Von Bernd Graff

Google war shoppen und hat sich YouTube einverleibt. Doch mit dem Kauf der größten Videoplattform des Internets stehen auch Probleme ins Haus: Urheberrechte und illegale Videospiele. Zum Glück hat sich YouTube schon vorher gegen Piraterie gewappnet.

Man reibt sich verwundert die Augen. Das Internet ist immer noch für Überraschungen gut, besonders, wenn unfassbar viel Geld den Besitzer wechselt für etwas, das kaum mehr ist als eine einfache Idee. Denn es gibt sie wieder: die namhaften riskanten Investitionen in vielversprechende Geschäftsmodelle - selbst wenn auf diese Weise Wechsel auf eine problembeladene Zukunft ausgestellt werden, von denen kaum absehbar ist, ob und wie sie eingelöst werden können.

Ganz schön was los, im Internet. Piraten sollen aber draußen bleiben - dafür sorgt ein neuer Analyse-Mechanismus. (© Foto: dpa)

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Google, ein Web-Unternehmen, das viel Geld mit seiner Suchmaschine macht und weiterhin machen möchte, kauft also das Internet-Portal YouTube. Google ersteht damit zum deftigen Preis von 1,65 Milliarden US-Dollar (1,31 Milliarden Euro) die bedeutendste Video-Plattform im Internet.

Es ist dies die teuerste Akquisition in der achtjährigen Firmengeschichte, investiert in ein immer noch defizitäres Start-Up-Unternehmen, das seit Februar 2005 jedem Internetnutzer anbietet, Bewegtbilder auf seiner Plattform zu hinterlegen und anzuschauen. Für die Nutzer ist das kostenlos.

Probleme mit den Piraten

Die Zahlen von YouTube sind beeindruckend: Dem Unternehmen zufolge werden dort pro Tag rund 100 Millionen Mal Videos angesehen und 65 000 neue Clips angeboten. Die Kosten für das Einstellen dieser Videos werden auf eine Million Dollar pro Monat geschätzt. Doch es sind nicht diese, mit wachsender Popularität des Video-Dienstes sogar noch steigenden Betriebskosten, die YouTubes größte Sorge sind.

Das wahre Problem sind Inhalte, die Urheberrechte verletzen. Im Branchen-Jargon: der Piraten-Content. Denn die schiere Masse der täglich neu eingestellten Videos macht eine Überprüfung der Inhalte nahezu unmöglich. Also kämpft YouTube nicht nur gegen Pornos und Propaganda (wie jüngst gegen anti-amerikanische Irak-Videos), sondern vor allem gegen das Anbieten jener Art von Filmchen, die von ihren wahren Urhebern nicht dazu freigegeben wurde und folglich illegal im Netz steht.

YouTube weiß natürlich um dieses Problem und werkelt seit einiger Zeit schon an einem automatischen Analyse-Mechanismus, der neue Inhalte, Bilder wie auch Töne, vor ihrer Veröffentlichung überprüfen soll. Dieses nicht näher spezifizierte Werkzeug soll von Jahresende an eingesetzt werden, dient aber jetzt schon als Grundlage für eine Reihe von Verträgen, die YouTube mit professionellen Kooperationspartnern schließen konnte.

Musik-Industrie spielt mit

So hat die Firma gerade den amerikanischen Fernsehsender CBS dafür gewonnen, der Online-Plattform Nachrichten, Mitschnitte von Sportereignissen und Unterhaltungssendungen zu überlassen. Werbeumsätze will man sich teilen.

Darüber hinaus soll der US-Sender YouTubes neues Identifizierungs-System nutzen dürfen, um CBS-Inhalte, die illegal von Nutzern eingestellt werden, ausfindig zu machen. Der Sender soll dann entscheiden, ob diese entfernt werden - oder aber, ob daraus resultierende Werbeumsätze mit YouTube geteilt werden. YouTube spricht in diesem Zusammenhang von einer "Identifikations-und-Report-Architektur", die auch Vertreter der Musik-Industrie, zum Beispiel Sony BMG, Warner und Universal, überzeugen konnte.

Gerade bei ihnen tritt das Urheberrechtsproblem in einer verschärften Form auf: Nutzer stellen nicht nur leichtfertig mitgeschnittene Original-Clips der Branche ein, sondern in überbordendem Maße auch ihr eigenes Playback-Karaoke, also Videos, in denen sie zu Original-Tönen vor der Kamera agieren.

Da sich sogar die in Urheberrechtsfragen notorisch sensibel reagierende Musikbranche auf Deals mit YouTube eingelassen hat, scheint sich dessen Überwachungs-Architektur offenbar als tragfähig zu erweisen.

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(SZ vom 11.10.2006)