Die Götter müssen ihn lieben: Just, als Lateinlehrer Jon sich in seine hübsche junge Kollegin verliebt, wird er seine Frau los. Eine Geschichte über gebildete Menschen von heute.
Die Verfilmung eines Romans zweier Drehbuchautorinnen der Lindenstraße - das klingt erst einmal wenig vielversprechend. Aber der ZDF-Fernsehfilm der Woche "Im Gehege" tut etwas, was im Fernsehen viel zu selten passiert: Er erzählt eine richtig gute Story.
Robert Atzorn und Judith Rosmair spielen Julie und Jon. (© Foto: Sandra Hoever/ZDF)
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Der Anfang erinnert an Nabokovs Lolita - als Humbert Humbert dieses unglaubliche Glück hat, dass genau in dem Katastrophen-Moment, in dem seine Ehefrau sein entlarvendes, böses Tagebuch von vorn bis hinten durchgelesen hat und fuchsteufelswild auf die Straße rannte, sie von einem Auto überfahren wurde. Von einem ähnlichen Glück im Leben des Lateinlehrers Jon Ewermann (Robert Atzorn) erzählt "Im Gehege".
Am 50. Geburtstag des disziplinierten Pädagogen betritt die junge, hübsche neue Kollegin Julie Schwertfeger (Judith Rosmair) das Lehrerzimmer. Sämtliche Männer im Kollegium fühlen sich angeregt, und auch Ewermann beginnt, die schöne Kunsterzieherin zu beobachten, über sie zu phantasieren.
Eines Nachmittags ist ihr Auto kaputt: Er darf sie fahren, er darf sie ausziehen. Zuhause ahnt Ewermanns Gattin Charlotte (Eleonore Weisgerber) - eine gepflegte, wirtschaftlich unabhängige und doch vernachlässigte Geschäftsfrau - alles. Am nächsten Morgen macht er reinen Tisch, sagt, dass er am folgenden Tag ausziehen will. Es hagelt Hass, Vorwürfe, Drohungen von der Ehefrau, die ihm im Grunde seines Herzens entsetzlich egal ist. Sie braucht einen Schnaps, stolpert auf der Treppe, stürzt und ist tot. Später erfährt er: Sie hinterlässt ihm sechs Millionen Euro.
Spätestens jetzt ist sich Ewermann sicher, dass die Götter ihn lieben. Dass eine wunderbare Zukunft im Zeichen von Luxus, Liebe und Kunstlehrerin soeben begonnen hat. Er stürzt sich sogleich ins Tagträumen, Planen und Phantasieren. Dinge, die geschehen, aber nicht so gut ins Bild passen, will er einfach nicht mehr ernst nehmen. Menschen, die aus seinem alten Leben stammen, ebenfalls nicht, auch nicht den von Axel Milberg nuanciert gespielten besten und längsten Freund Robert.
"Schwarzer Thriller" nennt das ZDF den Film. Das bedeutet in diesem Fall, dass er mitunter an Ingrid-Noll-Verfilmungen erinnert. Die Story von Martina Borger und Maria Elisabeth Straub ist aber deshalb so bemerkenswert, weil sie gerade nicht das Porträt eines Ausnahmefalls, eines sonderlichen Egoisten, zeichnet. Sondern weil es eigentlich um einen sehr zeitgemäßen Menschentyp geht - einen, wie er eigentlich überall frei herumläuft.
Er befasst sich mit seinen Phantasien und Projektionen ausgiebiger und liebevoller, als mit allem, was in der Wirklichkeit geschieht. Er fühlt sich an keinen anderen Menschen gebunden: höflich, gebildet und amüsant ist er, aber er nimmt seine zwischenmenschlichen Beziehungen nicht ernst - und am Ende nicht einmal sich selbst.
Im Gehege, ZDF, 20.15 Uhr.
- Im TV: "Der Seewolf" Diesmal ist die Knolle roh 24.11.2008
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- Robert Atzorn verlässt den Tatort Unter Zwangspensionierten 10.04.2007
(SZ vom 1.12.2008/rus)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
....zumindestens die am Gymnasium meiner Tochter haben anders ausgesehen und waren teilweise von den Schülern nicht zu unterscheiden, bzw. einige Schüler oder auch die Schülerinnen haben schon herausgestochen, aus dem grauen Leherkolleg !
Zumindestens der zweite Todesfall war ja auch nur etwas mehr als ein Unfall, der zweite Mord wohl eher unwahrscheinlich, der dritte dann natürlich folgerichtig und das die Lehrerin noch etwas Jüngeres nebenbei hatte war ja wohl zu erahnen.
Schade das die Person der Kommissarin nicht mehr zur Geltung kam, denn die hatte er ja proviziert !
Na ja, es hat schon bessere Montagsfilme beim ZDF gegeben und ob Herr Atzorn nun wie 50 oder 55 ausschaut ist ja auch wurscht, er tut ja was für seine Gesundheit und quält sich joggend durch den Wald. Warum eigentlich ?
"Die Verfilmung eines Romans zweier Drehbuchautorinnen der Lindenstraße - das klingt erst einmal wenig vielversprechend", so begann der Artikel der Süddeutschen, sehr vielversprechend. Ich laß weiter und freute mich schon auf den Fernsehfilm mit Robert Atzorn.
Es wurde eine Romanverfilmung zweier Drehbuchautorinnen der Lindenstraße und es war grauenhaft ... Bis 21.05 Uhr war die erzählte Geschichte in Ordnung, aber als dann der erste Mord passiert, wollte ich den Fernseher ausschalten, als der zweite passierte, tat ich es.
Ich bin enttäuscht! Nicht nur vom Fernsehfilm selbst, sondern vielmehr von der Fehleinschätzung eines Redakteurs de Süddeutschen - dies habe ich so, in dieser Form, noch nicht erlebt.
Lasse ich in diesem Fall gelten - aber würde der Film verlieren, wenn Atzorn einen 55-Jähringen spielt, der eine Vierzigerin findet?
Das könnte an dreierlei liegen:
1. Atzorn geht noch als Fünfzigjähriger durch.
2. Über Sechzig und im Lehrberuf gibt es wahrscheinlich nur noch in den wenigsten Fällen.
3. Beziehungsaltersgefälle von mehr als 15 Jahren werden wahrscheinlich eher im Komödienfach verbraten, aber das ist nur so ein Gefühl von mir.
Egal wie der Film ist:
Müssen eigentlich die Schauspieler (meist die Männer) immer jünger gemacht werden? Atzorn ist 63 und spielt einen Fünfzigjährigen.