Wenn Männer ihren Brustpelz mit Warmwachs entfernen, suchen sie ganz besondere Schmerzen. Oder sie spielen eine der komischsten Filmszenen nach - die Clip-Kritik.
Zu seinem Brusthaar pflegt der Mann ein distanziertes Verhältnis. Denn erstens ist es im Vergleich zu sprießender Kopfbehaarung abseits des eigenen Blicks angebracht, so dass keinerlei Strähnen ins Gesichtfeld baumeln. Und zweitens ist man auf der Brust am wenigsten vor den Überraschungen gefeit, die die Hormone, diese lustigen Körperveränderer, auf Lager haben. Anders nämlich als das Haupthaar, das sich in frühen Jugendjahren etabliert und dann nur noch durch allmähliche Ergrauung und Verabschiedung von sich reden macht, kann die Brustbehaarung bis ins reife Mannesalter mit prachtvollen Blüteerfolgen die Vorjahresergebnisse übertreffen.
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Mitunter regt sich der buschige Brusthaarwuchs erst spät, und der Zusammenhang zwischen abnehmender Kopf- und zunehmender Oberkörperbehaarung ist offensichtlich, als sagten sich die Follikel: "Ooch nö, ist mir zu exponiert hier oben, Regen, Wind, Sonne, dieser ganze Drei-Wetter-Taft-Stress, ich wachse mal lieber da unten, geschützt von den Baumwoll- und Polyesterplanen, weiter!" Die Verwilderung beginnt mit einem Schatten über dem Solarplexus und legt sich dann bis in die Sechziger wie eine Fledermaus auf den Oberkörper, die ihren Schwanz einem Krawattenende ähnlich in den Hosenbund schiebt.
Wie es euch gefellt
Von dieser Laune der Natur ist nicht jeder begeistert, weshalb das Brusthaar als Schönheitsideal in den meisten Kulturen zur Disposition steht: Ob wollene Dichte oder eine enthaarte Brust vorzuziehen seien, das wird noch verhandelt. Und wenn man sich gegen sein Brusthaar entschieden hat, ist es ja nicht so leicht aus der Welt zu schaffen: Am radikalsten und dauerhaftesten entfernt man es mit einer soliden Warmwachsbehandlung, wie sie der Clip "40 Year Old Virgin Watch the Wax and Win* Contest" zeigt.
Die Männer stellen eine Szene aus der Filmkomödie "Jungfrau (40), männlich, sucht..." nach, in der sich der Schauspieler Steve Carrell die Brust ohne Body Double enthaaren lässt. Er wollte das mal ausprobieren und erwartete wohl einen Schmerz wie bei der ruckartigen Pflaster-Entfernung, wurde aber von der gesteigerten Intensität überrascht. Zunächst fühlt sich der warme Wachs auf der Haut angenehm an, doch wenn der Paperstreifen weggerissen wird, zögert der Schmerz einige Millisekunden und schießt dann ins Gehirn. Gut, dass man Carrell eine Palette an Flüchen auf eine Pappe geschrieben hatte, die er zur Schmerzabfuhr der Kosmetikerin ins Gesicht brüllte.
In den zahlreichen Videos bei YouTube, in denen Carrells bekannteste Szene nachgespielt wird, hat es sich getreu dem Original eingebürgert, Freunde mitzunehmen, die einem beistehen, so wie Kommilitoninnen im Studium nach mündlichen Prüfungen einander abholen. Die Warmwachsbehandlung ist ja auch eine Prüfung, in der Männer ihre enorme Leidensfähigkeit unter Beweis stellen: Man hätte zwar gegen einen Sean-Connery-Werwolf-Pelz nichts einzuwenden, empfindet es aber gleichzeitig als Zeichen von Virilität, sich die Haare tapfer ausreißen zu lassen. Wo so viel auf dem Spiel steht, kann man den Trost von Freunden gebrauchen. Und die leiden empathisch mit, wissen um die Empfindlichkeit der männlichen Brustwarzen: "Not the nipple, not the nipple", flehen Carrells Kollegen in der in den Clip montierten Filmszene.
Alle Männer auf der Liege müssen schreien und zugleich darüber lachen, dass sie sich das freiwillig antun, darüber, dass diese Art von Schmerz kosmetischer Alltag ist. Sie krümmen sich und legen sich dann wieder zurück, um weiterzumachen. Das eingeblendete Aufnahmefenster der Kamera steht für die Dringlichkeit, dieses Einmal-im-Leben-Erlebnis zu dokumentieren. Langeweile mag auch ein Grund dafür sein, dass Menschen Aufnahmen ihrer Brustenthaarung ins Internet stellen: Ohne Überfluss an Freizeit und technischem Spielzeug gäbe es YouTube nicht.
Die Ergebnisse der Wachsprozedur, Papierstreifen voller Haare, erinnern an Anti-Tattoos, vorzeigbare Schmerzensmarken. Ein User, der beide Praktiken kennt, schreibt: "Wachsen tut so verdammt weh. Man braucht Eier dafür. Ich habe eine Tätowierung auf meiner Brust, aber verflucht, ich würde mich nicht noch mal wachsen lassen."
Steve Carrells avantgardistische Rumpffrisur in "Jungfrau (40), männlich, sucht..." bündelt die gespaltene männliche Brusthaar-Erfahrung: An manchen Stellen kahl, an anderen urwüchsig sprießend, hat er sich in eine "Man-O-Lantern" verwandelt, einen Halloween-Kürbis. Er wollte die Sache mal ausprobieren, hat sie dann aber nicht durchgezogen. Wie soll man sich auch entscheiden: In An- wie Abwesenheit ist Brusthaar ein Sexsymbol. Deshalb bleibt der männliche Oberkörper ein Ort für Experimente.
Die Kolumne "Das Leben der Anderen" erscheint jeden Donnerstag auf sueddeutsche.de. Bookmark: www.sueddeutsche.de/lebenderanderen
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(sueddeutsche.de/rus)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
mit dem Rasierer drüber und auf 2-3 mm stutzen, dann ist die Sache wieder erledigt. Mit Wachs enthaaren käme bei mit nicht in Frage, bin ich wahnsinnig?
... käme mir nicht ins Bett. ;-P