Internet Neue Münchner Geschichten

Das Leben eines Endzwanzigers in der Web-Serie "Fett und fett" der beiden Filmstudenten Chiara Grabmayr und Jakob Schreier

Von Hannah Vogel

Zuerst wird der Schnaps vom Regal geholt, dann der Joint geraucht und schließlich eine Linie durchgezogen. Während die Rauschmittel bei den drei Münchnern ihre Wirkung entfalten, stellt Jaksch fest: "Irgendwann kommt man an den Punkt, wo man merkt, dass es halt nur wenige Dinge gibt, die einem wirklich Freude bereiten, nämlich: Essen, Saufen, Sex und Geld. Aber Frauen und Geld sind schwierig, also wirst du fett und besoffen." Der Originalton stammt aus der ersten Episode von "Fett und fett", einer Web-Serie, die von den Münchner Filmhochschülern Jakob Schreier und Chiara Grabmayr produziert wird. Zugleich war sie namensgebend, denn im Österreichischen ist "fett" ein Synonym dafür, betrunken zu sein.

Dass Schreier das bei einem Aufenthalt in Wien gelernt hat, war Zufall - einer von vielen, die diese Serie prägen. Während eines Pitchs für eine andere Produktion, die sie bereits seit mehr als drei Jahren konzipierten, fiel der entscheidende Satz: "Jakob, lass uns einfach was machen - jetzt". Und genau das taten die beiden Studenten der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) dann auch. "Fett und fett" spielt in München, zeigt das Leben mit Ende zwanzig. Die ersten Episoden halten Alltag, Gefühle und Situationen fest, mit denen sich viele junge Menschen identifizieren können. Beispielsweise wenn Jaksch, gespielt von Jakob Schreier, seine Chance auf einen One-Night-Stand mit einer hübschen Blondine verpasst, weil ihm auf dem Heimweg doch ein Stück Pizza begehrenswerter erscheint. Oder wenn er - nur mit einer Badehose bekleidet - im leuchtenden Abendrot über die Corneliusbrücke radelt.

Am Effnerplatz gestrandet: Jakob Schreier als Jaksch in "Fett und fett".

(Foto: oh)

Überhaupt ist es nicht so wichtig, "was" in den kleinen Episoden passiert, viel wichtig ist das "wie", mit dem die beiden Filmemacher Leichtigkeit und Lebensgefühl vermitteln wollen. Ganz besonderen Wert legen Schreier und Grabmayr dabei auf Spontaneität und Improvisation: Obwohl vor den Drehs ein grober Ablauf feststeht, ist der Ausgang ungewiss. Denn für die Dialoge und Gags gibt es kein Script. "Die Geschichten entwickeln sich am Set. Wer Ideen hat, kann sie einbringen", sagt Grabmayr. Für die 27-jährige Regie-Studentin war auch von Anfang an klar, dass ihr Kompagnon die Rolle des Jaksch übernehmen muss. Es mache einfach Spaß, ihm beim Schauspielern zuzuschauen, meint sie. Tatsächlich passt der verschmitzte Charme des 29-Jährigen perfekt zur Figur. Natürlich sind manche Situationen auch autobiografisch. Und neben Schreier stehen auch noch Freunde und Bekannte der beiden Studenten vor der Kamera, teils Schauspieler, teils Laien. Wenn man die Rollen für eine Serie besetzte, suche man oft nach Typen, die man aus dem echten Leben kenne, sagt Schreier. "Wir kürzen das einfach ab und fragen denjenigen, den wir von Anfang an gemeint haben", so der Drehbuchstudent. Dieser speziellen planlosen Art zu drehen sind vermutlich auch die technischen Mängel geschuldet, die einem natürlich auffallen. Dass manchmal die Kamera wackelt oder die Aufnahme nicht optimal ausgeleuchtet ist, wirkt fast schon wie ein Stilmittel, lässt es die einzelnen Folgen doch wie das reale Tagesprotokoll aus dem Leben eines Endzwanzigers aussehen.

Nicht einmal bei der Länge der Episoden wollen sich die Produzenten festlegen. Während die erste zehn Minuten dauert, sind es bei der zweiten 15. Etwa alle zwei Monate wollen Jakob Schreier und Chiara Grabmayr eine neue Folge auf die Videoplattform Vimeo stellen. In der nächsten wird es um den Wunsch nach Autorität, einem strukturierten Tagesablauf, Mütter und Scarlett Johansson gehen. Ob die amerikanische Schauspielerin selbst mitspielen wird? "Bisher hat sie noch nicht zugesagt", verrät Schreier mit einem Augenzwinkern. Und Grabmayr ergänzt bedauernd: "Wir könnten ihr weder Gage noch Flugticket zahlen."