigt die Musik diese forschere Tonart an: Da wird unter der Brause die Nase entschleimt, dann werden vor allem die Genitalien gewaschen, die gar nicht sauber genug sein können. Es folgen das lange beglückende Urinieren, bei dem mit schwingenden Unterkörperbewegungen der Ausguss angepeilt wird, und nach dem bademattenvermeidenden Dusch-Ausstieg die symbolische Abtrocknung von Armen und Hintern sowie Höhlenzeichnungen auf dem beschlagenen Spiegel.
Die Wiener-Ehrlichkeit
Zum Abschluss stolziert der gewaschene Körper durch die Wohnung und will gehuldigt werden: Die Frau kennt den geschüttelten Wiener und das "Woo-Woo"-Geräusch zwar schon zu Genüge, guckt dem Mann zuliebe aber mit gelangweiltem Restinteresse hin, bis der Handtuchvorhang fällt und die Show beendet ist.
So sehr man sich selbst darin wiedererkennt ("Admire the size of your Wiener"), so sehr sind die Szenen auch für das jeweils andere Geschlecht aufschlussreich, weil sie ein Verhalten zeigen, das man bislang nur in Grundzügen vermuten konnte, sofern man seine Freizeit nicht mit heimlichen Beobachtungen verbringt. Der Clip liefert keine Erkenntnisse für die Genderforschung. Aber er benennt an einem alltäglichen Ausschnitt präzise die Unterschiede der Geschlechter. Es ist diese wunderbare Ehrlichkeit, die einen zugleich den Kopf schütteln und nicken lässt, die "How to Shower: Women vs. Men" zu einem der feinsten komödiantischen Videos im Internet macht.
Die Kolumne "Das Leben der Anderen" erscheint jeden Donnerstag auf sueddeutsche.de. Bookmark: www.sueddeutsche.de/lebenderanderen
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(suedduetsche.de/rus)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Ich glaube im "Kleinen Handbuch der Küchenkalenderpsychologie" steht wohl das "UnterderDusche-PinklerInnen" potentielle FamilienimVerlies-HalterInnen sind *g*
Weil ich hier den Namen eines ein Tieres erwähne woraus die Deutschen (und die Wiener) gerne Schnitzel machen, werde ich gelöscht.
Man kann´s auch übertreiben.
Man, es muss jahrzehnte her sein, dass ich unter der Dusche pinkeln war, sollte ich mal wieder tun..
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